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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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Die erzählende Dichtung

und Metrik galt den höfischen Epikern als künstlerisch wesentlich und daraufberuht in erster Linie H.s Ansehen bei den Dichtern des 13. Jh.s.

So viel etwa finden wir in seinen Werken, insofern sie Selbstbekenntnissesind, herauszulesen. Wir gelangen nur zu einem allgemeinen Typus, einemIdeal. Es fehlen uns überhaupt die Mittel, in die ganze Vielgestaltigkeit einesmittelalterlichen Menschen einzudringen. Was wir aus den Splittern der Über-lieferung erschließen können, sind nur einzelne, mehr oder weniger hervor-stechende Eigenschaften. Die volle Persönlichkeit können wir nicht schauenund würden sie auch mit unsern modernen Maßen nicht begreifen.

Viel besprochen ist die Reihenfolge 1 von H.s Werken. Jugenddichtungen' sind unbestritten die Lieder und das Büchlein. Als erstes der größeren Werkeist nahezu allgemein der Erec anerkannt (s. unten), dagegen schwankten dieAnsichten über die zeitliche Stellung des Iwein, ob er vor die beidenreligiösen Dichtungen Gregor und Armer Heinr. zu setzen, oder hinterdiese, als letztes Werk H.s. Entscheidend sind die Beweismittel, die Wort-gebrauch, Satzbau und Reimtechnik liefern. Danach ergibt sich als jetzt fastallgemein anerkannte Zeitfolge: Lieder, Büchlein (Jugendwerke, um 1190),Erec (nach 1190), Gregor, Armer Heinrich (nach 1195: 1195 Tod des Dienst-herren, 1197 Kreuzzug), Iwein (nach 1200).

H. war kein schöpferischer Geist und doch ein geistiger Führer. DiesesMißverhältnis war besonders in einem Zeitalter möglich, das sich in denBahnen der Tradition bewegte. Er hat neue Formen in die Dichtung ein-geführt (nicht geschaffen): sein Büchlein ist das erste deutsche Streitgedicht, derGregorius die erste Legende höfischen Stils, der Arme Heinrich die erste selb-ständige Novelle; mit den Artusdichtungen hat er einen höheren Typus deshöfischen Romans eingeleitet, 2 der das Gesellschaftsideal unmittelbarer zum

1 In fast allen Abhandlungen üb. H.s Lebenu.Werke. Hier seien besonders angeführt:Beneckes Anmerk. zu Iwein V. 22. 6943 f.;Lachmann, Anm. zu Walther 82, 24; ErnstNaumann, Üb. d. Reihenfolge der Werke H.sZfdA. 22, 25ff.; Heinzel, Kl. Sehr. S. 73ff.;Paul, Einl. zum Greg.; Saran, H. v. A. alsLyriker S. 46 ff. 106 ff. u. Beitr. 24, 23 ff. 65 ff.;Schönbach S. 455 ff.; Piquet S. 21742;Panzer, S. 547; vor allem die ersten unter,Stil' angeführten Abhandlungen von Krausu. Zwierzina; ferner B. J. Voss, The Dictionand Rime-Technic of H. v. A., New York u.Leipz. 1896, S.68ff., Schwietering, Demuts-formel S. 77 ff. PsychologischeErwägungen,die den Iwein als weltl. Werk in H.s frühereLebenszeit, nach dem Erec u. vor die re-ligiösen Dichtungen, die e. Abkehr von derWelt bedeuteten, setzen, haben gegenüberden methodischen, empirisch-philolog. Fest-stellungen keine ausschlaggebende Beweis-kraft.

2 Einige Wortformen sprechen dafür, daß esschon vor Hartm. eine rheinische Artus-dichtung gegeben hat, der Name Walwän (so

auch Eilhart i. Tristr.), neben Gäwein (Chre-stien Gauvain) im Erec (Hertz, Parz.-Über-setzg. 2 S. 510f.); und Keiln der kätsprecheEr. 4664 (zum ndld. kwaadspreker); Zwier-zina, ZfdA. 45, 324 ff.; Hildebrand, DWb.5,1890; Mushacke aaO.; Singer, Mhd. Schrift-sprache Anm. 37; Ders., Wolframs Stil S. 97,auch S. 20; Ders., Aufsätze u. Vortr. S. 148 ff.;Schröder, ZfdA. 42,261 f.; Gruhn, ebda43,297 f.; Kurt Wagner, Eilh. I S. 8*ff. StarkesInteresse für die weltl. Romane am Rhein be-weist des Cäsarius v. Heisterbach Bemerkung,die etwa auf das Jahr 1200 geht, daß derAbt seines Klosters die während der Predigtschlafenden u. wohl auch schnarchendenMönche dadurch aufweckte, daß er anhub,von Artus zu reden: Audite, fratres, auditerem nobis novam et magnam proponam. Rexquidam fuit, qui Artus vocabatur. Hoc dictonon processit, sed ait: Videte, fratres, mise-riam magnam. Quando locutus sum de Deo,dormitastis; moxut verba levitatisinserui,evigilantes erectis auribus omnes auscultarecoepistis.