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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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Die erzählende Dichtung

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Mains, Wertheim gegenüber, zieht sich das unbewohnte Waldgebirge derSpehteshart, Spessart, hin, das Wolfram dreimal erwähnt P.216, 10 ff. Wh. 96,15 ff. 377, 23 ff., und geographisch ist hier anzureihen Kitzingen (oderKissingen, Schreiber S. 76 f.) Wh. 385, 26. Ganz klar weist aber der Ausdruck,in dem er von Wildenberc redet, darauf hin, daß er sich während derAbfassung des V. Buches dort aufgehalten hat: so gröziu fiwer sit noch esach niemen hie ze Wildenberc P. 230, 12. Dieser groß angelegte Ritter-sitz, dessen Trümmer, die Wildenburg, südlich von Amorbach im Oden-wald, noch heute von einstiger Herrlichkeit zeugen, gehörte den Herrenvon Durne (Walldürn), die mit den Grafen von Wertheim in freundschaft-lichen Beziehungen standen. 1 Am stärksten bezeugt ist Wolframs Aufenthaltam Thüringer Hofe beim Landgrafen Hermann. 2 Er preist den mlltenfürsten P. 297, 1630, aber er ist entrüstet über das zuchtlose Treiben derzuströmenden Schmarotzergesellschaft, wovon her Walther singeguotentac, bces unde guot"; hier täte ein Hofmarschall not wie Keie oder HerrHeinrich von Rtspach. 3 Auch die neuen Tänze aus Thüringen P. 639, 11,deuten auf ein flottes höfisches Leben. Also mit Walther zusammen warWolfram an dem kunstsinnigen Dichterhofe Hermanns. Das von ihm zitierteGedicht Walthers ist verloren, aber in dem Spruch Der In den ören siechvon ungesühte si (Walth. 20, 4) drückt jener in gleicher Weise seinen Un-willen über die lärmende Hofhaltung des Landgrafen aus.

Den wichtigsten Anhalt für die Zeitbestimmung Wolframs gibt dieBemerkung über die von der Verwüstung noch zertreten liegenden Wein-gärten von Erfurt im VII. B. des P. 379, 18: Hermann war vonKönig Philipp, seinem Vetter, abgefallen und belagerte ihn im Sommer.1203in Erfurt. Philipp entkam, aber Thüringen war durch den Krieg grausamverheert. Erst nach dem Friedensschluß im September 1204 4 kamen wiederruhigere Zeiten in das heimgesuchte Land. Jene Verse mochten also umdie Wende von 1204/5 verfaßt worden sein. Auf jene Jahre deutet auch dieVergleichung mit dem früheren Reichtum des griechischen Kaisers 563, 8,die nach der Eroberung Konstantinopels im J. 1204 fallen muß. Wolframverweilte wohl auch später wieder in Thüringen, denn vom Landgrafen erhielter die franz. Quelle für seinen Willehalm, Wh. 3, 8, und er preist dessenFreigebigkeit im letzten Buch des Wh., 417, 2226 (s. unt.). In einer Titurel-strophe, 82 a , ist ihm ein ehrenvoller Nachruf gewidmet (s. unt.). Zwei

1 Roethe, Anz. 23, 31012; Schröder,ebda24,317f. 41,88f.;u.bes.ScHREiBERS.3658. Munsalvaesdte, mons silvaticus,Übersetzung von Wildenberg? Lichtenstein,Beitr. 22, 72: Schreiber S. 40; dagegenSinger, W.s StilS. 89 f.

2 Thüringischer Einfluß in der Sprache, vonLachmann angenommen (masc. Artikel md.diefür obd. der), s. auch Kinzel, ZfdGymnasialw.1877,587, Behaghel, Germ. 24,487 f., zurück-

gewiesen von Paul, Beitr. 2,65, Gebhardt,ebda 24,4068.

J Ist nicht sicher ermittelt: Haupt, ZfdA. 6,187; Martin II S. 259; Schreiber S. 86.

4 L. Wolff, ZfdA. 61, 188ff nimmt mit be-achtenswerten Gründen an, W. sei vor Her-manns Abfall am Thüringer Hofe gewesen,also etwa 1202, und in Erfurt, wo W. mit demHeere Philipps eingeschlossen gewesen, seidie Anspielung im Herbst 1203 entstanden.