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Die erzählende Dichtung
garten 6517—41 (fehlt bei Chr. nach 4537), und zu einem eigenen Erlebnisdes Helden ist der Fall aus der Ritterherrlichkeit in den verachteten Zustandeines tören und gebären geworden in dem halbwirren Erwachen Iweins3505—96 (fehlt bei Chr. nach 3023). In diesen Einschaltungen erweist sichH. als selbständig überlegenden Kopf und diese Szenen tragen entschiedenzur Belebung und Vervollständigung des Gesamtbaus bei, wenn sie auchnicht ganz organisch dem Zusammenhang angepaßt sind. 1 Aus dem Rahmenheraus fällt ein anderer längerer Einschub H.s, der Raub der Königin 4526—726, den Chr. nur in einigen Hauptzügen andeutet 3918—39 (und kürzer schonvorher H. 4289—302= Chr. 3706—15 und nachher H. 5678—81 = Chr. 4740—45). Es ist ein Teil der Geschichte des Lancelot und H. hat diese deshalb so aus-führlich erzählt, weil sie für das Publikum der Artusromane interessant war. 2
Die vorhergehenden Beispiele dürften gezeigt haben, daß schon bei Chr.im Iwein das psychologische Problem tiefer geht als im Erec,und H. hatnun mit gereifter Erfahrung seineEigenart in diese seelischen Vorgänge hinein-gelegt. Noch feiner als im Erec hat er Chr.s herber, oft maßloser Kraft mäßigendeSchranken gezogen. Besonders tritt diese Milde seines Wesens in der wohl-wollenden Beurteilung der menschlichen Natur hervor; sein ethischer Op-timismus neigt von vornherein zur Abschwächung von Schroffheiten, zur Aus-gleichung des Gegensätzlichen, zur Versöhnung: am Schluß 8121—31 bittetLaudine Iwein um Verzeihung (gegen Chr. 6790—94). Seine Übertragung istauf einen zarteren Ton gestimmt, der Held ist weicher und leidet tiefer an seinemverlorenen Glück. Das Lebensgefühl in dem franz. Werke ist starkes Tempera-ment, im deutschen warmes Gemüt. Chr. istnaiver, H. sentimentalischer Dichter.
Quellen und Aufbau des Stoffes. Auch der Iweinroman beruht letztenEndes auf einer bretonischen Vers- oder Prosaerzählung (lai oder conte). 3 Das
1 Iweins lebensfreudige Sommerunterhal-tung paßt nicht zu seiner sonst so schwer-mütigen Stimmung. Eine technisch ganz ge-rechtfertigte Erwägung mochte H., außer demstarken künstlerischen Eigenwert des Motivs,zu der Einlage von Iweins Traum bestimmthaben, indem dieser belangreiche Wende-punkt im Leben des Helden ein näheres Ein-gehen verlangte, vgl. Rosenhagen, ZfdU.28, 99ff.; Beneze, Traummotiv S.7 ff.
2 Den Karrenritter oder Lancelot Chr.s hatH., wie aus einigen Abweichungen hervor-geht, nicht benutzt und es ist nicht festzu-stellen, woher er seinen Stoff hat, vgl. Lach-mann, Lesarten zu V. 21; Foerster, Einl. zumLöwenritter S. XVII u. zum Karrenritter S. LH(große Ausg.); Rosenhagen, Festg. f. Sievers1896 S. 231—36. — H. beginnt die Episodemit dem spannungweckenden Einsatz Welt irein vremde mcere hasren 4528, wie im spä-teren Volkslied Nun wölt jr hören newe märu. ähnl., Alb. Daur, Das alte dt. Volkslied,Leipz. 1909, S.78.
3 Lit. zu den Quellen der Iweinsage: s.
ob. (Brown, Iwain, Ehrismann, Märch. imhöf. Epos, Zenker, Ivainstud.); ferner Ahl-STRÖM, Sur l'Origine du Chev. au Lion, Me-langes Wahlund, Mäcon 1896, S. 289—303;Brown, The Knight of the Lion, Publ. of theMod. Lang. Ass. of America XX Nr. 4 S. 673—706; Ders., Mod. Phil. III, 267 ff. VI, 331 ff.VII, 145 ff. IX, 109 ff.; Ders., On the indepe-dent Charakter of the Welsh Owain, Roma-nic Rev. III (1912), 143—72; Baist, Die Quel-len des Yvain, Zfrom.Phil. 21, 402 ff.; Win-disch S. 78.181 ff. 221 ff.; Rosenhagen, Zf dPh.29, 150 ff. (Meljacanz); Arendt, Der Rieseim mhd. Epos S. 22 u. ö\; Sparnaay, Üb. d.Laudinefigur, Neophilol. 3, 122—29; Singer,Literis aaO. — Die irische Sage von Cuchu-linns Krankheit ist nicht die Quelle für dasIweinmärchen, sondern die Übereinstimmun-gen beruhen auf gemeinsamem Ursprung, in-dem auch die Erzählung von Cuch. eine Vari-ante des Verlockungsmotivs ist, das hier aufdiesen irischen Nationalhelden übertragenwurde.