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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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Die erzählende Dichtung

hervor als im Erec, schon dadurch daß die Kämpfe des Helden im Diensteder Barmherzigkeit und des Rechts vollbracht werden.

Charaktere. Als moralisches Problem gefaßt lautet die Gesamthandlung:ein edler Mensch verfällt durch einen einmaligen Fehltritt einem schwerentragischen Geschick. Einmal ist er, der Treue, sich selbst untreu geworden.Iweins Schuld ist untriuwe, Verletzung des gegebenen Versprechens 317296. 320810. Er verliert die Liebe seiner Frau, sein Land. Heimatlos inder fremden Welt irrend verfolgt ihn der Gedanke an sein verscherztes Lebens-glück. Aber die Treue zu seinem Weib und die Erfüllung seiner ritterlichenBerufspflichten, wobei er jetzt die bedungenen Fristen treulich einhält (4869 f.4902. 6870-81) sühnen die Schuld {erbarmen 4390. 4740. 4857. 4932-36.640715). Die moralischen Verhältnisse vollziehen sich in einem Artusromanin den Standesformen des Rittertums, darum sind Heldentaten die läuterndenMittel. Treue ist die schicksalbestimmende Macht, sie ist auch eine Iweininnehaftende Tugend und begleitet ihn durch sein freudloses Wanderlebenbis zu seiner Wiederaufrichtung (singröziu triuwe sines stceten muotes 3210).Es ist die treue Liebe zu seiner Frau, die sin herze tougen zallen zitenan sack 5190, die treue Dankbarkeit gegen Lunete 424760. 434145.797987 und die allgemein menschliche Treue in der Hilfsbereitschaft fürjeden Leidenden. In der Treue und Mannhaftigkeit (manhaft u. unwandelbare3251 f.) ist Iweins sittliches Leben umschlossen. Der Löwe, sein unzer-trennlicher Gefährte, ist ihm symbolisch als Sinnbild der Treue beigegeben,er ist gleichsam sein leibhaft gewordenes Wappenzeichen.

Iwein ist eine ausgesprochen sympathische Persönlichkeit, weil er selbstreich ist an sympathischen Gefühlen der Gattentreue und Barmherzigkeit.Ein innerlich gemütvoller Mensch von schwerflüssigem Temperament, derden Ernst des Lebens schmerzlich empfindet. Er ist kein Kraftmensch, dersich energisch das Leben selbst gestaltet, andere bestimmen sein Schicksal,Laudine, Lunete, Gawein. Doch er ist von Tatenlust beseelt und ein tapfererHeld im Kampf und da wo es gilt zu helfen.

Das Gegenstück zu der Treue Iweins ist Laudine, die leicht getrösteteWitwe. Iwein besitzt die wahre Liebe, er kann sein Weib nicht vergessen,die Sehnsucht treibt ihn immer wieder in ihre Nähe: wand ichniemerwerdenkan stcete deheinem wibe wan ir einer übe durch die min herze vreu.deenbirt 680811; sin herze wart bevangen mit senlicher triuwe 3088 f.;der jämer nach dem wibe 3213; sein Traumglück 351548; seine Ohnmachtund Klage an der Quelle 39234010. 423146; seine zweite Rückkehrzur Quelle 7781804; Iweins senen 2962. 3083. 398284. 4236 (s. ZfdA.54, 204). Laudine dagegen hat ihn leicht hingegeben und sie nimmt ihnauch nur wieder auf, weil sie durch den erlisteten Eid dazu gezwungen ist;

den Fällen ab. So kürzt er liturgische Hand-lungen, es fehlt die Gebetsanrufung an dieglorreiche Jungfrau, die Himmelskönigin, u.

an die Engel Chr. 406375 (bei H. 4854).H. vermeidet, das Liturgische als literarischenApparat zu verwenden.