§ 33. Vorgänger, Zeitgenossen, Nachfolger Wolframs 221
übelwollende Kritik Gotfrids, Trist. 4636—88 (s. unt. bei Gotfr.), zu begreifen.Er, der ästhetische Feinschmecker, trifft in den Kern von Wolframs Eigen-art, wenn er seine knorrige Selbstwilligkeit, sein unbekümmertes Umspringenmit der Überlieferung, seine ungeschminkte Natürlichkeit, seine Geheimnis-tuerei, seine gesucht geschraubte Sprache tadelt. Wolframs Verteidigung gegenseine Kritiker Wh. 4, 19—24 ist maßvoll und läßt jedem das Seine. Ob erwirklich dabei auf den heftigen Angriff Gotfrids zielte? und gar mit Wh. 237,8—14? —-Das Bild vom aufgescheuchten Hasen (schellec hase) P. 1, 19 wirdvon Gotfrid gehässig aufgegriffen: swer nü des hasen geselle st Trist.4636, lund der Seitenhieb Trist. 7939—65 ist der Ausfluß einer unangenehmen Emp-findung über die Behandlung von Anfortas' Wunde P. 481, 6—484, 17 {redediu niht des hoves si, vgl. Heinzel, Kl. Sehr. S. 39 f.).
Die Geschichte Tristans hat Wolfram offenbar aus Eilharts Tristrantgekannt 2 und aus ihm schöpfte er seine Anspielungen P. 144, 20 (Curne-val); 187, 19 (die beiden Isalden); 573, 14—19 (Kahenis); 49, 5. 67, 19.73, 18. 82, 11. Namen: 86, 14 (Morholt v. Yrlant), Riwalin von Lohneis73, 14-16, Tinas 429, 18, Garschiloye 255, 9. 806, 14.
Der Vers P.662,19 mit den scheenen schenkein Maarin stammt aus Zazik-ho vens Lanzelet 3052.3487 mit den liehten seh. her M. und nicht umgekehrt. 3
„Eraclias ode Ercules ai P. 773, 22 ist einer der Steinkundigen, auf diesich Wolfram beruft. Er war durch Ott es Erzählung bekannt, Wolfram nenntihn aber nicht nur mit lat. Namen Eraclius wie Otte, sondern auch Ercules,das ist franz. Eracles.
Mit Walther v. d. Vogelweide 5 verbanden Wolfram bei seinem Auf-enthalt in Thüringen kollegialische Beziehungen. Noch schärfer als Wolframwendet jener sich gegen die allzu laxe Hofhaltung des Landgrafen (s. ob.S. 216). Im Wh. 286, 19, wo der gereizte Tölpel Rennewart den Meisterkochunter den Küchenkessel ins Feuer wirft, fällt Wolfram Walthers Spruch vom„Spießbraten" ein (Lachm.,Walth. 17,11 ff.) und launig zitiert er „herVogelweidvon braten sanc". — Auf Walthers Seite steht Wolfram auch, wenn er sichgegen dessen Nebenbuhler Reinmar ausspricht. 6 Wie Walther tadelt er
S. 3; Th. Absil, Q.s. Trist, u. Is. u. W.s Parz.,Tijdschr. v. Taal en Letteren 11 H. 2, dazuJansen ebda 12 H.l/2; QoLTHER,Qralb.S.195;s. unt. Gotfr.
1 Die umgekehrte Ansicht, daß W. mit 1,15der Einleitung des P. gegen Gotfr. 4636 ff. auf-trete (Lit. bei Rosenhagen aaO.), bedürfte wohlstärkerer Begründung. Über das typische Ein-gangsmotiv der tumben u. wisen s. ZfdA. 49,417ff.; Schwietering, Demutsformel S.29ff.
2 Singer, W.s Stil S. 61; Kurt Wagner,Eilh.I S. 13*. 16*.
3 Ulr. v. Zaz. hat auch sonst solche nähereBestimmungen zu Personen: mit dem. käenenherzen Kuräus684, erhiez Dodines dervtildemit den breiten handen 7098. derwirtMäbüzder blcede 3551, er ist genant Iweret von dem
sdicenen walde Beforet 332, auch 688. 6891.7544. 7990; s. auch Haupt, ZfdA. 11, 491.—Bartsch, Germ. Stud. 2,127; Heinzel, WSB.130, 6; Singer, Festg. f. Heinzel S. 430 ff.;Ders., Aufs. u. Vortr. S. 144 ff., W.s Stil S.61.
4 Graf, Eraclius S.39f.; dagegen Schröder,Gott. g. A. 1884, 569 u. Münch. SB. 1924 Abh. 3S. 13.
5 Schönbach, Walther aaO.; Burdach,Walther S. 58 ff. 97 f. u. Dt. Rundschau 1902Nov.; Ludw. Grimm S. 22—27; John MeierS. 519; Wallner, Beitr. 44,117—19; Singer,ebda S. 426 ff.; Schröder, ZfdA. 63, 224;Schreiber S.61. 128f. 213ff.
6 Stosch, ZfdA.27,317ff.; L. Grimm S.22—27; J.Meier S.518f.; Vogt, MF. Anm. zu159, 1 ff.