138 Die erzählende Dichtung
1160 u. 1190 fallen: Erec, Cliges (in Byzanz spielender, aber dem Artus-kreis angeknüpfter Stoff), Lancelot od. der Karrenritter, Yvain der Ritter mitdem Löwen (zw. 1164 u. 73), Perceval (vor 1190). 1 Erec u. Yvain hat Hart-mann v. Aue, den unvollendeten Perceval Wolfram v. Eschenbach deutschbearbeitet; dagegen berührt sich Ulrichs v. Zazikhoven Lanzelet nur stellen-weise mit Chr.s Lancelot. Die vier ersten Romane behandeln Eheprobleme:Erec u. Yvain das Verhältnis zwischen ehelicher Liebe und Ritterehre unterVerurteilung der höfischen Mode des Frauendienstes; Cliges und bes. Lancelotumgekehrt die Liebe zu einer verheirateten Frau. Der Perceval erhebt sichüber die Gestaltung des diesseitigen Lebens zu den Jenseitsgedanken einesvergeistigten Rittertums.
Der Schauplatz der Artusromane bzw. der Matiere de Bretagne ist daskeltische Britannien, 2 sowohl Inselbritannien, Wales und Cornwall, dasLand der Cymren, als die Bretagne des Festlandes, das gallische Armo-rica, das um 600 von den Inselbriten besetzt wurde. Das Meer trennt nicht;es wird oft bei den auf beiden Seiten des Kanals spielenden Begebenheitengar nicht berücksichtigt, als ob der Verkehr herüber und hinüber auf demLande vor sich ginge. Die Handlung wird an bestimmte Örtlichkeiten ver-legt, aber die geographischen Begriffe sind unklar; z. B Guivreiz und Erectrennen sich an einer Wegscheide, jener gegen Irland, dieser gegen Nantes(Hartmanns Erec 9953 ff.). Aitus' Residenzen sind Carduel und Cardigan inWales, Tintaguel (schon bei Galfred) in Cornwall, auch Nantes (Carnant) in derBretagne; hier auch der Abenteuerwald Broceliande (Breziljän Harun. Iwein 263).
Aus der Welt des Märchens, der Feen und Riesen, sind die keltischenSagen in das Leben des französischen Rittertums übertragen. Die Feen sindhöfische Damen, die Krieger modische französische Ritter geworden. Derromantische Schimmer des Märchenhaften ist bei aller Vergegenwärtigunggeblieben. Das Wunderbare ist die Stimmung in dieser Ritter-Fabelwelt, inden Taten der Helden, ihren alle gewöhnliche Menschenkraft übersteigendenLeistungen; und auch in der umgebenden Landschaft, den auf hochragendenFelsen aufgetürmten Burgen, den dichten, in Zauber verhüllten Wäldern, denberückenden Wundergärten.
Inhalt der Artusromane. Die neue höfische Kultur verlangte einenneuen dichterischen Ausdruck. Nicht mehr der Mann allein mit seinen Mannes-tugenden der Tapferkeit und Mannentreue füllte das poetisch verklärte Wirk-lichkeitsbild der höfischen Welt aus, die Frau hatte in dieser verfeinertenGesittung eine selbständige, ja im häuslichen Gesellschaftsleben führendeStellung gewonnen. Die neue Form für dieses Verhältnis war die ,Minne'.Mit dieser neuen Forderung hatte sich der Mann auseinanderzusetzen und
1 Wend. Foerster, Christian v.Troyes Sämt-liche Werke, Bd. I Cliges, II Yvain, III Erec u.Enide, IV Lancelot u. Wilhelmsleben, Halle1884—99, dazu Textausgaben in FoerstersRoman. Bibl.: Yvain Nr. 5, 3. Aufl. 1906, Erec
Nr. 13,2.Aufl. 1909, und Kristianv.Tr. Wörter-buch zu seinen sämtlichen Werken Nr. 21,1914. — Bruce 2,100—28.2 E. Brugger, Zffrz. Spr. 20, 79 ff. 27, 69 ff.28, 1 ff. 44, 78 ff.