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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§24. Die Lieder 147

Ausdruck brachte als die Eneide, und hat mit ihnen zugleich den Ritterromannach Oberdeutschland verpflanzt.

Von den Zeitgenossen und Nachfahren wurde H. die Anerkennungals Führer zuteil. 1 Gotfrid preist ihn in begeisterten Worten als Meister derfeinen, zierlichen Redekunst; Heinrich v. d. Türlin widmet ihm, als demDichter des Erec, eine fromme Totenklage, 2 Rud. v. Ems hebt, Gotfrid folgend,in seinem Alexander, weniger im Willehalm, ebenfalls die Klarheit und An-mut seiner Sprache hervor. 3 Wolfram nimmt im Parz. häufig auf seine beidenArtusromane Bezug und beweist durch sein starkes Interesse, daß er ihn inhohem Ansehen hielt; aber nirgends läßt er eine stärkere Verehrung für ihndurchblicken. Er ist ihm nicht derMeister", er stellt sich ihm gleich.Wenn die Folgezeit der Begründer der ritterlichen Literatur gedachte, sofehlte sein Name nicht und die häufigen Beziehungen auf den Erec u. Iweinzeugen von der Beliebtheit dieser Romane im 13. Jh.

§ 24. Die Lieder

Ausg.: Haupt, Bech s. unt. Büchlein; Vogt, MF. 3 (1920), 240ff. 437ff. Lit.: Piper,Höf. Ep. 2, 4f. 1527; Wackernagel-Stadler, Der arme Heinrich S. 7ff. 12ff.; Wilmanns,Zu H.s Liedern u. Büchl., ZfdA. 14, 14455; Schönbach S. 156-67. 35562 u. ö.; PiquetS. 2772, dazu Panzer, ZfdPh. 31,523f.; Burdach, Reinm. Reg. S. 232; Hugo Kauffmann, Üb.H.s Lyrik, Leipz. Diss. 1884, dazu Martin, DLz. 1885,192 f., Burdach, Anz. 12,189 ff., EmilHen-rici, ZfdPh. 17,382; Saran, H.v. A. als Lyriker, Halle 1889, dazu Cbl. 1890,630f., R. M.Meyer,DLz.1890, 157 f., Vogt, ZfdPh. 24,23745; Saran, Beitr. 23,1 ff. (24,1 ff.); Hans Naumann, Beitr.44, 284301; Jellinek, ebda45,59-71; v. Kraus, Übungsb.^öö, 2. Aufl. S.292.Übertragg.:Will Vesper, Münch.1926. Reimwörterb.:JANDEBEUR,Münch.Texte, Reimwörterbücher H.5,1926.

In MF. beträgt die Strophenzahl der Lieder H.s 55, wovon jedoch vielleicht3 (214, 34215, 13) Walther zugehören. Sie verteilen sich auf 16 Lieder(das Walthersche inbegriffen), 4 13 Minnelieder und 3 Kreuzzugslieder.

H. war kein Lyriker von Naturveranlagung, ihm fehlte die Schwellkraftdes Gefühls, die aus der Tiefe des Herzens quillt. 5 Die mäze, sei sie an-geboren oder durch Selbstbildung als Grundsatz erworben, läßt starke Er-regung nicht aufkommen. Er steht über dem lyrischen Eindruck, statt ihmunterworfen zu sein, er reflektiert und hat Neigung zum Moralisieren. Indesentbehrt sein Minnesang nicht jeden tatsächlichen Untergrundes als reinnur poetisches Motiv, vielmehr brachte er damit, der höfischen Sitte folgend,einer hochgestellten Dame seine Huldigung dar. 6 Sein Dienst fand keine

1 v. d. Hagen MS. 4, 261 ff. 863ff.; Haupt,ErecS.323f.:PiPERS.l4; Schönbach S.444 f.476 ff.; Henrici, Iwein 2 S.VII-X; Ders.,DieNachahmerv.H.s Iwein, Progr.Berl.1890;Panzer, Merlin S. CXVI u. CXXII; Singer,Wolfr.s Stil S. 56-61. 74; Vietor, Die Kunst-anschauung d. höf.Epigonen, Beitr. 46, 85ff.;s. bei Otte, Wolfram, Gotfrid, Ulr. v. Zazikh.,Wirnt v. Gravenberg, die Klage.

2 Siehe oben.

3 Junk, Beitr. 29,423 u. Ausg. des WillehalmRudolfs 217678; EHRiSMANN,Stud.üb.Rud.v. Ems S. 33 ff.

4 Üb. d. Verteilung der Strophen in d. Hss.10*

ABC s. Naumann S. 292 f.

6 Die ganze Stelle Iwein 29953028 ist inihrer rationalistischen Kritik des Herzens-tausches 3011 nicht ein wirklich ernstgemein-tes Selbstzeugnis; vgl. auch unten Gregor789804.

0 Wilmanns, ZfdA. 14, 14455 u. Heinzelebda 15, 12540 nehmen zwei Minneverhält-nisse an, die in zwei Liederbüchern aufgezeich-net worden seien. Auch Schönbach S.357findet zwei Liebesverhältnisse, ein früheres,das H. als junger Mann, und ein späteres,das er als Ritter gehabt habe. Vgl. auch E. Nau-mann, ZfdA. 22, 43 ff.