§ 28. GREGORIUS
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Sammlung des Juan Timoneda 1576 (in der es nicht zu der Heirat vonMutter und Sohn kommt) und durch das sehr gemilderte und stark ausge-schmückte Drama El marido di su madre des Juan de Matos Fragoso im17. Jh. Auch die koptische 1 (christl.-ägypt.) Bearbeitung wird sich durch dieweite Verbreitung der Gesta Rom. erklären lassen.
Die Gregoriuslegende gehört dem Sagentypus von Oedipus an, der imMA. in verschiedenen mehr oder weniger ähnlichen Fassungen verbreitetwar. 1. Eine unmittelbare Übertragung der Oedipussage in den christlichenGedankenkreis ist die mehrfach bearbeitete Judaslegende 2 (älteste Erzählungim 13. Jh.): Judas wird als Kind von der Mutter ausgesetzt, weil ihr träumt,er werde einst seine Eltern töten. Das Kästchen landet auf einer Insel undJudas wird von der dortigen Königin als Sohn angenommen, mißhandeltaber deren echten Sohn und erschlägt ihn. Er flieht, tötet im Streit seinenVater, ohne ihn zu kennen, und heiratet seine Mutter. Ganz ähnlich lautetdie russische Andreaslegende, 3 das Ende gleicht dem der Gregorius-geschichte: nach schwerer Kerkerbuße — der Kerkerschlüssel wird im Leibeeines Fisches gefunden — wird Andreas Bischof von Kreta. Also eine Zu-sammenschweißung von Oedipussage und Gregoriuslegende. 2. Weiter abvon der Oedipussage steht eine zweite Gruppe von Legenden: a) die vonAlbanus, 4 die italienische von Vergogna und b) die von Gregorius. Dascharakteristische Unterscheidungsmoment gegenüber der Oedipussage be-steht darin, daß der Vatermord fehlt, dagegen das Inzestmotiv gedoppeltist, und zwar derart, daß in Albanus und Vergogna zu der Mutter-Sohnes-ehe noch das Verhältnis von Vater und Tochter hinzutritt, im Gregorius daszwischen Bruder und Schwester. 6 Trotz manchfachen Abweichungen derAlbanus-Vergogna-Fassung vom Gregorius deutet doch der Grundbaudes Inhalts und die legendarische Tendenz auf einen gemeinsamen Vor-stellungsherd. Geht man endlich vom Greg, wieder auf Oedipus zurück, sofindet man eine in den Hauptzügen gleiche Motivenreihe: Aussetzung, Auf-nahme und Erziehung durch einen hohen Gönner mit Bestimmung zumNachfolger, Entdeckung der unechten Herkunft durch den Vorwurf der Find-lingsschaft, Auszug zur Elternsuche, Befreiung der Mutter, Heirat mit ihr.Es ist nicht wahrscheinlich, daß eine solche Übereinstimmung zweier zu-sammenhängender Gedankenreihen auf Zufall beruhen sollte, mit anderen
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1 R. Köhler, Germ. 25, 198 ff.
2 D'Ancona, La leggenda di Vergogna e laleggenda di Giuda, Bologna 1869; Creize-nach aaO.
3 Seelisch S. 416 ff.
4 Zu Albanus s. LG. II, 1, 155-57 u. GestaRom. ed. Oesterley Cap. 244.
6 Weitere Züge, die Alb. von Greg, unter-scheiden: das Kind wird zu Lande, nicht aufsMeer ausgesetzt, von einem König, nicht voneinem Abt, erzogen, es fehlt die Elternsucheund die Befreiung der Mutter. Verg. hat mit
Greg, gemein die Aussetzung aufs Meer, denTod des Vaters auf der Fahrt nach Jerusa-lem, Befreiung der Mutter von zudringlichenWerbern, aber diese Näherungen an Greg,hat eben Verg. vielleicht erst wieder aus Greg,entlehnt. Im MA. selbst wurden Alb. u. Greg,verwechselt, so in der von Klapper hgb.Sammlung, und die Hist. de sco Gregoriopapa der Heidelbg. Hs. 118 entspricht in die-ser Zusammenstellung der Albanus-Leg. inAlbr.s v. Eyb Ehebüchlein, s. v. d. HagensGerm. 9, 247.