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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 27. IWEIN

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die Verletzung der Rücksicht gegen sle(ahte 8081. 88), die er sich hat zu-schulden kommen lassen, schmerzt sie mehr als der Verlust des Gatten (H. hatauch hier, 8121 ff., Laudinen freundlichere Züge verliehen). In ihrer Seelen-losigkeit schimmert noch ihre ursprüngliche Dämonennatur durch. So tretensich die beiden Frauengestalten in H.s Artusromanen, Enite und Laudine,einander gegenüber als selbstlose und selbstische Grundform, als mensch-liche Güte und unnatürliche Schroffheit, als Treue und Wankelmut.

Lunete ist schon von Chr. über das gewöhnliche Maß eines Kuppelweibeserhoben. Ihre Tätigkeit greift in den politischen Wirkungskreis, Staatsklugheitspricht mit. Ihre Moral kennzeichnet H. mit den Versen er (der Knappe)künde ir helfen liegen and äne schalkheit (ohne Hinterlist) triegen 2183f.Der erste Beweggrund zu ihrem Eintreten für Iw. ist ein Gefühl des Dankesfür früher bewiesene Freundlichkeit Chr. 100415 = H. 118197. Sie isteifrig bemüht, Iw. zur Herrschaft im Lande zu bringen 1786 f., aber sie riet inguter Absicht, durch allez guot 1785, durch guot 1862, in Treue 197884.201824. So gehört Lunete zu den Treuen H. 3151.5199-216 = Chr.435784 (diu vilgetriuwe L. 5215, diu reine guote magt 5229); H. 554962 = Chr.463550 (so getriuwe und so gewcere was diu guote L) ; Treue um TreueH. 79798016 = Chr. 6689716. Iwein und Lunete verfallen der gleichenAnklage, der der Treulosigkeit und des Verrats, Iw. in den V. 3111200.4180209, Lun. in V 404568. 410944. 524958. 526772; daraufberuht ihre tragische Not, aus welcher sie beide sich gegenseitig befreien.Mit dem Preis der Lunete als Versöhnerin schließt das Gedicht, H. 813758 =Chr. 680913.

Auch Gaweins Rat 1 ist ein Ausfluß der Treue, im Sinne von Kamerad-schaftlichkeit ^ und H. knüpft an ihn eine Bemerkung über Freundestreue2697716 (fehlt Chr.); Gäw. der getriuwe man 2768. Es liegt eine gewisseTragik darin, daß gerade er durch seinen Rat den Unstern des Freundesverschuldet 302936 (fehlt Chr.). Wie Iwein erfüllt auch er seine Ritterpflichtin der Hilfeleistung.

Der Iweinroman hat stark ethischen Gehalt. Das Grundproblem von Eheund Standesehre ist im Verlauf der Ereignisse erweitert zu einer Erscheinungs-form mittelalterlicher Humanität. An Artus wenden sich die Rat- und Hilfe-suchenden 4510f. 416268.427589.451025.472739.5659ff., an seinemHof sind Kampfgenossen, die den Schutzbedürftigen beistehen 451719, allenzuvor Gawein.

Es liegt viel Tragik in den Erlebnissen: Iwein, Lunete sind die Opfer ihrereigenen Schuld; der Ritter, dessen Söhne gemartert werden, die edeln Frauen,die niedere Arbeitsdienste verrichten müssen, die Verlassene, die ihres Erbes

1 Der Begriff der .Treue" im Artusromanist wesenhaft verschieden von der germani-schen Treue im deutschen Volksepos. Indiesem ist die Treue der Grundbegriff derSittlichkeit und zugleich des sozialen Lebens,

das bindende Verhältnis zwischen dem Für-sten und seinen Mannen; hier im Iwein isttriuwe =Ehrenwort,Gattentreue (Iwein).Dank-barkeit (Lunete), Kameradschaft (Gawein).