§ 32. Wolframs Leben 215
Eschenbach, liegt das Schloß der Grafen v. Abenberg, dessen vielbetretenenAnger er dem verlassenen Burghof von Munsalvaesche gegenüberstellt P. 227,7.Eines guten Rufes müssen sich die schmackhaften Krapfen von Trühen-dingen (Wassertrüdingen, südlich von Eschenbach) P. 184,24 erfreut haben,und belustigend mögen die Fastnachtskämpfe der Krämerfrauen vonTolnstein(Dollnstein bei Eichstätt) P. 409,8 ff. gewesen sein (Singer, Neidh.-Stud. S.44).Der Sand Wh. 426, 30 ist jetzt als Stadtteil in Nürnberg erwiesen (SchreiberS. 86—88). Östlich aus Baiern erwähnt Wolfram den kostbaren Regens-burger zindäl, einen Webestoff, P. 377,30, die Bernhartshüser Hüte undderen Walkung Wh. 397,4 (Beratzhausen bei Regensburg), und P. 403, 25—404,16 preist er die Markgräfin vom Heitstein 1 (Elisabeth v. Vohburg, Haid-stein bei Cham im Baier. Wald), ihre feine Bildung und Geistesart vergleichendmit Antikonte, der melde zühte rieh (P. 405, 22). Südlich von Franken, nachSchwaben, führt die Erwähnung von Nördlingen mit seinen FlachsschwingenWh. 295, 16, westlich davon liegt der große Wald Virgunt Wh. 390, 2 undweiter ab das Lechfeld bei Augsburg, erwähnt in dem humoristischen Ver-gleich der Größe des Angers von Schastelmarveil P. 565, 4; im Herzen vonSchwaben die Pfalzgrafschaft Tübingen Wh. 381, 27, an der Grenze derSchwarzwald P. 379, 6, Wh. 390, 2, Tit. 1, 31, und der Bodensee Wh.377,5. Die Zitierungen von entfernteren Örtlichkeiten sind lediglich stilistischeEinflechtungen und geben nicht Zeugnis für die Heimatsbestimmung Wolf-rams und seinen Heimatssinn (Wein von Bozen Wh. 136,10; Rhein undRhone Wh. 404, 22; die Maler von Köln und Maastricht P. 158, 14;Aachen Wh. 396, 22; Wtzsant P. 761, 28, zwischen Wizsant und StireWh. 366, 28 (s. Martin I S. 500).
Solche Andeutungen wurden von seinen Hörern wohl verstanden undmachten ihre Teilnahme an der Erzählung rege. Die Kreise, für die er diesegroßenteils humoristischen Anspielungen bestimmte, setzten sich ja aus denadeligen Geschlechtern jener Gegenden zusammen. Für die Kenntnis seinerLebensumstände ergeben sie uns nicht viel, Licht aber werfen auf dieseeinige andere persönlichen Bemerkungen. Bei der Schilderung von der Hungers-not in der belagerten Stadt der Condwiramurs sagt er humorvoll: min herre dergräf von Wertheim weer ungern saldier da gewesen P. 184, 4—6, und darauferinnert ihn der Mangel der Belagerten an sein eigenes Haus, wo er Herrist, und er beklagt (P. 185,9) seine Armut: da wirt gefreut vil selten mus,denn die müßte ihre Speise stehlen 184, 27 —185, 9. Als Wolfram diesesIV. Buch dichtete, stand er in Diensten des reichen Grafen von Wertheim:Boppo II von Wertheim war Stifter des Deutschordenshauses zu Eschenbachund in drei Urkunden zwischen 1272 und 1315 kommen Angehörige vonWolframs Geschlecht als Lehensleute der Grafen Von Wertheim vor (SchreiberS. 20—35). Bei Boppo also wird sich Wolfram zeitweise aufgehalten haben(die Hs.gruppe G liest 184, 4 der grave ppope v. Werth). Jenseits des
1 Wilhelm, Münchn. Mus. 4 H.3.