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brechen und scheut auch nicht vor einem derben Witz oder vor gewagtenerotischen Anzüglichkeiten zurück. Er hat sich der Natur, dem natürlichenMenschen nicht entfremdet, und angeborenen inneren Wert schätzt er höher alsangelernte Etikette. 1 Aber doch hat er mit Hartmann und den andern deutschenUm dichtem den deutschen Zug gemein, Leidenschaftsausbrüche des franz.Vorbildes zu mäßigen, den Umgangston zu verfeinern, die Charaktere zu ver-edeln, selbst an dem Schicksal seiner Personen teilzunehmen. Auch seineethischen Anschauungen (s. unt.) bringt er über die Vorlage hinaus— sowohl im Parz. als im Willeh. — zur Geltung, seine religiöse Innerlichkeitund das Nachdenken über theologische Fragen, die triuwe als Grundlage dersozialen Ethik, die Gattentreue in der Ehe, sein Interesse für das Rätsel derMinne und für das Wesen der Frauen. Eine überragende Phantasie mitungemein beweglicher Gedankenverknüpfung schafft in ihm die Wirklichkeitzu einem unendlichen und unsagbaren Weltbild. Zur Phantastik versteigt sichdie Einbildungskraft in dem geheimnisvollen Zauber, den ein Wissen vonseltsamen Dingen, eine krause Gelehrsamkeit, die abenteuerliche Fernedes Orients auf ihn ausübt. Und trotz allem Reichtum der Gedanken unddem Aufstieg zur übersinnlichen Welt lebt dieser geistgerichtete Mensch imrealen Dasein, er beobachtet mit gegenständlichem Sinn die Dinge und dieVorgänge und er hat seine Freude am Glanz und an den Genüssen derirdischen Gaben.
Nicht in Technik und Form, im künstlerischen Planbau, liegt die StärkeWolframs. Die Fülle des Stoffes im P. wirkt überwältigend, aber diese Masseist nicht episch beherrscht, das persönliche Eingreifen und Abschweifen störtoft den Fluß der Erzählung und zieht von der augenblicks herrschenden Bild-einstellung ab, dann verdeckt die Auswucherung die plastischen Umrisse.Denn nicht kunstgemäßem Formsinn entspringt die Dichtung Wolframs undalles ist in eine dunkle, seltsam verschnörkelte Sprache gezwängt, die keineruhige Klarheit epischer Abrundung aufkommen läßt. Wolframs dichterischeKraft ruht in dem Gefühl für die Menschenseele und in der Ehrfurcht vorgroßen Gedanken.
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Wie Hartmann und Gotfrid so preist auch Wolfram Heinrich von Vel-deke als seinen Meister: 3 so tnüese ich tninen meister klagen von VeldekeWh. 76, 24 f. und betrauert seinen Tod P. 404, 28 öwe daz so fruo erstarpvon Veldeke der wise man, ferner P. 292, 18 ff. Beziehungen auf VeldekesEneide: P. 399, 11 ff. (Eneas und Dido), 419, 11 ff. (Turnus und Tranzes),
1 Petersen, QF. 106,124 ff.
2 v.d.Hagen, MS.aaO.; MartinII S.LXXXVff.;Bötticher, Übertrag 3 S.54ff.; Lichtenstein,Beitr. 22, 71; Heinzel.WSB. 130,4 ff.; Ludw.Grimm, W. u. die Zeitgenossen, Leipz. 1891,dazu Nolte, Anz. 25, 292—304, Bötticher,ZfdPh. 13, 420ff.; Singer, W.s Wh. S.III u. anvielen Stellen; Roethe, Rede S. 14.
3 Behaghel, En. S.CCXIVff.; John Meier,Festschr.d. Basler Phil.-Vers. 1907,508f.517f.;Singer, Aufs. u.Vortr. S.168f.; Ders.,W.sWh.S.U. 19. 31 u. ö.; Palgen, Beitr. 44, 222 ff.;Schwietering, ZfdA. 61, 71 ff. (Einfluß d.Eneide auf P. I. II); Kurt Wagner, Eilh. IS. 19* Anm. — Veldekes Minnebaum: Weise,Sentenz bei Hartm. S. 35.