172 Die erzählende Dichtung
liehen Witwen bewegt Artus und die Königin und sie verstehen, ihnen heil-samen Trost zu spenden 9904—09. 9920—62. Allerdings ist diese reineMenschlichkeit doch wieder mit bestimmt durch die Wahrung der äußerenForm, die Mehrung der Ehre des Hofes 9944—51.
Dichterisch ausgeschmückt sind die Landschaftsschilderungen, aber sieentspringen doch aus der wirklichen Kultur der Zeit: das Lustschloß Penefrecmit dem Wildpark 7124—94; » die furchtbare Burg von Brandigan 7818—93und ihr Kontrastbild, das Paradies der Hofesfreude 8698—753. 9540—49.
Alles soll ein gutes Ende haben. Die Niederlage Mabonagrins ist seinGlück, indem er jetzt seine Freiheit wiedergewinnt 9443—609; und die Trauerder Dame des Gartens wird in Freude verwandelt, als sie in Enite ihre Baseerkennt, die theatralische Wendung läßt sie ihr Mißgeschick verschmerzen9680—743. Optimistisch ist schließlich auch die Idealisierung der Aristo-kratie: die Verführungskünste des Grafen werden entschuldigt durch dieMacht der Minne 3684—721, vgl. auch 6430; der grimme Mabonagrin ent-puppt sich als wohlgesinnter Biedermann. Die Lebensstimmung ist opti-mistisch, der Sinn des Lebens liegt in seiner Bejahung. Schon das ritter-liche Tugendgesetz, das auch im Erec ausgesprochen ist: Gote und derwerlde wol gevallen 7783 f., daz got siner eren wielte und im die selebehielte 9988 f., enthält die Voraussetzung für die Anerkennung des Lebens,und die lebensgünstige Weltanschauung hängt zugleich zusammen mit deridealisierenden Richtung der Artusromane. Die Irrungen, in die Erec sichdurch sein Verliegen verstrickt hatte, lösen sich durch seine läuternden Taten,im Kämpfen und Sichdurchringen besteht die Aufgabe des Lebens, der Aus-gang ist glücklich, er bringt die Erfüllung. Die Summe dieses irdischenDaseins lautet zum Schluß: er lebte der Ehre gemäß und Gott schenkte ihmund seinem Weibe nach der Welt Krone den Himmelslohn 10124—29. Auchein ehrenhaftes Ritterleben ist eine Vorstufe zum Himmelreich.
§ 27. Iwein
Ausg. (s. Henricis Ausg. 2 S. XII ff.): Chr. H. Myller, Samml. dt. Ged. Bd. II (1784); K.J.Michaeler, 2 Bde. 1786. 87 (Ambr. Hs.); Iwein, eine Erzähl, von H. v. A. mit Anmerk. vonG. E. Benecke u. K. Lachmann, 1. Ausg., Berl. 1827, 2. 1843, 3. 1868, 4. 1877, 5., durchge-sehen v. L. Wolff, 1926 (Lachmanns Ausg., die klass. u. Musterausgabe für mhd. Textkritik),dazu Pfeiffer, Germ. 3, 338, Paul, Beitr. 1, 288 ff., Zwierzina, Anz. 22, 180 ff.; Bech, Dt.Klassiker 3. Teil, 1. Aufl. 1868, 4. 1902; Emil Henrici, 2 Teile, Halle 1891. 93, Germ. Hand-bibl. VIII u. VIII, 2, dazu Cbl. 1891, 856 f. 967 f., Seemüller, DLz. 1891, 1272—74, Behaghel,Lbl. 1891, 367 f., RÖDIGER, Arch. 88,81—85, Tomanetz, ZföG. 43, 530, B. J. Vos, Mod. Lang.Notes IX, 185—89, Böhme, Lbl. 1894,250—53, Wackernell u. Detter, Österr.Lbl. 1895,565f.,Zwierzina, Anz. 22 aaO.; E.Mandl, Einige Bemerk, zu Henricis Iweined., Progr.Bielitz 1906. —Benecke, Wörterb. zu H.s Iw., Gott. 1833, 2. Aufl. 1874. 75, 3. Ausg. von C. Borchling, Leipz.1901, dazu Schröder, Cbl. 1902, 31, Behaghel, Lbl. 1902, 100 f., Panzer, ZfdPh. 35, 412 f.,Seemüller, Arch. 112, 170—72. — Könnecke, Bilderatlas u. Lit.atlas, Petzet u. Glauning,Schrifttafeln. Übersetzungen ins Nhd. s. Henrici 2 S. XXXVII. — O. Gerland, Die spätroman.Wandmalereien im Artushof im Hessenhof zu Schmalkalden, 1896; P.Weber, Die Iweinbilder
1 Schönbach S. 329 f.