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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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150 Die erzählende Dichtung

irdischen zur himmlischen. Mit einem Wirklichkeitsmoment dem Abschiedvon den versammelten Herren und Sippeverwandten des Geschlechtes, demer als Dienstmann angehört setzt die Rede des Dichters ein 218, 58und geht dann über in eine dialektische Begründung seiner Fahrt, derenSpitze in dem Doppelsinn des Wortes Minne liegt: H.s Minne ist nicht dievon den Minnesingern gepriesene Frauenliebe, sondern die Gottesliebe, undzwar jene Liebesfülle Gottes, die den ganzen Menschen in Besitz hat, inder Mensch und Gott vereint sind, die mystische Liebe, die viel stärker istals irgendein anderes Erlebnis. Denn selbst Saladin, der die heiligen Stättenden Christen entrissen, mit seinem ganzen Heeresaufgebot und der Kreuz-ritterruhm würden ihn nicht dazu bringen, seine Heimat zu verlassen: alleinjene allgewaltige magische Kraft des Gotterfülltseins vermag es. 1

Die Witwenklage gibt den einzigen sicheren Anhalt für eine engere Zeit-bestimmung in H.s Leben. Da sie von der Totenklage Reinmars beeinflußtist, die ins Jahr 1195 fallen muß, so ergeben sich für H.s Lied und denTod seines Herrn die Jahre von 1195 an. Da das 1. Kreuzlied nach demTode des Herrn gedichtet ist, so kann er nicht die Kreuzfahrt von 1190,sondern nur die von 1197 mitgemacht haben. 1195 hat er das Kreuz ge-nommen, 2 um diese Zeit sind seine Kreuzlieder entstanden, die Minnelyrikfällt vorher.

Weitreichende Wirkung hat H.s Lyrik wohl nicht gehabt. Er steht unterdem traditionellen Einfluß Reinmars. 3

Die Rhythmik seiner Lieder ist naturgemäß an die regelmäßige, alternierendeBetonung gebunden. Zwei Lieder, 205, 1 u. 215,14, enthalten sog. daktylischeVerse. Gerühmt wird Hartmann als Minnesinger von dem v. Gliers. 4

§ 25. Das I. und das II. Büchlein

Ausg.: M. Haupt, Die Lieder u. Büchlein u. Der arme Heinrich von H. v. A., Berl. 1842,dazu Nachträge ZfdA. 3, 273 f. 4, 395 f., 2. Aufl. Der a. Heinr. u. die Büchlein, besorgt vonE. Martin 1881; Fedor Bech, Hartm.v.Aue, Dt. Classiker des.s, 3 Bde., 1. Aufl. 1867 ff.,2. Aufl. 1870 ff., 3. Aufl. 1893 (l.Teil Erec; 2.T. Lieder, I. u. II. Büchl, Gregorjus, Der armeHeinrich; 3.T. Iwein). Lit.: Piper, Höf. Ep.2, 2736; WACKERN.-STADLERS.13ff.; Schön-bach, Üb. H. S.7982. 16773. 21420. 22886. 32528. 343-55. 362-96. 469-72. u.481 ff.; Piquet S.7398, dazu Panzer, ZfdPh. 31, 52445. Haupt, Zu H. v. A., ZfdA. 4,395 f. (I. Büchl. Schlußgedicht); Wilmanns, Zu H.s Liedern u.Büchl., ZfdA. 14,14955; Ose.Jacob, Das II. Büchl. ein Hartmannisches, Leipz. Diss. 1879, dazu Cbl.1880, 1473, Paul, Lbl.1881, 236; E. Naumann, ZfdA.22, 43 ff.; Kauffmann, Üb. H.s Lyrik S.53 ff.; Saran, H. v. A.als Lyriker, bes. S. 29 ff. 39 ff. 61 ff.; Ders., Das sog. II. Büchl., Beitr. 24, 171; Schönbach,Anfänge d. dt. Minnesangs S. 21.26; Kraus, Das sog. zweite Büchl. u. H.s Werke, Festg. f.

1 Die Interpunktion von Paul u. Saran : u.ZfdA.55, 301 f.; Vogt aaO.; E.Naumann,und lebt min herre, Salatin u. al sin her. . . ZfdA. 22, 60 f.

setzt Saladin als Lebenden voraus (er starb s Einfluß auf Walther: Burdach, Reinm.

1193), was aber mit der Abfassungszeit der S. 104. 106.

Witwenklage (1195) nicht zu vereinbaren ist 4 Bech, Ausg. B. I. 2 S.7f. Zum Stil von

(s. Vogt, MF. 3 S. 446 ff.). H.s Liedern: Burdach, Reinm., Reg. S.232.

2 Wolfram, Kreuzpredigt u. Kreuzlied, ZfdA. Zur Kreuzfahrt auch Zwierzina, ZfdA. 45, 255.30, 114; Schönbach, Ueb. Hartm., S.459 f.; 372. 378.

Rosenhagen, ZfddUnterr. 28 (1914), 103.109