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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§26. Erec 171

dinne 9487 und ämts 9695. Auch Mab. stellt ein ritterlichez Idealbild dar,er ist volkomen an degenlicher manheit 8541 f., auch die Minnefreundschaftmit seiner Dame ist innige, ungeteilte, auch aneifernde Liebe 951031.916987 und er findet sein ganzes Glück in ihr 9537 f. Auch er besitztritterliche Frömmigkeit 9454 f. 9536. 82. 86. Aber gerade in der Gegenüber-stellung dieses Liebespaares zu dem Ehepaar Erec und Enite will Chrestien,und nach ihm Hartmann, den höheren Wert der Ehe im Vergleich zu demhöfischen Minnedienst zeigen. Erec lebt, nachdem er den Minnezwang über-wunden, in der Welt und tut nach seiner Läuterung gute, soziale Arbeit.Mab. verbringt weltabgeschieden seine Jahre in egoistischer Abgeschlossen-heit als Minnesklave und seine Heldensiege schaffen nur Verderben undElend. Ein weibliches Widerspiel bilden Mabonagrins Dame und Enite: dieenge Selbstsucht der Herrin des Freudengartens bannt den Geliebten in'ihre Liebeslaunen, der hohe selbstlose Sinn Enitens erhebt den in sein Ichversunkenen Gatten zu einem Wohltäter. Eine niederere und eine höhereStufe des ritterlichen Ideallebens sind gegeneinander abgemessen.

Der Erecroman hat viel Wirklichkeitsgehalt, Szenen und Charaktere,wie sie das Leben bietet. So entwickeln sich hier Kulturbilder. 1 Die arm-selige Wirtschaft in Enitens Elternhaus 250 ff.; der diensteifrige Knappe unddie Einkehr der beiden Abenteuerfahrer in dem Hause des besten Wirtes3472 ff.; der das Pferd Erecs zur Tränke führende garzän, seine rotewangesingend 6709 ff.; das Nachtlager im Walde 70797111. Auch Erecs Ent-ritterung in der Ehe liegt ein realer Zug zugrunde, dem H. später ein Seiten-stück in dem verbauerten Ritter im Iwein 280778 gegeben hat. Die Haupt-personen des Romans, Er. und En., sind zu Trägern menschlicher Schick-sale erhoben, die sie umgebenden Nebenspieler bleiben in engerem Rahmenals Mitwirker des ganzen Kulturbildes. Es sind Rittertypen: der herunter-gekommene Edelmann 270 ff. 396 ff.; der wegelagernde Raubritter 3116 ff.3291 ff.; der Ritter als buhlerischer Verführer 3668 ff. 6178 ff.; der ehren-hafte und getreue Ritter (Guivreiz) 4280 ff. usw.; der zur Roheit sich hin-reißen lassende Ritter (Oringles) 6515 ff., dieser zugleich ein Beispiel, wie trotzallem höfischen Firnis und trotz der mäze die Rohnatur des Affektlebensauch in vornehmen Kreisen der damaligen Zeit durchbrechen konnte.

Poetisch gehobene Wirklichkeit ist die Artushandlung. Die Artusgesell-schaft bewegt sich in einer anderen moralischen Schicht. Sie erhebt sichnicht zu dem sittlichen Pathos, das Erec durch seine Lebensprüfung erreicht,hier bleibt es bei der rein weltlichen Rittermoral der Ehre und Frauen-huldigung, Frau Saslde ist Herrscherin 9899903 und Erec erhält der EhrenKrone, weil niemanden von richer äventiure (von herrlichen Rittertaten) sogroßer Ruhm erwachsen sei. Doch gehört auch zu dieser weltlich-gutenLebensführung die Nächstenliebe. Mitleid mit dem Schicksal der unglück-

1 Bernh. v. Jacobi, Rechts- und Hausalter- I Helmschmuck: Schwietering, Sievers-Fest-tümer in H.s v. Aue Erec, Gott. Diss. 1903; | sehr. 1925 S.571 ff.