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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 29. Der Arme Heinrich 197

325 f., Piquet, Rev. crit. 76, 513, Richter, Arch. 137, 112, E.H.Mensel, Journ. of Engl, andGerm. Phil. 14, 12123; Gierach 2. Aufl. 1925, dazu Schröder, Anz.45, 39 f. GuidoC. L. Riemer, Wörterb. u. Reimverzeichn. zu dem A. H. H.s v. A., Gott. 1912, dazu Gierach,DLz. 34, 240608, Kip, Journ. of Engl, and Germ. Phil. 12, 644-46, Vos, Mod. Lang. Notes 21,2527. Obersetzungen: Büsching, 1810 (verunglückte Modernisierung, s. J. Grimm,Heidelbg. Jahrb. 1912 Bd.l, 4957 u. Kl. Sehr. 6, 64-70; Simrock 1830. 1875, Ad. Leseb.(1854) S. 261 ff., in Prosa: Dt. Volksb. 6 (1847); Gust. Schwab, Buch d. schönst. Gesch. u.Sagen I, 1836 (Prosa); Ad. v. Chamisso, Dt. Musenalmanach f. 1839 S.726 (gekürzt); Jos.v. Führich, mit Zeichnungen, Leipz. 1877; die Prosaübertrag, in d.Ausg. d. Br. Grimm S. 130, neu hgb. von Reinh. Steig, Wiesbad. Volksbücher Nr. 51, 1904, W. Grimm, Prosa-Übertr.mit Holzschn. 1926; H. v. Wolzogen bei Reclam (1880); Gotth. Bötticher, Halle 1891,4. Aufl. 1907; Will Vesper, Münch. 1905; ital. A. Baragiola, Straßburg 1881; engl. DanteGabr. Rossetti 1897. Siehe Wackern.-Stadl. S. 3436; Gierach 1 S.IXf.

Hss. (Gierach l S. VIIIX, ZfdA.54, 25795. 55, 30336. 50368): A, Straßburg, Perg.14. Jh., 1870 verbrannt; B a , Heidelbg. Cod. pal. germ.341, erste Hälfte 14. Jh.; B b , KaloczaerCod., Kalocza (Ungarn), mitB a aufs nächste verwandt, gehen auf eine gemeinsame Quellezurück; 1 C, St. Florian (Oberösterreich), Brachst., 4 Perg.bl. 56 V., 13./14 . Jh., gegenwärtigKgl. Bibl. in Berlin, abgedr. Pfeiffer, Germ. 3, 34750, vgl. Franz Kocian, Progr. Budweis1878, Willy Scheel, Festg. f. Weinhold 1896 S.37 f.; D, Indersdorfer Brachst, jetzt Münch.Cgm. 5249, 2 Perg.bruchst. 14. Jh., 119 V., bair., abgedr. Keinz, Germ. 31, 8083. Die Über-lieferung ist schlecht: A ist unzuverlässig, noch fehlerhafter sind B (= B a B b ) u. das mit Bverwandte Brachst. D, C dagegen ist vortrefflich.

Einzelne Stellen: Krieg, Germ. 31,8083; Sprenger ebda 37,17173; Burdach, Anz. 12,19698; Zwierzina, ebda 27 Reg. S.341; Ehrismann, Beitr. 24,38891; Schröder, ZfdA.50,219; Seipgens, Taalstud.VI Nr. 46; Willy Kaspers, Neue Jahrb. f. d. klass. Alt. usw. 23. Jahrg.1920 Bd. 45.46 S.396; Eggert S. 27 ff.; Greve S.5255.

Inhalt. Prolog 128 Verfasser, Quellenangabe, Demutsformel und Bitte um Fürbitte.

I. 2980 Der Herr Heinrich von Aue war ausgezeichnet durch alle Rittertugenden, dieFülle weltlicher Ehren war auf ihn gehäuft, nichts fehlte ihm zum vollkommenen Weltglück.

II. 811352 Da ward an ihm offenbar, daß, wer in höchstem irdischen Werte steht, vorGott gering geschätzt ist: er wurde vom Aussatz befallen und allen Menschen widerwärtig.Das Leben wurde ihm zum Fluch. (163) Nur ein kleiner Hoffnungsschimmer war ihm ge-blieben, die Heilkunst der Ärzte. Er fuhr nach den berühmtesten Stätten der medizinischenWissenschaft, nach Monpellier, dann nach Salern, aber nur um hier den Untrost zu holen,daß er allein durch das Herzblut eines reinen Mädchens genesen könne. (233) Da war ihmalle Hoffnung benommen, er verteilte sein Vermögen zu wohltätigen Zwecken bis auf einenabgelegenen Hof im Wald, den einer seiner Pächter, ein freier Bauer, mit seiner Familiebewirtschaftete. Dahin zog er sich zurück und wurde freundlich verpflegt. Mit rührenderTreue hing ein Töchterchen der Bauersleute an ihm, ein Kind von acht Jahren. Es warseine tägliche Gespielin, so daß er es scherzhaft sein Gemahl nannte. (350) Nach einigenJahren traf es sich, daß der Ritter mit dem Meier und seiner Frau zusammen im Gesprächsaß und sie ihn fragten, ob er denn nicht geheilt werden könne. Er sagte ihnen den Be-scheid des Arztes. (459) Da beschloß das Mädchen, das alles mit anhörte, ihren Herrn zuerretten, und ließ sich auch durch keine Bitten der Eltern und des Ritters abbringen, ihrLeben zu opfern. (1049) Fröhlichen Mutes zog sie mit ihm nach Salern und schon war derArzt daran, ihr, die entkleidet auf dem Tische lag, das Herz auszuschneiden, da drang derRitter, der den Vorgang durch ein Loch in der Wand mit ansah, von seinem Gewissengetrieben in das Gemach und hinderte das blutige Opfer. IL 13531514 Da erkannteder barmherzige Gott ihr beider Treue und Heinrich gesundete und wurde auf der Reise

1 Genaue Beschreibung des Kai. Cod.: Erich Mai, Das mhd. Ged. vom Mönch Felix, ActaGerm. N. R. 4, 1912, S. 4 ff. 422 ff.