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Die erzählende Dichtung
1758—60) und Hingabe an die unwandelbare Liebe eines andern ist derSieg der Gerechtigkeit (1762—65. 1770 f.) — im Sinne der höfischen Minne-theorie. Im Grunde aber ist die Frau die tragische Gestalt dieser tragi-komischen Geschichte. Sie besitzt den wahren sittlichen Instinkt gegenübereiner überspannten Standesphantastik.
Der Verfasser besaß die Gabe, anschaulich und lebenswahr zu erzählenund den Charakteren, bes. da, wo er sie unter komische Beleuchtung rückenkonnte, ein scharfes Profil zu verleihen. Das meiste wird ihm hierfür schonseine Quelle geboten haben. Durch die starke Neigung zur Lehrhaftigkeithat er öfters den Fluß der Erzählung gehemmt. Seine literarischen Kenntnissegingen nicht tief, 1 aber er macht gern Gebrauch von seinem allgemeinenWissen, um seiner Darstellung einen gewissen Aufputz zu verleihen. Erzeigt Bekanntschaft mit den niederrhein. Gegenden: Köln 641, Flandern 657,Maas und Rhein 688; zitiert Geistliches: Salomos Weisheit 1336 f., S. Bran-dah und Antichrist 884-90, S.Michael 932; Klassisches: Kassandra 1136,Vulcanus 1122, pfelleltn von Kriechen 1134, Karthago und Dido 1151 f. (jeden-falls ausVeld., vgl. 50—53), dazu das Tier Alfurt in Marokko 2 1146—50;ferner den baierischen Schilling 492, lombardische Fahne 738. Er verehrteVeldeke, den er 1158—72 mit der Anspielung auf dessen Schilderung vomBett Salomos nennt. 3 Hartmann, Wolfram, Gotfrid mag er gekannt haben,ist aber in der Formgebung nicht von ihnen beeinflußt;* sein Stil 6 zeigtkeine Einwirkung von ihrer Seite. Dieser ist ungelenk, ungeübt, beispiels-weise in den trockenen Zahlenaufzählungen in Herborts Manier 985—95(mit einförmigem fünfmaligem Prädikatsverb stach), 1001—6.1046—55. Her-vor tritt der Gebrauch von zweigliedrigen Verbindungen, Fremdwörtern, 6Formeln, Metaphern und Vergleichen, Sentenzen, Stichomythie 535—58.Nicht häufig sind altertümliche (sogen, unhöfische) Wörter (wigant 59, diet798. 1010, enborlanc 768), von unhöfischem Schimpfen ist der gebildete Tondes Gedichtes frei.
Der Versbau ist ziemlich frei durch Fehlen von Senkungen. Die Reimesind rein. 7 Daß der Dichter ein gewisses Verständnis für die formale Be-deutung der Reime hatte, darauf weisen seltene Wortbindungen 8 wie: zins:flins 509, getrcemet : geschrcemet 639, moten (Prät. von rüejen): muoten 751,wazzer: mazzer 791, fiwwer: schiwwer 805, schaffest: äffest 1501, stimme:brimme 1683, ferner 1001. 1013. 1015. 1219. 1235. 1467.
1 Er schöpft aus Benoits Roman de Troie,aus der Kehr.* Schröder, ZfdA. 56, 288.
3 Veld.u.M.v.Cr.:HAUPTS.5u.28(zu688);Behaghel S. CLXXIII. CXCVI1I f. CCXXII;Singer, ZfdA. 35,182; Schröder ' S. X. XXIX ;Schwietering, Dem. S.67f., Festschr. aaO.
4 Haupt S. 5; Bech, ZfdPh. 29, 169 f.;Schröder' S. X—XVIII. XXVI ff, 3. Aufl.S. IV, ZfdA. 43,257—64; R. M. Meyer S. 324
—26; Wallner S.134f.; Schwietering, Dem.S.68. — Ueber M. v.Cr. und Bliggers Umbe-hanc s. unten.
5 R. M. Meyer S. 310«.; Stichomythie: W.Grimm, Kl. Sehr. 3,247; R. v. Muth, WienerSB. 95 (1880), 660f.
6 Schröder S. XI.
7 Schröder' S. VII—XI; Zwierzina, ZfdA.44,63. Enjamb.: Wahnschaffe pass.
8 R. M.Meyer S. 315.