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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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143
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§ 23. Hartmanns Leben 143

Daß H. Schwabe war, dafür gibt die Überlieferung untrügliche Anhalts-punkte: 1. Der Herr Heinrich v. Ouwe, dessen Geschlecht H. als Ministerialangehörte, was ze Swäben gesezzen AH. 31. 2. Das Lob der Schwabenim AH. 142225: jeder ehrliche Mann wird den Schwaben zugestehen, dersie daheim gesehen hat, daß es nirgendwo einen bessern Willen (freund-lichere, herzlichere Gesinnung) gegeben hat. 3. Greg. 1573 f. lehn wart niemit gedanke ein Beier noch ein Franke (es bleibt nur noch der Schwabeübrig). 4. Heinr. v. d. Türlin sagt in seinem Preis H.s: vom Erec, den vonder Swäbe lande uns brähte ein tihtcere. Die Sprache in H.s Werkenstimmt zu diesen literarischen Belegen. 1

II. Hartmanns Stand: er war Ritter und zwar Ministerial eines Herren-geschlechts von Ouwe. Im AH. erzählt er die Schicksale eines Angehörigendieser seiner angesehenen Dienstherren.

III. H.s Bildung. 2 Er selbst sagt von sich ein ritter so geleret was, dazer an den buochen las. Er besaß also eine gelehrte Bildung, die er sichin einer Klostcrschulc erworben hatte. Die Schilderung des Unterrichtsgangesdes Gregorius 115597 mit den verschiedenen Zweigen der Grammatik,Rhetorik, der Kirchenlehre und Rechtswissenschaft hat er wohl aus eigenerErfahrung, geschöpft. Seine Werke zeugen von Kenntnissen in der klassischenLiteratur (Ovid, Virgil, Lucanus; sechsmal erscheinen klassische Beziehungenim Erec, einmal im Iwein), der Bibel und sonstiger geistlicher Literatur.Französisch war ihm völlig geläufig, es begegnen nur wenige Übersetzungs-fehler in seinem Erec und Iwein. 3 Gering nur sind Anspielungen auf diedeutsche Literatur vertreten, sie beschränken sich auf die Bekanntschaft mitVeldekes Eneide 4 und Reinmars Liedern.

Seine Dichtungen geben nur geringen Aufschluß über seine Lebensschick-sale. Man hat aus ihnen etwa" folgendes Bild erschlossen: Als Sohn einesarmen Dienstmannengeschlechtes wurde er in einer Klosterschule erzogen,hielt sich eine Zeitlang in Frankreich auf und trat mit einer seine Standes-genossen überragenden Bildung in den Hofdienst bei seinem Herrn. Ver-

1 Paul, Beitr. 1,539 (im Iwein Rtimepflach :geschach, bestreich : sweich) ; Paul, Gab es

e. mhd. Schriftsprache? S. 33 u. ö.; Kauff-mann Gesch. d. schwäb. Mundart S. 282;Singer aaO.; zu H.s Sprache u. Sprach-gebrauch s. unt. 'Stil' u. bes. Kraus, Festg.

f. Heinzel S. 11172; Zwierzina, ebda S.437510; Besprechungen zu Kraus u. Zw.:Schönbach, GgA. 1901,423 ff., Saran, ZfdPh.32, 38487, Panzer, ebda 33, 123 ff. u. Lbl.1901, 264, Ehrismann, Anz. 26, 38 ff., Be-haghel, Lbl. 1898,15, Cbl. 1899,351 f.; Zwier-zina, ZfdA. 40, 225-42; Ders., Mhd. Stud.,ebda 44, 1116. 249316. 345407. 45, 19100. 253-313 (bes. 253ff.). 317419, s.auch Bd. 44 Reg. S. 345. 45 Reg. S. 340 ff.;Ders., DLz. 1901, 470; Ders., Anz. 22, 18096; Ders.,44. Philol.-Versamml.S.124; Ders.,Die neueren Sprachen, 6. Beiheft S. 422 ff.

(= Festg. f. Luick, 1925). Die zur engerenHeimatbestimmung H.s vorgebrachten Be-weismittel, Reime mit ich han, da hast aufkurz a und von altem ei : ei aus agi sind nichtentscheidend, ob H. dem Schwäb. im engerenSinn od. dem Alemann. (Niederalemann.) an-gehörte.

2 Lachmann, Anm. zu Iw. 6444; Schön-bach, Üb. Hartm. S. 179 ff.; Rosenhagen,Festg. f. Sievers 1896, 231 ff.

3 Seltsam ist d. Mißverständnis Er. 7470 =Chr. 5349, wo H. aus dem franz. uns breztailliere (e. britischer od. bretonischer Künst-ler) einen meister Umbriz macht und aus demle conte ßemainne Chr.s Erec 1358 einenherzöge lmäin 176 u.ö. Verlesungen: Singer,Wolframs Stil S. 57.

4 Siehe oben Veldeke.