208 Die erzählende Dichtung
tischer als bei Chrestien) Er. 1941—2117 ir wären zehen . . . fünve junc u. fänve alt...die jungen . . . die alten; Nu prüeve ich iu der jungen wät; ditz was diu junge rittersdiaft,nü körnen dar . . . fünf alte künege riche 1978; dazwischen Abschweifungen und zumEnde eine Entgleisung in der zeitlichen Reihenfolge (2073 ff. hinkt nach).
Im Iwein ist H.s Formempfinden feiner, auch in der Modellierung gegensätzlicher Ge-danken ist seine Sprache freier, er braucht sich nicht mehr an eine schematische Aufzählungzu halten. Mit dem Herzenstausch zwischen Iwein und Laudine 2984—3029 und dem „Ge-teilten Spiel" (Gewissenskampf Iweins zwischen zwei Pflichten) 4869—913 hat H. bekannteGegensatzmotive ausgesponnen. Tiefer an menschlichem Gehalt sind Gegenüberstellungenvon Lebensstimmungen: die Unterhaltung des jungen und des alten Paares im Burggarten6517—41; Iweins Nachsinnen über die Nacht als Glückbringerin gegenüber dem sonst sogeliebten, jetzt verhaßten Tag 7381—414, dazu 7437 f. 7491 ff.; s. auch Iw. 3350—58 deredel töre; auch 8057 f.
Im Gregorius und im A. Heinrich gibt die Weltanschauungsantithese des MA.s 1den Grundplan für den Inhalt ab. Im Greg, läuft sie mehr als Unterton durch die Tragikder Erzählung und ist nur einige Male auch sprachlich auffallender hervorgehoben wie durchgelinge — vorhte 112—19; sele und llp 436—51.2645—64; liep — leit 451—56 (dazu 462—64) und 789—99, trurec und vrö 1747—55. Besonders eindringlich wird das Aussehendes lebenden Märtyrers Gregorius entworfen durch das Mittel der Enttäuschung 3379—405:einen sehr schönen Mann — es wird das Muster eines modischen Elegants vorgezaubert —,den fanden sie da nicht, sie fanden einen Bettler — und jetzt wird die Jammergestalt desBüßers bis auf die Knochen beschrieben.
Im A. Heinrich prägt sich stärker als im Gregorius die gegensätzliche Denkart auch inder Sprache aus. Hier ist wirklich das Wort die Form des Geistes und wohl in keiner mhd.Dichtung ist die Manchfaltigkeit der Sprachgestaltung zu einem so einheitlichen Ausdruckder inneren Form zusammengehalten als im A. H. Der sprachliche Bau ist logisch durch-dacht in wohlgeordneter Gliederung, zugleich aber wird die Phantasie angeregt durch an-schauliche Bilder. So ist der Stil harmonisch ausgeglichen durch Vereinigung seiner beidenpsychologischen Untergründe des Verstandes und der Einbildungskraft. Besonders der Ein-gang ist ein Muster für diese Art sprachlicher Anschauung: V. 10—15 Zerlegung in dreiGlieder von je zwei Versen, von denen die beiden letzten wieder in einem gegensätzlichen Zu-sammenhang stehen (got— Hute); 38—46 antithetischer Parallelismus: a) äußere Güter 39,b) innere Güter 40, Zerlegung dieser Antithese 40—46; 50—74 Reihenparallelismus, von 60—74 in Metaphern gekleidet; die aufgezählten guten Eigenschaften sind sowohl äußere,gesellschaftliche Vorzüge 60. 61. 63. 71 als solche des Charakters 62. 64. 65. 66 f. 68 f. 70,Synthese 72—74, in deren Abschluß 74 die vorhergehenden Eigenschaften zusammengefaßtsind, und zwar die gesellschaftlichen mit hübesdi, die des Charakters mit wis. 75—162 Gegen-satz zwischen dem früheren Wunschleben und der jetzigen Erniedrigung stark ausgeprägtin einzelnen sprachlichen, meist bildkräftigen Antithesen, 163—232 die gegensätzliche Stel-lung geht weiter, flaut aber im sprachlichen Ausdruck ab. Stark ausgeprägt durch Gegen-überstellung ist dann das ethische Thema des Gedichtes „Welthoffart — Demut vor Gott"383—403. — Den Höhepunkt der Ausdrucksfähigkeit erreicht die Sprache in der schwär-merisch asketischen Rede des vom heiligen Geist verzückten Mädchens, wo der Gegensatzzwischen der Süßigkeit der Welt und der Himmelssehnsucht in immer neuen Wendungen\ und Bildern geoffenbart wird 681—854. — Alle diese Formen ergeben sich organisch ausdem Stoff.
Gelehrtenarbeit ist die Zerlegung eines Gedankens in zwei oder mehrere Einzelbegriffe;Iw. 6051—58 Da Ihr so in Ehren steht, so eret got und diu wlp: so sit ir hövesch undewls; nun erhöht noch Euer beider Ruhm, den iuwern an den eren und den ir antneguote. Greg. 323—28: der Junker hatte vier Gründe für seine Sinnbetörung, daz eine...
1 Langer aaO.