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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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Die erzählende Dichtung

Hartmanns Leben. Lebenszeit. Gotfrid v. Straßburg preist H. in seinem. Tristan 461935 um 1210 als ersten unter den lebenden Epikern, Hein-rich v. d. Türlin in seiner um 1220 verfaßtenKrone" beklagt seinen Tod(Krone 2352 ff.): demnach muß H. zwischen 1210 und 1220 gestorben sein.Eine genauere Jahreszahl ist aus seinen Kreuzliedern zu erschließen: er be-klagt den Tod seines Dienstherren um 1195, er machte den Kreuzzug 1197mit. Seine dichterische Wirksamkeit fällt also etwa in die Jahre 1190 bis 1205,seine Lebenszeit etwa 11701215.

Unmittelbare urkundliche Zeugnisse über H. sind nicht überliefert, auchnicht Namen von Personen, mit denen er in Beziehung gestanden. Aberer nennt sich in den Eingängen seiner Werke (der zum Erec ist verloren).

Über seine Lebensverhältnisse spricht er an zwei Stellen: im Eingangdes Armen Heinrich. Ein ritter so geleret was, daz er an den buochen lasswaz er dar an geschriben vant. Der was Hartman genant, dienstmanwas er ze Ouwe; und ähnlich in der Einleitung zum Iwein 21 ff.; im Büch-lein 29 und im Gregorius 173 nennt er nur seinen Namen von Ouwe Hartman,im Büchlein 7 (/ungelinc) und im Erec 1603. 7480 (tumber kneht) spielter auf seine Jugend an. Aus seinen eigenen Worten erfahren wir also:1. Seine Heimat war Ouwe. Dieses Ouwe, heuteAu, ist umstritten, da Ouwe,auch in Zusammensetzungen, ein häufig vorkommender Ortsname war. DreiOrte dieses Namens kommen in Frage: 1. Obernau bei Rottenburg amNeckar in Württemberg, wo noch heutzutage das Geschlecht der Freiherrnvon Ow blüht. 1 2. Aue bei Freiburg im Breisgau, dessen Herren Dienst-mannen der Zähringer waren. 2 3. Eglisau am Rhein, im Kanton Zürich, früherbloß Ouwe, das den freien Herren von Tengen gehörte. Das Wappen H.s inden Liederhandschriften B u. C ist das der Herren v. Wespersbühl (Wappens.Vogt, MF. 3 S.437 f.). Aber es ist nicht nachgewiesen, in welchem Verhältnisdie Wespersbühler zu den Herren v.Tengen bzw. Eglisau standen. 3

Piquet S. 1 ff.; Vogt, MF 3 S 437f. 445f.;K. Barthel, Leben u. Dichten H.s v.A., Berl.1854; Hugo Lemcke, H. v. A., Progr. Stettin1862; Frz. Eggert, Üb. d. erzählenden Dich-tungen H.s v.A., Schwerinl874; H.Schreyer,Untersuchungen üb. d. Leben u. d. DichtungenH.s v. A., Progr. Pforta 1874, dazu Bartsch,Germ. 19, 317 f., Kinzel, ZfdPh. 17, 479ff.;Paul, Zum Leben H.s v. A., Beitr. 1,53539;W. Greve, Leben u. Werke H.s v. A., Progr.Fellin 1879; Rosenhagen, ZfdU.28,94110,dazuBAESECKE.Wissenschaftl.Forschungsber.1919 S. 115.

1 F. Bauer u. Frh. v. Ow, H.s v. A. Heimatif. Stammburg, Germ. 16,155ff. 252.21,251 ff.;Ludw. Schmid, Des Minnesängers H. v. A.Stand, Heimat u. Geschlecht, Tüb. 1875, dazuHerm. Fischer, Germ. 20, 373 ff., Kinzel,ZfdPh.6,485ff.; Martin, Anz. 1,126 ff., E.Nau-mann, ZfdA. 22, 25 ff., Held u. Birlinger,Alem.3,8893; J. W. Lungen, War H. e. Frankeod. e. Schwabe? Jen. Diss. 1876, dazu Kinzel,

ZfdPh.7,479ff.; PAUL.Beitr.l, 535ff.;ScHÖN,ReutlingerGeschichtsbl. 1896 Nr.3.4; Schrö-der, Gott. g. A. 1901, 50 ff. (die Aussatzsagein Kunz Kisteners Jakobsbrüdern weist aufHaigerloch u. damit mittelbar auf die Herrenv. Ow); Cassel, Weimarer Jahrb. 1 (1854),475 ff.; Ders., Symbolik des Blutes (1882),226 ff. (Owen bei Teck, Württembg., das imBesitz der Zähringer war).

2 Lachmann, Walther v. d. Vogelw., Anm.zu 82,24; STÄLiN,Wirtemberg.Gesch.2 (1?47),762; Wackern.-Stadl. S. 1 ff.; Socin, Alem.25 (1898), 133 ff.; Martin, ebda 30, 35ff.;Schröder, ZfdA. 51, 106 ff. u. Festschrift f.Kelle S. 399 ff. (nahe Beziehungen H.s zuzähringischen Hofkreisen, Markgraf Hermann11901242 oder Herzog Berthold V 11861218 [s. LG.11,3 Berchtold v. Herbolzheim]).

3 Grein, SpicilegiumVaticanum 1838 S. 161 63; J. Grimm aaO.; bes. Aloys Schulte,ZfdA. 41, 261 ff.; neuerdings Singer aaO.S. 40.