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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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206
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206 Die erzählende Dichtung

der diu daz als Pron. dem. usw., Treptow 1854; W. Kammel, Üb. d. Stellung des Gattungs-namens beim Eigennamen in d. Werken H.s v. A., ZfdPh. 41, lff.; R. Barz, Das Part. imlw. u.d. Nib.liede, Progr. Riga 1881; Berth. Schulze, Berl. Diss. 1892; Emma Bürck, Sprachgebr.u.Reim in H.sIwein,Münch.Texte2, II, 1922; Jul.Weigand, ZfdU. 31 (1917), 131 ff.; Strauch,Anz. 41, 53; Erich Mai, D. mhd. Ged. v. Mönch Felix, Reg. S. 495 f.; s. auch Ludwig unt. Albr.v. Halberst., Preuss, Myska, Hansen, Heidingsfeld unt. Gotfr. v. Straßbg. u. ob. unt. H.s Leben.

Hartmann hat das von Veldeke begründete neue Formprinzip zu einerschönen Regelmäßigkeit vervollkommnet und hat eine individuelle Kunst-sprache geschaffen auf Grund der Sprechart der gebildeten Hofkreise seinerobd. Heimat. Seine Sprache ist ein Ausdruck seiner natürlichen Grundveran-lagung, der mäze. Gotfrid hat ein treffendes Bild von ihr entworfen (Trist.461935). Er faßt das Wesen von H.s Sprachkunst als eine harmonischeÜbereinstimmung von Wort und Sinn: kristallhell und rein sind diese lieb-lichen, schmiegsamen Worte, in ihrer Klarheit liegt ihr Schmuck. H. wirktnicht durch Virtuosität und rhetorische Kunstmittel wie Gotfrid und nichtdurch auffallende Seltsamkeiten wie Wolfram. Er will überhaupt nicht durchäußere Formmittel wirken, vielmehr ist ihm die Sprache einfache Wieder-gabe seiner Gedanken; nur an bestimmten Stellen ist sie rednerisch zuhöherer Wirkung gesteigert.Seine Rede bewegt sich immer frei, leicht undnatürlich",natürliche, anmutige Freiheit des Vortrags" (Beneckes Anm. zuIw. 22.1248). Er folgt der mittleren, der gemäßigten Schreibart.

In H.s Stil ist eine Entwicklung in aufsteigender Linie von größererFreiheit im Erec zu bewußter Sorgfalt und zugleich zur Annäherung an dienatürliche, gesprochene Rede im Gregor und Armen Heinrich zu beobach-ten. Im Iwein ist schließlich der Ausdruck peinlich geregelt, der Iwein istüberhauptdas sauberste und regelmäßigste unter den höfischen Gedichten"(Lachmann im Eingang zu den Lesarten des Iwein S. 359). So erscheint dasdichterische Werk H.s als ein künstlerischer Organismus mit folgerichtigerFormentwicklung. Im Erec haftet die sprachliche Fassung noch merkbaran der älteren und volkstümlichen Tradition. An sie erinnern sog. unhöfischebzw. veraltete Wörter (gemeit, magedin, garwe u.a.), formelhafte Wendungen, 1nachgesetzte Epitheta und persönliche Pronomina {riter guot, tohter min),die freiere Wortstellung der älteren Epik, martialische Kampfschilderungen;das Maß der Komposition ist stellenweise durch lange Beschreibungen über-schritten (Enitens Pferd); franz. Wörter werden häufiger als in den andern Dich-tungen zugelassen. 2 Im Iwein hat H. seine Idealsprache durchgeführt (docherst etwa nach V. 1000, und auch die letzten 500 V. sind sorgloser). DieRückstände des Erec sind ausgeschaltet, die Stellung des Verbums im Satzfolgt der gesprochenen Sprache (nicht mehr Endstellung im Hauptsatz wienoch im A.H. V. 1 Ein riter so geleret was, dafür im Iw. 21 Umwandlung I

1 Zwierzina, Festg.f.Heinz.S.506ff.; Roet-teken S. 104 ff.; Langer pass.; v. Jacobi,Rechts- u. Hausaltert. S. 5 ff.

2 Veraltete (unhöf.) u. franz. Wörter s. obenEinl. u. unten bei Wolfr.s Stil; E. Naumann,

ZfdA.22, 55 f.; Saran, Beitr.24,55 f.; Zwier-zina, Festg. S.445 ff. u.ö., ZfdA. 45, 262 f.Piquet S. 377; Schröder, RittermarenS.XI.