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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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169
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§26. Erec 169

63. 941731. 988898. 1011924. Eine nähere Erläuterung endlich zudem Thema sich durch wip verligen (wegen Frauenliebe untätig liegen blei-ben) und zu dem Gegensatz von gemach (Bequemlichkeit) und ere gibt H.mit dem Hinweis auf Erec im Iwein 278798 und 285478. 1

Im Grunde liegt die moralische Schuld Erecs in seiner Unfähigkeit, dieTriebe zu zügeln. Er kann aus Willensschwäche seine Lust nicht seinerPflicht unterordnen. Es ist die tragische Zeitspanne seines Lebens, eine ein-malige, durch die neuen Umstände verursachte Schwäche. Er hat sein Selbstverloren. Aber er stellt seine Ehre durch seine Heldentaten wieder her,er erholte sich als ein riter solle Iw. 2795 f. Die Willenskraft kommt sofortmit der wiedererweckten Vernunft zurück. Seine Kämpfe bedeuten eine Läu-terung vom Genießen zum Handeln. Und in diesen Taten veredelt er seinePersönlichkeit. Als bloßer Sportsmann ist er sinn- und planlos in die Welthineingezogen, durch seine Niederlage im Zweikampf mit Guivreiz 701022kommt er zur Erkenntnis, daß seine bisherigen abenteuerlichen Straßen-kämpfe nur Torenwerk des Ehrenkitzels waren, unmäze, Vermessenheit, einÜbermaß in der Ritterschaft aus falsch verstandener Ehre. Lange hat er denWeg zu wirklichem Heldentum gesucht, er findet ihn, als er einen voll-kommenen Degen von weitgerühmter Tapferkeit, Mabonagrin, trifft. Hierist es ein wunschspil, sein Leben auf einen Wurf einzusetzen, hier ist wirk-lich Ruhm und Ehre zu gewinnen 852075. Die Ruhmsucht ist jetzt aufeine höhere Stufe der Sittlichkeit gehoben, sie ist geläutert durch demütigeFrömmigkeit. Sieg und Ruhm sind nicht eitel Eigenverdienst, sondern siewerden verliehen vonderGnade Gottes 856062.8589f. 885559.1008596;doch muß auch die eigene Tüchtigkeit mitwirken 7072.

Ritterehre besteht nicht ohne Frömmigkeit, 2 davon zeugt das Gedichtschon vorher an mehreren Stellen, bes. 423235. 537577. 556165. 6117.6123. 6351. 6713 und 26 (Gott fügt scelekeit, glücklichen Zufall); 598591(Gottes Willen kann niemand widerstreben); 705978. Aber hier auf demHöhepunkt von Erecs Ruhmesbahn, wo der Schwerpunkt ganz besondersauf den ethischen Gehalt gelegt ist, wirkt der religiöse Einschlag stark stim-munggebend mit: Dank, daß Gott den Weg zu Ehre'bringendem Kampfgewiesen 852737; der Sieg kommt von Gott 856089; die wunderbareFügung Gottes 82928306; Messe, Bitte um Gottes Schutz 863244; Aber-glaube 3 und echtes Gottvertrauen 811953. Und endlich schließt der Roman,der mit einem höfischen Abenteuer begonnen, wie eine Legende mit demBlick auf die ewige Seligkeit und der Aufforderung zum Gebet um dasSeelenheil.

1 Die Romanisten Küchler, ZfromPhil. 40,8399,MEYER-LüBKES.145ff., Schurr S.100messen dem Verliegen eine geringe Bedeu-tung bei. In der Tat stellt Chrestien den Kon-flikt zwischen Minne und Ehre im Erec nichtals These in den Mittelpunkt, läßt ihn aber imIvain deutlich hervortreten. Hartm. aber hebt

schon im Erec jenen Widerstreit als moralischenGrundgedanken deutlich heraus, stärker nochan den angeführten Iweinstellen.

2 Religion im Erec: Schönbach S.423.17375, vgl. 20608. 20913; Ehrismann,ZfdA.56, 172 ff. 199201.

» Schönbach S.338f.