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Die erzählende Dichtung
immerhin ein geschichtlicher Kern steckt, zu einer weltgeschichtlichen Per-sönlichkeit. Er besiegt die Sachsen, Picten und Scotten, erobert Irland undIsland, dann Gallien, läßt sich zum Kaiser krönen und vollbringt Wunderder Tapferkeit im Kampfe gegen Rom. In einer Schlacht gegen seinen NeffenModredus, dem er vor dem Beginn seines Römerzugs sein Reich zur Verwal-tung und seine Gattin Ganhumara (frz. Guenievre) zum Schutz anvertrauthatte und der ihn in beidem betrog, wird er tödlich getroffen, aber auf einemSchiff zur Heilung seiner Wunden auf die Feeninsel Avallon entführt (a 542). *Dieser Welteroberer aber vereinigte in sich die beiden Aufgaben eineschristlichen Herrschers: er war nicht nur ein großer Kriegsheld, sondern auchein ruhmvoller Friedensfürst, denn vor dem Zug nach Italien ruhten dieWaffen 12 Jahre lang. Weit berühmt war Arthurs Hof durch seine feine Sitteund aus fernen Landen ziehen die jungen Fürstensöhne dahin, um edleBildung zu lernen. Hat so die Arthursage ein umfassendes Regentenlebenaufgebaut, so beschränken sich die Artusromane auf jene goldene Zeitder Ruhe und zeichnen in Artus das Bild eines edlen Friedenskönigs. Nichtals Eroberer in kriegerischen Taten tritt Artus hervor, er lenkt nicht dieGeschicke eines Reiches, er ist nur der Mittelpunkt einer fein gebildetenGesellschaft, der Oberherr einer glänzenden Hofhaltung, umgeben von denauserwähltesten Rittern seiner Zeit, den Herren von der runden Tafel (laronde table, Tafelrunde, zuerst bei Wace). Ihnen fällt die Handlung in denfranz. Artusromanen zu, sie sind die Helden der einzelnen Erzählungen bzw.Romane. Als Namen von Rittern aus der Umgebung Arthurs erscheinen beiGalfred: Eventus, in den cymrischen Erzählungen (Mabinogion) Owein, derfranz. Yvain; Gerontius, cymr. Gereint, franz. Erec; Peredurus, cymr. Peredur,franz. Perceval; auch der tapfere Dapifer (Truchseß) Cajus, franz. Keux,und Walgainus, cymr. Gwalchmei, der franz. Gauvain, welche beiden in jederdieser Geschichten eine Rolle spielen. Das waren wohl wirkliche britischeKrieger, die in verschiedenen Zeiten lebten, aber in der Wandlung der Sagedem Kreis um Artus angeschlossen wurden. Die Handlung jedoch, die Taten,die diese Helden in den Artusromanen verrichten, stammt nicht aus der Artus-sage, Galfred hat davon nichts: die Grundmotive der Erzählung kommen zumgrößten Teil aus dem Reich des Märchens und der Sage. Mächtig war die kel-tische Phantasie, die Freude am Wunderbaren, ja Grotesken. Die irischenHeldensagen, 2 im 9. und 10. Jh. entstanden, um 1100—1200 in Handschriftenniedergelegt, enthalten schon viele jener Märchenzüge der Artusromane.
Tief eingewurzelt in der keltischen Volkssage, wie sie am ursprünglichstenin jenen irischen Erzählungen überliefert ist, waren die Vorstellungen vomTotenreich, Nachklänge des alten irischen Jenseitsglaubens. Die Phantasie
1 Der franz. Abt Guibert v. Nogent berichtetzum J. 1113, daß nach dem Glauben der Bre-tonen Arturus noch lebe. Fortleben Artus' in d.Flammen des Aetna od.Vesuvu.a. bei Caesariusv.Heisterb., Dial. Miracul. Dist.XlI Cap. 12 f.,
ed. Strange 2, 324 ff.; Gervasius v. Tilbury,Otia imperialia, ed.LiEBRECHT(1856) S. 12f. 95.2 Thurneysen, Sagen aus d.alten Irland, Halle1901 u. ZfromPhil. 19 u. 20; Ders., Die irischeHelden-u. Königssage bis z. 7. Jh., Halle 1921.