184 Die erzählende Dichtung
beraubt wird, sie alle leiden unschuldig. Aber das Leiden der Welt wird gelindertdurch Mitleid und Barmherzigkeit. Wie ein glückseliges Märchen geht dasStück aus.
Trotz des phantastischen Hintergrundes von Wunderquelle und Zauber-wald und trotz der Abenteuerfahrt des Helden mit dem treuen Löwen findenwir uns doch häufig in die wirkliche Welt versetzt. Lebensbilder bietensich dar: das Pfingstfest und die Unterhaltung der höfischen Gesellschaft,der Wildhirte (eine Gestalt aus den britannischen Wäldern), Laudinens Burgmit dem engen Durchgang, der gefügige Staatsrat, die politische Heirat, derverbauerte Ritter, Iwein und der Einsiedler, die Plauderei im Baumgarten,die Arbeiterinnen, die gottesgerichtlichen Zweikämpfe.
Der Erec und der Iwein stehen in einem Gedankenparallelismus hinsicht-lich des Eheproblems, bei dem im Erec der Mann, im Iwein die Frau dieüberlegene und gebietende Stellung einnimmt, womit dort die Frau, hier derMann der leidende Teil ist; dort die Treue der Frau, hier die Treue desMannes. Der Iwein (zumal der H.s) ist nicht nur das formal vollendetere,sondern auch das gedanklich tiefere Werk. Iwein ist innerlicher veranlagt undgemütsvoller als der mehr naturhafte Erec. Seine Taten sind in seinem Sitt-ichen Bewußtsein zweckbegründet, die Erecs planlos.
§ 28. Gregorius
Lit. Piper, Höf. Ep. 2, 65ff.; Wackernagel-Stadler S. 18ff. — Ausg.: Oreith, Spici-legium Vaticanum, Frauenfeld 1838, S. 135—303 (Vatic. Hs.), dazu J. Grimm, Göft. g. A.1838,134—41 = Kl. Schr.5, 273—77; Lachmann, Berl. 1838, Lesarien ZfdA.5,32—69, dazu(Benecke?) Gott. g. A. 1838, 1353; Bech, Ausg. 2. Teil; Paul, Halle 1873 (im Nachtrag [1876]S. 1—9 Einl. u. Lesarten der Thuner Hs.), dazu Bartsch, Germ. 19, 228—35; d. vollständ.Text: Paul, Ad. Textbibl. 2, Halle 1882, dazu Toischer, Lbl. 1882,453, 5. Aufl. 1919. — Über-setz.: S. O. Fistes, Halle 1851, 2. Aufl. 1855; Pannier, Reclam Nr. 1787 (1883).
Hss.: A.Vatican, Perg. 13. Jh. (ed. Greith, Kollation dazu von Bartsch, Germ.14,239—43;B, Straßburg, Johanniterbibl., Perg., jetzt verloren (erhalten sind 399 Zeilen in GlossariumGerm. v.Scherz u.Oberlin, Straßbg.1781.84), eine Abschrift d.Hs. aus d. 18. Jh. in d.Straßbg.Stadtbibl.: Martin, ZfdA. 40, 220—23), vgl. Haupt, ZfdA. 3, 534 f.; C, VeesenmeyerschesBrachst. Ulm, Perg.bl., abgedr. Greith S. 166—76; D, Salzburg, Brachst. 3 Bl., Pap. 14. Jh.,md., abgedr. Pfeiffer, Quellenmat. zu ad. Dichtungen, 1867,1,47—49 (aus: Denkschriften d.Wiener Akad. XVI); E, Wien, Hof- u. Staatsbibl., Pap. 15. Jh., bair.-östr.; G, Erlau, Pap.2. Hälfte 14. Jh., bair.-östr., lückenhaft, abgedr. Pfeiffer 1, 20—46, s. auch Bartsch, Germ. 6,372—75; H, Köln, 2 Perg.doppelbl. 14. Jh., rheinfrk., abgedr. K. Schröder, Germ. 17, 28—39 (mit textkr. Bemerk, v. Bartsch), dazu Kollation v. J. Franck, ZfdA. 44, 117; I.Bern,Spiezer Hs., Pap. 15. Jh., alem., gefunden v. Hidber auf Schloß Spiez am Thuner See u.veröffentl. Beitr. 3, 90—133, daran anschließend Paul, Zur Krit. d. Gregorius S. 133—39;K, Konstanz, Pap. Ende 14. Jh., schwäb.; der in d. Hs. stehende Greg, entdeckt von Zwier-zina 1888, ZfdA. 37, 129 ff., mit Kollat.; Berl. Brachst., 3 Perg.doppelbl. 13. Jh., abgedr.Joachim Kirchner in: Fünfzehn Jahre Kgl. u. Staatsbibl., 1921, S. 148—56. Für die Textkrit.kommt noch in Betracht die Prosaauflösung F, auch Arnolds v. Lübeck lat. Übersetzung(Zwierzina S. 148—55). — Die Hss. scheiden sich in zwei Gruppen: AHI — BCEGK, Dist unbestimmt. Keine der Hss. ist sorgfältig, es finden viele Kreuzungen statt. Nur I u. Khaben die vollständige Einleitung V. 1—170, G hat statt dessen nur 40 V., A beginnt mit171, E mit 177.