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Die erzählende Dichtung
in die Heimat schön wie vor zwanzig Jahren. (1451) Zu Hause nahm er mit Zustimmungdes Familienrates seine vertraute Gespielin, der er seine Gesundheit verdankte, zur Frau. —Schluß 1515—20 Ausblick auf die ewige Seligkeit.
Die Sage. Der Aussatz, 1 eine im MA. in ganz Europa verbreitete undwegen ihrer Bösartigkeit und der Ansteckungsgefahr sehr gefürchtete Krank-heit, stammt aus dem Orient. Ins Abendland kam die Seuche von Ägypten(Plinius, Lucrez), aber schon das Alte Testament kennt sie als eine StrafeGottes.* Gegen die Aussätzigen bestanden strenge Bestimmungen, sie wurdenaus der Gemeinschaft der Menschen ausgestoßen, mußten sich schon durchdie Kleidung zu erkennen geben und durch eine Klapper auf ihre Näheaufmerksam machen; später wurden sie in Siechenhäusern (Gutleuthaus) amEnde der Städte abgesondert untergebracht. Die Arzneibücher enthielten vieler-lei nutzlose Mittel, heilbar aber war der Aussatz nur durch Gott, der ihn alsSündenstrafe verhängt hatte. Fest haftete jedoch der Glaube, daß Menschen-blut, besonders das von Kindern, wirksam sei (schon Plinius). Die Aussatz-sage ist besonders in zwei Abwandlungen verbreitet: 1. in der Silvester-legende, 3 2. verbunden mit der Freundschaftssage inAmicusundAme-lius (lat. 12./13. Jh., franz. Ged., s. ob. Athis), in Konrads v. WürzburgEngelhard, in Kisteners Jakobsbrüdern, 4 in Der Seelen Trost (Wack.-Stadler S. 181 ff.) und in einer Novelle in den Sieben Weisen Meistern. 5Sie trägt schon im Stoff einen ethischen Gehalt, da es sich um die Selbst-losigkeit handelt. In der Silvesterlegende erscheint die Selbstverleugnung inder besonderen Form der Barmherzigkeit, in der Freundschaftsversion alsFreundestreue; im A. H. aber sind die ethischen Bezüge viel feiner abgestuftund mehr verinnerlicht. Seelische Kräfte werden ausgelöst in beiden Personen,nicht nur in der befreienden, sondern auch in der leidenden, beide erlösensich, eins das andere, denn was sie äußerlich tun, geht aus innerer Selbst-steigerung hervor, sie bestehen beide die Treuprobe. Diese triuwe ist abernoch eine höhere, geistigere und umfassendere Sittlichkeit als die Freundes-treue, es ist die über den einmaligen Fall der Treuleistung erhobene, un-bedingte Selbsthingabe, die Nächstenliebe, die Grundbestimmung des christ-
1 Brüder Grimm, Ausg. S. 154—207. 217 ff.;Simrock, Uebersetzg.; Selig Cassel, Weimar.Jahrb. 1 (1854), 408—78; Paulus Cassel, DieSymbolik d. Blutes u. d. a. Heinr., Berl. 1882,dazu Schröder, DLz. 1882, 1410; Wack.-Stadler S. 189ff.; v.Wlislocki, Volkstüml.z. A. H., ZfdPh. 23, 217—25 (ist die armen.Erzählung aus d. Buckowina erst eine neueUmdichtg. aus e. nhd. Uebersetzg.?); Plau-mann, Der Mythos v. Admet u. Alkestis u. d.Sage vom a. H, N. Jahrb. f. Phil. 67 (1897),205 ff. 293ff. 337 ff.; Schönbach, Die Gesch.d. Rud. v. Schlüsselberg, Wien. SB. 145 (1902)Nr. 6; A. von Ow, Die „Arme Heinrich"-sage,Hist.pol.Bl. 1913,151.169 ff. 286 ff.; Bolte-PoLiVKA 1,56. — Aussatz mhd. diu miselsuht,von mlat. misellus, zu miser, der üzsetze
der Ausgesetzte, Ausgestoßene, Aussätzige,adj. üzsetzic, erst in der 2. Hälfte d. 13. Jh.sdazu gebildet der üzsaz als Name d. Krankheit.
2 Uhlands Sehr. 2,63; Wack.-StadlerS. 215—17; Schönbach S. 75; in der Predigt des3. Sonntags nach Epiph., Ev. Matth. Kap. 8:Jos. Klapper, Die Legende v. A. H, Progr.Breslau 1914, S. 18—20. — Hiob ist d. Typusfür d. Aussatz im MA.
3 LG. II, 1 Reg. unt. Silv. S. 357 u. bes. S. 273.277 u. Konr. v. Würzburg. Silv. LG. II, 3. Aus-satz als Strafe auch Crescentia, LG. II, 1 Reg.S. 350.
4 ed. Euling S. 7. 41 ff. 46.
6 Adelb. Keller, Dyocletianus Leben vonHans v. Bühel (1841) S. 169 V. 7.553 ff.; Ders.,Ad. Ged. (1846) S. 200 ff.