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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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Die erzählende Dichtung

sehe Teil sich in rascherem Tempo entfaltete, wie das auch im franz. Fableau wirklich derFall ist, und daß, entsprechend der Technik in den mhd. Bearbeitungen überhaupt, die dt.Übertragung des M. v. Cr. durch umständlichere Ausdrucksweise und vielleicht auch durchabsichtliches Verweilen (sog. psychologische Vertiefung), ferner durch umfänglichere Schil-derungen und durch eingeschobene Betrachtungen, auch durch Verbreiterung der Monologeund Dialoge erweitert ist. Besonders die ausführlichen Beschreibungen des Schiffes, seinesBaus und seiner Ausstattung 63584. 697740, des Zeltes 773800, der Rüstung desHelden 82548, der Kemenate mit dem kostbaren Bett 110172 und der Schluß 16791776mit der Naturstimmung, der sentimentalen Wehmut der Frau und der hervortretenden Moralverdanken ihre Ausführlichkeit gewiß zum größten Teil dem Interesse des Deutschen anden umgebenden Gegenständlichkeiten und dem Stimmungsleben. Sie vervollständigenzwar das realistische Bild, hemmen aber die dramatische Lebendigkeit. Eine wirklicheinnere Vertiefung, aber wieder auf Kosten der ästhetischen Einheit, liegt in den morali-schen Betrachtungen, so bes. gleich am Anfang die alle epische Spannung zerstörendeMoralisation über die Minne 289396, s. auch 134350. 167378. Mit diesen lehrhaftenBeisätzen hat das dt. Gedicht eine ihm eigene ethische Tendenz bekommen.

Denn alle mhd. höfische Epik hat den doppelten Zweck: zu unterhaltenund zu belehren; hier aber ist die belehrende Absicht ganz unmittelbar aus-gesprochen eben in dem langen Abschweif 289396: es ist eine Minne-lehre, von der Natur der Minne, aber auch von ihrem sittlichenden Werte:viele meinen, der Mensch beherrsche alle lebenden Geschöpfe. Damit istes nichts. Minne ist die Allbezwingerin (auch 1373 f.), wer aber ohne Schadenminnen will, der muß der Stcete folgen, die Unstcete fliehen. Noch zweiandere Laster sind gefährlich: Üppic und Irre, d. i. die Sinnenlust, Luxuria. 1Aber wer in der Minne Erfolg haben will, der hat Mühsal und Arbeit aufsich zu nehmen (sweere 389, vgl. 443 f.), er muß um Minne dienen, dannwird ihm Ion gewährt werden, und damit wird ihm das höchste ritterlicheGut zuteil: die ere. Die Minne ist also die Führerin zur Ehre. 2 Unter lönist hier die letzte Gunst verstanden (brutlouft, Hochzeit, 1359). Die Damedarf sie gewähren, nur gebietet ihre ere 1360, daß nichts davon bekannt wird.*Aber zwei moralische Triebfedern sind es, die die Handlungen des höfischenRitters bestimmen: außer der Minne die Bewährung der ursprünglichen Mannes-tugend des Mutes, der Tapferkeit. Indem das Gedicht auch diese darstellt indem glänzenden Verhalten des Ritters im Turnier und den Preis der Ritter-schaft in der allgemeinen moralischen Ankündigung des Prologs voranstellt, 4

I Irre ist hier ein der Ueppigkeit (Wollust)verwandtes, in dieser Todsünde inbegriffenesLaster, ein Umherirren im Liebesverhältnisvom einen zum andern, bes. von Frauen:irriu wip (Iwein 2895, Freid. 48, 9, Cato 559)sind unbeständige Weiber, die sich jedemhingeben, Dirnen (vgl. auch Bamb. Beichte,MSD. 3 Nr.91 Z. 207). In Irre liegt also dieSchande der Gemeinheit, es bezeichnet e.niedrigere Art des Wankelmuts als die un-stcete. Vgl. Wilmanns S. 414.

II ere (schände): 47. 85. 92. 101. 128. 133.226. 248. 330 386. 395. 401. 414 443. 1024.1056. 1252. 13058. 1387. 1470. 1635. 1665.

1676. 1718 (Weibesehre: 1360. 1409. 1454.1484). dienen u. Ionen: 102. 25962. 267.273. 277. 299. 306 395 f. 40372. 561603.1265-76.1301.1312 f. 1332.1335.1393.1430.1460. 1629. 1633.

I 3 Es ist also der sittlich niedere Grad der(Minne, der in dieser moralischen Novelle| als Lohn für treuen Frauendienst in Aussicht. gestellt wird, der sinnliche Genuß, womit| der Ehebruch verbunden ist.4 Im Völkerleben besteht die Ehre der ein-zelnen Nation in Besiegung der andern Län-der, 94102. 118 f. 240 f.