§28. Gregorius 185
Lit. zur Textkrit.: Zwierzina, Überlieferung u. Krit. von H.s Greg., ZfdA. 37, 129—217.356—416 (Muster textkrit.Methode); Ders., Anz. 26 Reg. S. 345, ZfdA. 45,360 ff., Anz. 27 Reg.S. 341; Jos. Egger, Beitr. z. Krit. u. Erklär, d. Greg. H.s v. A., Progr. Graz 1872, dazu Schön-bach, ZfdPh. 5, 116—18; Ad. Seelisch, Zur Textkrit. von H.s Greg., ZfdPh. 16, 257—306;Herm. Seegers, Neue Beitr. z. Textkrit. von H.s Greg., Kieler Diss. 1890, dazu Zwierzina,Anz. 17, 258 f. u. ZfdPh. 39, 130, Rosenhagen, ZfdPh. 25, 125—28. — Einzelne Stellen: Mar-tin, 2. Aufl. v. Haupt, A. Heinr. u. Büchl. S. XX; Höfer, Germ. 14, 420—27; Bartsch, ebda427—31; Erdmann, ZfdPh. 28, 47—49; H. Fischer, GRM. 7, 157; Schröder, Anz. 35, 398-400.
Inhalt. Der religiöse Prolog 1—176 behandelt das Thema von Sünde und Buße, derGrundgedanke ist: Reue befreit auch von der größten Sünde, Verzweiflung an Gottes I ^Gnade ist die verderblichste der Versündigungen. Der Held der Dichtung ist ein Beispiel 'für die Lehre von der seligmachenden Wirkung der Buße. Zu Beginn stellt der Dichter seinWerk als persönliche Frömmigkeitsleistung dar: es ist eine Absage gegen seine bisherigenweltlichen Dichtungen zur Erleichterung seiner in Worten begangenen Sünden. Am Schluß171—76 nennt sich Hartm. als Verfasser lind gibt den Titel seines Werkes an: von eintguoten sündare. ____
I. Die Eltern, die Geburt und Jugend des Gregorius 177—922. Ein Fürst von Aquitanienhinterläßt zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter, in jugendlichem Alter 177—272. Derböse Feind betört dem Bruder den Sinn, daß er die Schwester verführt. In der Angst umihr und des erwarteten Kindes Seelenheil und wegen der Schande vor den Leuten wendensie sich an einen alten Vertrauten, auf dessen Rat der Vater zur Buße nach dem heiligenGrab fährt, wo er stirbt 273—656 [825—52]. Der göttlichen Eingebung folgend setzen derRatgeber und die Mutter das neugeborene Kind in einem Kästchen, das mit einer Elfen-beintafel, auf der die Herkunft des Kindes geschrieben steht, in eine Barke gesetzt wird,auf das Meer aus 657—922.
II. Gregorius der Klosterschüler 923—1824. Das Schifflein wird durch Wind und Wetteran einen Strand getrieben, an dem ein Kloster liegt. Der Abt übergibt das Kind einemder Fischer, die es gefunden, und tauft es auf seinen eigenen Namen Gregorius. In derKlosterschule zeichnet er sich besonders aus 923—1284. Da erfährt er durch Zufall in einemZank von seiner Pflegemutter, der Fischersfrau, daß er ein Findelkind sei 1285—1384. Dawill er das Land verlassen und will Ritter werden, trotz der Warnungen des Abtes vor derWelt 1385—1824.
III. Gregorius im Weltleben 1825—2750. Das Schiff, auf dem Greg, aus dem Klosterfriedenplanlos in die Welt fährt, landet bei einer von den Feinden bedrängten Stadt. Die Herrinist seine Mutter. Er befreit sie von den Feinden und sie wählt ihn zum Manne. So wardder Sohn seiner Mutter Ehgemahl 1825—2276. Durch die Tafel, die Greg, jeden Morgenheimlich liest und mit Tränen begießt, kommt das entsetzliche Verhängnis zutage. Nachder Sünde bleibt ihnen nur die Buße. Die Mutter will durch ein asketisches Leben Sühnetun, der Sohn aber rennt im Bettlergewand in die Wildnis 2277—2750.
IV. Gregorius' Buße und seine Erhöhung durch die Gnade 2751 - 3958. Er kommt zueinem rohen Fischer, dessen Beschimpfungen er geduldig erträgt. Er läßt sich von ihm mitEisenbanden auf einen Felsen im See anschließen; der Schlüssel wird ins Meer geworfen2751—3136. Siebzehn Jahre verbringt er hier in schwerster Buße. Da stirbt der Papst inRom. Gottes Stimme verkündet zwei Senatoren Greg, als den Nachfolger auf dem Stuhle.Auf dem Steine finden sie den abgemagerten Büßer, der Schlüssel wird in dem Mageneines Fisches gefunden. Nach langem Sträuben und erst, da er das Schlüsselwunder alsBestätigung von Gottes Willen erfahren und auch die wiedergefundene Tafel dafür zeugte,läßt er seine Bande lösen. Wunder geschehen auf der Reise nach Rom 3137—784. AlsPapst ist er das Vorbild eines gerechten Herrschers. Alles Seelenleiden der schuldlos Schul-digen wird in Freude verkehrt, da Mutter und Sohn vereinigt werden und ungetrennt bisan den Tod ein gottseliges Leben führen 3785—3958.