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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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Die erzählende Dichtung

Zwiegesprächs durch Zunahme der religiösen Stellen. 1 Der Leib lenkt denZank ab zur Versöhnung mit dem Hinweis auf die gemeinsame Pflicht, dieLeib und Herz gegen die in ihrer Pflege stehende Seele haben in Hinsichtauf ihrer beider Zukunft, ob in den Himmelschören oder bei den Kindernder Hölle 103455. In dem Kräuterzauber 12691348 ist dann das religiöseProgramm entwickelt, und nach dem in kirchlichen Formeln gesprochenen, Treueid 141842 wird das richtige Verhältnis zwischen Gott und der irdischenMinne festgestellt: daz ich nach gote liebers niht enhabe (als im Gebot derMinne zu leben), womit also die Gnade der Geliebten hinter die Gotteszurückgestellt wird 144749.

Formal bietet das I. Büchl. nichts Charakteristisches. Die Ausdrucksweise 2ist schulmäßig, oft in verschlungener Nebensatzbildung, die erregten wiedie gleichgültigen Stellen werden in demselben stilistischen Tempo vorge-tragen. Die Gedankenentwicklung dehnt sich bei dem eingeschränkten Inhaltlangsam dahin, ist schleppend in häufigen Wiederholungen. Die beliebteForm der raschen Wechselrede bringt etwas dramatische Bewegung 11681268, aber auch dieses sich auf 100 Verse ausspinnende Kunstmittel ist über-mäßig in die Länge gezogen. Anschaulich und belebend wirken die in dielangen didaktischen Erörterungen eingestreuten Bilder und Vergleiche, z. B.299. 326. 35266. 44964. 46577. 82149. 15007. Sprichwörtliches:49698. 808. 951 u. ö. Wörter, die Hartm. später nicht mehr gebrauchte,s. bei Piquet S. 91.

Die Metrik 3 des Büchleins ist aus seiner historischen Stellung in H.sdichterischem Gesamtwerk heraus zu beurteilen. Es steht in unmittelbaremZusammenhang mit seinen Liedern.* So gilt auch, jedoch mit einigen Frei-heiten, in der metrischen Form das Prinzip geregelten, alternierenden Versbaus.

Liedmäßig ist die Form des Schlußgedichts: 5 15 Strophen von un-gleicher Länge, indem jede Str. gegen die vorhergehende um 2 Verse ab-

1 Religiöse Stellen im I. Büchl.: SchÖN-' bach S. 7982. Der religiöse Einschlag

aus der weltlichen Minneklage ist nicht ausder persönlichen Weltanschauung oder Stim-mung Hartmanns entstanden, sondern liegt imStil der Saluz u. Complaintes, wofür die vonP. Meyer herausgegebenen Stücke (s. oben)zahlreiche Beispiele enthalten: Nr. I zB. be-ginnt mit einer Bitte an Gott für die Behütungder Geliebten (S. 139) u. ist überhaupt eineMischung von Minne u. Frömmigkeit. AuchNr. II u. III haben religiöse Segenswünsche zumEingang. Sehr oft finden sich Anrufungen Got-tes u.fromme Bemerkungen.

2 Piquet S. 74.

* Saran, H. als Lyriker, bes. S.36.49 ff. 53;Ders., Beitr. 24, 44 f.; Ders., Dt. VerslehreS. 266f.; Vogt, ZfdPh. 24, 243f.

4 Auch die meisten Minnelieder klagen üb.versagte Gunst u. haben als Grundgesetz desMinneverhältnisses die stcete; die Stimmungist also die nämliche wie im Büchl. Auch

einzelne unmittelbare Gleichungen begegnen,wie die Trennung von Leib u. Herz MF. 215,30f. Aber das sind allgemein minnesingerischeMotive; spezieller ist der Gegensatz zwischengcehe u. stcete MF. 212, 34 ff. u. Büchl. 1541 ff.Das Lied 206, 19 ff. erinnert an d. Büchl. inso-fern, als es, wie H. selbst es nennt, eineklage u. der Geliebten als Bote gesendet wird,also wie ein Liebesgruß oder ein Büchlein,s. Panzer S. 541.

5 Wackern.-Stadl. S. 11 f.; HAUPT,ZfdA4,395; Paul, Beitr. 1, 453 ff.; Jacob S. 14ff.;Martin, Ausg. S. XIX. Saran, H. als LyrikerS. 61 ff. 82 ff. u. Dt. Verslehre S. 266 hält H.nicht für den Verfasser, dagegen Vogt aaO.,Schönbach S. 7886, Piquet S. 91, PanzerS.534; Ehrismann, ZfdPh. 36, 406 f.: Verse4 Heb. stumpf + 3 Heb. klingend --= Systemdes Vagantenverses; eine stümperhafte Nach-ahmung aus d. 14. Jh. in e. Heidelbg. Hs. istabgedruckt.