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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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214 Die erzählende Dichtung

Werken und aus den zerstreuten Bezugnahmen anderer, gleichzeitiger oderspäterer Verfasser gewinnen wir ein äußerlich umrissenes Bild seines Lebens.

Seinen Namen gibt W. viermal an, selbstbewußt stellt er sich vor alsDichter: ich bin Wolfram von Eschenbach unt kan ein teil mit sänge P. 114,12, ferner P. 185, 7 und am Schluß des Parz. 827, 13, im Wh. 4, 19, immerin der Formel ich W. v. E. (Singer, Festg. f. Heinzel S. 417 f.). Er war ritter-bürtig und war selbst Ritter: Schildes ambet ist min art 115, 11, der Dienstmit dem Schild ist mein angeborener Stand. Darum wird ihm auch vonden Späteren der Titel her gegeben. Die große Heidelberger Liederhs. C(die Manessische) um 1330 faßt ihn ebenso in seiner Eigenschaft als Ritterauf: im Wappenrock, von Kopf bis zu Fuß in Eisen gepanzert steht er nebenseinem gesattelten Pferde. Seine Heimat ist die kleine Stadt (Ober-)Eschen-bach in der heutigen bayer. Provinz Mittelfranken, 2 Meilen südöstlich vonAnsbach. Er war ritterbürtigen Geschlechtes, das wahrscheinlich dem Dienst-mannenstande 1 angehörte.

In der Deutschordenskirche zu Eschenbach, dem Frauenmünster, sah JakobPüterich von Reichertshausen 2 Ws Grab und Wappen, wie er in seinem1462 verfaßtenEhrenbrief" Str. 12730 berichtet (ZfdA. 6, 3160). Das vonihm beschriebene Wappen ist das gleiche wie das in Conrad GruenenbergsWappenbuch (Konstanz, zwischen 1480 und 1493) abgebildete, ein Topf mitHenkel, aus dem 5 Blumen herausragen. Und noch im Jahr 1608 hat derNürnberger Patrizier Kreß den Grabstein gesehen und das Wappen ähnlichbeschrieben (Frommann, Anz. f. Kunde d. d. Vorzeit 1861 Sp. 35559).Dagegen bringt die große Heidelberger Liederhs. fälschlich das Wappen deroberpfälzischen Eschenbacher, zwei aufrecht stehende Beile. 3 Der Verfasserdes jüngeren Titurel nennt Wolfram mehrfach {min) vriunt von Blienvelden,das ist Pleinfeld, 5 Stunden südöstlich von Eschenbach; so auch PüterichaaO., dem jüngeren Titurel folgend. Wolfram selbst rechnet sich zu denBaiern P. 121, 7 ff., vielleicht stammte sein Geschlecht aus Baiern.

Es ist eine stilistische Eigentümlichkeit Wolframs, seine Persönlichkeit undseine Umgebung in den Stoff hineinzutragen, gleichsam mitspielen zu lassen.Viele solche Einfälle betreffen Örtlichkeiten seiner engeren und der daransich schließenden weiteren Umgebung, die zusammengefaßt ein kleines geo-graphisches Bild ergeben. 4 In seiner fränkischen Heimat, nahe östlich von

Leben u. Dichten 2, 297356; Belger, Mor.Haupt aaO.; Schönbach, Walther S. 91105, 4. Aufl. v.Schneider; die Übersetzun-gen v. Bötticher u. Hertz; Roethe, Anz.23, 31012; J. B. Kurz, Heimat u. Qeschl.W.s v. E., 61. Jahresber. d. hist. Ver. f. Mittel-franken 1916, dazu Heidingsfelder, Hist.-pol.Bl. 160,14147, L. Grimm, Das Bayerland 28,39092, s. ebda 31, 2135; Fl. H. Haug,W. v. E., e. Lehensmann d.Grafen v.Wertheim,Jahrb. d.hist. Ver. Alt-Wertheim 1917,4147;bes. Schreiber, Neue Bausteine; Ludw.Wolff, ZfdA. 61,188-92.

' * Also wie Hartmann u. die meisten mhd.ritterlichen Dichter. Daß er ein frier, ein freierHerr war, ist nicht sicher nachzuweisen. Vgl.Schreiber S. 21.83.

2 Püterich s. Panzer S. 3.

3 W.s Wappen: Panzer S.l f. u. Zeichnungenvor dem Titelblatt; Piper 1, 68; Martin IIS. V; Schmeller, Üb. W.s v. E. Heimat, Grabu. Wappen, Abhandl. d. bayer. Akad. 2 (1837),189208; Helm, Beitr. 33, 32327; KURZaaO. bringt noch andere Abbildungen.

4 Siehe Panzers Skizze am Schluß seinerBibl.