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Die erzählende Dichtung
diesen, daß er alle andern Frauen zugunsten seiner eigenen herabsetze P. 115,5 ff. Die Wendung mat sprechen scheint den Ausdruck Reinmars MF. 159, 9aufzunehmen. — Neidharts rüde Bauernpoesie paßt so recht als Umweltfür den ungeschliffenen Rennewart, der mit seinem Schwert wie ein rechterDorfgeck aufsteigt, Wh. 312, 11—14 (s. auch Singer, Neidh.-Stud. S.19ff.).
Aus der franz. Literatur hat Wolfram wohl auch selbständig einige Be-ziehungen übernommen (hier tritt die Quellenfrage — Kyot ein, s. unt.),wie z. B. Alexander und Surdamur P. 586, 27. 712, 8 und der Name Clias334, 11 aus Chrestiens Cliges entlehnt sein wird; der Frauenräuber Meljacanzim Kampf mit Lanzilot 387, l- 1 —8. 583, 8—10 aus einem franz. Lancelotroman.
Mit der Heldensage war Wolfram wohl vertraut, ein volkstümlicher Zuglag ja überhaupt in seiner Veranlagung. Die Krafttaten Etzels, Ermenrichs,Witeges, die er humoristisch übertreibt, sind geringer als die Kämpfe aufAlischans Wh. 384, 18-30; Uote als Bild treuer Fürsorge Wh. 439, 16; Si-beche, der kluge Ratgeber, dient dem feigen Liddamus zur EntschuldigungP. 421, 23—28; Wolfhart als Draufgänger 420, 22; andere Namen aus derHeldensage s. Bartsch, Germ. Stud. 2, 128 ff.
Eigentümlich liegen die Beziehungen zwischen Wolfram und dem Nibe-lungenlied. Die Berührungen sind von zweierlei Art, einmal nur die Namenim B. I des Parz. Zazamanc und Azagouc 16, 2 (die andern Stellen s. Mar-tin 1,29, Anm. zu 16,2); dann aber die die ganze Situation charakterisierendeund humoristisch färbende Berufung des Liddamus auf „Rumoldes rät" 420,25—421, 10. 1 — Zahlreich sind besonders stilistische Anklänge an Wolframin der Klage. 2
In der Gudrun begegnet eine Reihe von Ähnlichkeiten mit Wolfram, z.B.
1 Rumoldes rät hat W. aus d. Nib.lied ent-lehnt, Nib. Str. 405-09 Lachm., 1465—69Bartsch, u. zwar nach der Hs. C* (snitenbosn P. 420,29 = sniten in öl gebrouwen nurin C, Bartschs große Nib.ausg. 1,212 Str. 1468,7). Rumold Wiederholtseine Abmahnungnoch-mals vor der Abreise der Burgunder Lachm.1457f., Bartsch 1517f. Eine zweite Erinne-rung an Rumold ist P. 206, 28—207, 2 = Nib.Lachm. 720, Bartsch 777, wo die Kesselscherzhaft Untertanen des Küchenmeisters ge-nannt werden. — Und so sind wohl auch dieNamen Zazamanc u. Azagouc P. 16, 2. 27, 29eher Entlehnungen W.s aus d. Nib.lied Lachm.353, Bartsch 362 (ABC) u. Lachm. 418, 6,Bartsch 439 (nur BC, fehlt A) als umgekehrt,um so mehr alsW. gerade im B.I eine MengeNamen anderswoher entnimmt, von Azagoucsamlt P. 234, 5 ist aus Nib. 418 (439) von Aza-gouc der siden geholt, denn das Nib.lied liebtdie Bezeichnung ausländischer Kostbarkeitennach ihren Ländern: Goldu. Seide von Arabi,Edelsteine von India, Pfeiler aus Lybian, SeideausLybien,Marroch,Ninive. Lit.: bes. Braune,Beitr.25, 87 ff., ferner Bartsch, Germ. Stud. 2,129 /Hagen, ZfdPh. 38, 234-36; H. Fischer,
Münch. SB. 1914, Abh. 7; Singer, Stil S. 107 f.u.Wh. S. 112; Martin II S. LXXXVIf.; Leitz-mann, Beitr. 26,132 u. ZfdA. 61,50; de Boor,ebda 61, 1—11; Droege ebda 62, 193 ff.;Golther, Gralb. S. 211. — Steinmeyer, Epi-theta, Prorektoratsrede, Erlangen 1889, S. 17Anm. 9: klär in Nib.hs A, Lachm. 1594,Bartsch 1654, aus Parz.; Schröder, ZfdA.59,244: harnaschvar Nib. aus P. 588,13, dazuLeitzmann, Germanica, Festschr. f. Sievers1925 S. 553.
2 Bartsch, Germ. Stud. 2, 129 f.; Panzer,Hilde-Gudrun S. 149—51; Hagen, ZfdA. 47,214f.; Meissner, ebda 60,129 ff.; Frings,ebda 61, 195 f. — Anklänge an W. im Bite-rolf: Leitzmann, Festschr. f. Sievers 1925,550—53. Viele Entlehnungen aus d. Wh. inderVirginal: Lunzer, ZfdA.52, 113—134.Im Wolfdietrich Dv 133 (Jänicke, Dt.Heldenbuch 4. Teil 2. Bd. S. 61) ist Wolf-ram der werde meister von Esdienbadi alsVerfasser ausgegeben; über den „falschenWolfram" s. Schneider, Wolf dietr. Reg. S. 420.Auch ein Trojanerkrieg (Göttweiher Hs.)empfiehlt sich als Werk W.s, s. oben S. 98Anm. 4.