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Die erzählende Dichtung
Waren die lat. Bearbeitungen meist nur literarische Seltenheiten, die aufeinen kleineren Kreis von Interessenten beschränkt blieben, so erlebte H.sDichtung in der Prosaübertragung im Spätmittelalter eine neue Blüte,indem sie in solcher Form in die weitverbreitete Legendensammlung „derHeiligen Leben" (im Winterteil) aufgenommen wurde, 1 die, im späteren14. Jh. verfaßt, in vielen Hss. und in Drucken von 1471 bis in die zwanzigerJahre des 16. Jh.s überliefert ist. Dieser Prosa-Gregor wurde im Anfang des16. Jh.s ins Schwedische übersetzt. 2
Die letzte literarische Stufe der Gregoriuslegende in Deutschland ist dasVolksbuch, 3 das auf die Gesta Romanorum zurückgeht.
Die Gregoriuslegende ist zum Besitz der Weltliteratur geworden. 4Den Ausgang nimmt ihre Geschichte von dem afrz. Gedicht Vie du papeGregoire. Aus ihm stammt: 1. Das mhd. Gedicht Hartmanns, aus dem diebeiden lat. Gedichte und die Prosa in Der Heiligen Leben, daraus die schwe-dische Übersetzung, geflossen sind. 2. Das englische Gedicht vom Anfangdes 13. Jh.s (in 3 Hss. überliefert). 3. Die lat. Prosa der Gesta Romanorum, 5aus der die Erzählung in Albrechts v. Eyb Ehebüchlein (1472) und die desdeutschen Volksbuchs stammen, sowie eine franz. Übersetzung von 1521(Violier des hystoires Rommaines), die polnische Übersetzung von 1663,die im 17. Jh. ins Russische 6 überging (2 Versionen), die bulgarische Legendevon Paul v. Cäsarea 7 und die serbischen Volkslieder vom Findling Simeon.Nach Spanien 8 gelangte die Leg. der Gesta Rom. durch eine Novelle in der
1 Die Prosalegende, F, eine ziemlich ge-treue Auflösung von H.s Gedicht, ist hgb.von J. V. Zingerle, Von Sant Qregorio aufdem Stain und Von Sant Gerdraut, Innsbr.1873, nach e. Innsbr. Hs., Pap. von 1442 (S),e. Brixener Hs., Pap. 15. Jh. (B) u. dem erstenDruck (D), Augsburg bei Günther Zeiner 1471,der H.s Ged. näher steht als der öfter be-nutzte Straßbg. Druck von Johannes Grü-ninger 1502 (s. auch Seelisch, ZfdPh. 19,405 A. 1). Nach der Heidelbg. Hs. Cod. pal.germ. 119,15. Jh., ist die Prosaleg. abgedr. vonW. Martens, Progr. Tauberbischof sh. 1882/83,dazu Steinmeyer, Anz.10,192, Kinzel, ZfdPh.15, 381; zur Hs.: Bartsch, Katal. S.32L, v.D. Hagens Germ.9, 247 f.; Kinzel, Der Jun-ker u. d. treue Heinr., 1880, S. 16 f.—Zur ProsaF: Lippold S. 6; Seelisch, ZfdPh. 16,299—306; Zwierzina, ZfdA. 37, 130. 148 ff.
2 R. Köhler, Germ. 15, 284 ff.; Seelisch,ZfdPh. 19, 405.
8 Simrock, Volksbücher 12, 83—113; Gör-res, Die teutschen Volksbücher, Heidelbg.1809 pass.; Rich. Benz, Die dt. Volksbücher,Jena 1913; Lippold S. 64; Seelisch, ZfdPh.19,400 ff.; Sparnaay, Verschmelzung S. 13 ff.21—23. — EinekurzelateinischeProsalegendevon Gregorius, fälschlich überschrieben DeAlbano, in einer Breslauer Hs. lateinischerExempla, Mitte 14. Jh., geht ebenfalls aufH.s Gedicht zurück; hgb. v. Jos. Klapper,
Erzählungen d. MA.s, Wort u. Brauch H. 12,Bresl. 1914, Nr. 79 S. 296—98, verdeutschtS. 90-93.'
4 Piper, Geistl. Dicht. 2, 3—6; Paul in denEinleitungen sein. Ausgaben; Greith S. 148 f f.;D. Comparetti, Edipo e la mitologia com-parata, Pisa 1867; Lippold S. 50 ff.; R. Köh-ler, Germ. 15, 284—91 u. Jahrb. f. rom. u.engl. Lit. 11,313 ff.; Creizenach, Judas Ischa-riot in Leg. u. Sage d. MA.s, Beitr. 2,177—207;A. Heinze, Greg, auf d. Steine, d. m.alterl.Oedipus, Stolp 1877; Leop. Constans, Lalegende d'Oedipe etudiee dans l'antiquite, aumoyen-äge et dans les temps modernes, Paris1881, s. Lbl. 1881, 75; Holtermann, Ueb.Sprache, Poetik u. Stil d. altengl. Gregorleg.,1882 (mit Lit. üb. d. Leg.); Seelisch, ZfdPh.19, 385—421; Alph. Steinberger, Die Oedi-pussage, Regensbg. 1889; H. Sparnaay, ZurEntwickl. d. Gregorsage, Neophilol. 5, 21 ff.;Ders., Verschmelzung aaO.
5 Cap. 81, Grässe 1,153 ff.; Oesterley, GestaRomanorum, Berl. 1872.S.399—409 u. Cap.244,S. 641—46. 746; Seelisch S. 400 ff.; Spar-naay, Verschmelzung S. 13 ff.
6 Paul, Einl.zurkl.Ausg.; Seelisch, ZfdPh.19,401 ff. 405 f.; Sparnaay, Verschmelz. S.26f.
7 Diese vielleicht durch griechische Zwi-schenstufen, R. Köhler, Germ. 15, 288 ff.
8 v. d. Hagens Germ.8, 201 ff.; R. Köhler,Germ. 15, 286—88.