§ 32. Wolframs Leben
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dem Weifenhause ungünstige Bemerkungen Wh. 381, 26 ff. 393, 20 ff. sprechendafür, daß Wolfram Anhänger der staufischen Partei war. 1
Auf eigener Landeskenntnis Wolframs beruhen wohl auch die eingehendengeographischen Angaben über Trevrizents Ritterfahrt nach SteiermarkP. 496, 15—497, 1. 498, 20—499, 10 (Wh. 366, 28). Beziehungen zwischenAdelsgeschlechtern, die zu Wolframs Bekanntenkreisen gehörten, zu Steier-mark mochten ihn dahin geführt haben. 2
Des Dichters Lebenszeit ist umschrieben etwa durch die Jahre 1170 und1220, auch die Entstehung seiner Werke läßt sich nur im allgemeinen datieren,der Parzival mag um 1197 oder 1200 begonnen, um 1210 vollendet wordensein, der Willehalm fiele zwischen 1212 und 1218, seine letzte Dichtung warderTiturel; die Lieder gehören wohl zumeist in die frühere Parzivalzeit.
Ein Ritter aus armem Dienstmannengeschlecht, vielleicht ein nachgeborener,nicht erbberechtigter Sohn P.4,27ff y war er auf Dienste an fremden Höfenangewiesen, die ihn nach Wertheim, Wildenberg,Thüringen führten. Mit Treueund Liebe hängt er an seinem auf dem ärmlichen Burgstall zu Eschenbachzurückgelassenen Weibe und seinen Kindern. Banges Gefühl von zukünftigemgroßen Leid ergreift ihn bei dem Gedanken, sein Weib könne ihm durchden Tod entrissen werden (Tit. 18). Ihm war die Familie der feste Untergrundseines sittlichen Seins. Der Mann, dessen Geist in die verborgensten Tiefenmenschlichen Wissens und Ewigkeiterkennens einzudringen strebte, bewahrtesich ein kindliches Gemüt und eine naive Freude am Kinderleben (P. 372,15—21; Tit. 30. 86, weitere Belege bei Schreiber S. 98 f.). Bei der Prachtheidnischer Wappenröcke denkt er mit Humor an die Puppe seines TöchterchensWh. 33, 24, bei dem Zerwürfnis zwischen Terramer und seiner Tochter durchihre Heirat sorgenvoll an ihre dereinstige Vermählung Wh. 11, 22—24; zumBild der kleinen Dame Obilot mag ihm sein eigenes Kind Züge geliehenhaben und aus einfühlendem Herzen mag es gesprochen sein, wenn er diein keuscher Ehe erworbenen Kinder das Glück des Mannes nennt P. 743, 21.Auch von Schwester und Bruder redet er gelegentlich (P. 686, 29 f. 740, 29).
Und so ist denn „reine Menschlichkeit" überhaupt der Sinn dieser geistigenForm „Wolfram", das natürliche Menschsein. Darum ist seine Bewußtheitvon dem Wert seiner eigenen Arbeit nicht zwiegeteilt in Rittertum und Dicht-kunst, sondern er spricht als Dichter eben gerade das aus, was ihm denWert des Daseins bedeutet. In seiner sog. „Selbstverteidigung" P. 114, 5—116, 4 (vgl. auch 612, 7—12), die wohl mehr ein Selbstbekenntnis ist, legter seine Grundsätze über seinen Lebensberuf nieder. Er ist durchdrungen
1 Singer, Wh. S.4.76.111 f. 123; SchreiberS. 78-80. — W.s Reichsgesinnung: Wh.434,6-15.
2 Haupt, ZfdA. 11,46—49; Bartsch, Germ.Stud. 2,135; Alfr. v. Siegenfeld, Das Lan-deswappen v. Steiermark, 1900, dazu Schön-bach, Anz. 27, 149—155; Schönbach, An-fänge d. dt. Minnesangs S.78ff.; Lichten-
stein, Beitr. 22,61; Hagen, ZfdPh. 38, 20 ff.198 ff.; Heinzel, Wien. SB. 130, 20 f.; Jos.Weiss, ZfdA. 28, 136—39; Rich. Müller,ebda31,103; Schulte, ebda41,265; Martin,QF. 42, 17, Ausg. II S. 100; RosenhagenS. 552; Golther, Rede S. 22, Gralb. S. 181 f.;Schreiber S. 89—97.