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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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Die erzählende Dichtung

Gatte erwacht, hält entsetzt den durch das Turnier Entstellten für das Gespenst jenes vonihm im Turnier getöteten Ritters und fällt in Ohnmacht; M. gewinnt die Minne der Dame,dann aber kündigt er ihr seinen Dienst und verläßt sie mit Hohn 15111637. Die Reueüber das verscherzte Glück: die Gräfin bereut ihre Härte und leidet Kummer bis an ihrEnde 16381776.

C. Epilog. 177784. Der Dichter entschuldigt sich, wegen der Schwierigkeit der deut-schen Sprache nicht meisterlich dichten zu können. 1

Die Quelle. Der Ritter, dem dieses abenteuerliche Erlebnis zugeschriebenwird, war der franz. Minnesänger Moritz v. Craon (in Anjou), ein einfluß-reicher und am franz. Hofe angesehener Adeliger, gest. 1196; 2 die Damegehörte dem benachbarten Geschlechte der Vizegrafen von Beaumont an.Berühmte Dichter werden auch sonst, zuweilen bald nach ihrem Tode, zuHelden sagenhafter Stoffe, von Novellen oder epischen Liedern, gemacht. 3So wurde die Sage vom gegessenen Herzen auf den Kastellan v. Coucy, denTrubadur Guillem v. Cabestaing und auf den Minnesinger Reinmar v. Brennen-berg (der Bremberger) übertragen, auf den Tannhäuser die vom Venusberg,auf Heinrich v. Morungen, denedlen Moringer", die Heimkehrsage. 4

Das franz. Gedicht, das als Quelle für das deutsche vorausgesetzt werdenmuß, 5 ist verloren, aber nahezu den gleichen Inhalt wie der dt. M. v. Cr. hateine franz. Erzählung des 13.. Jh., ein Fableau (Fablel) ,Du Chevalier quirecovra l'amor de sa Dame'. 6 Hier fehlt die Landschiffahrt; 7 der Ausgang istversöhnlich, da der Ritter sein unartiges Benehmen als Schuld anerkennt unddamit die Huld der Dame wieder gewinnt; und ehrbarer, indem das Minne-spiel nicht zur Ausführung kommt. 8 Damit fällt auch der ganze tragische

1 Vgl. Schwietering aaO.

2 Von den unter dem Namen Craon (Creon)überlieferten Gedichten gehört nur eines die-sem Grafen Moriz II.

3 Viele der Biographien der prov. Trubadurenthalten novellistische Züge.

i Fritz Rostock, Mhd. Dichterheldensage,Hermaea 15, 1925. G. Paris aaO. findet esfür unwahrscheinl., daß eine solche anzüg-liche Anekdote in Umlauf gehen konnte, so-lange die engen freund- u. verwandtschaftl.Beziehungen der Familien Craon u. Beaumontbestanden. G. Paris' Bedenken entsprechenunserm Empfinden, aber die histor. u. gesell-schaftl. Verhältnisse, die hier mitsprechen,sind uns doch wohl zu wenig bekannt, umzu einer entsprechenden Entscheidung zukommen; vgl.ganz bes. Schröder, ZfdA. 43,26164 u. Ausg. 3 S. 5.

6 G. Paris nimmt e. lat. Quelle an, Golther,Kürschn. Nat.-Litt. Bd. 163, 208 mündlicheUeberlieferung.

6 Schröder, Ausg. 1 S. XXVII; Martin,Zur Gralsage, QF. 42, 28 u. ZfdA. 36, 203 f.;Rosenhagen S.805f. Hgb. von Montaiglonet Raynaud, Recueil general 6,13846. Dasfranz. Gedicht, welches mit den hist. NamenCraon u. Beaumont die Vorlage für das dt.Ged. bildete, setzt also mit dem Fabl., daskeine Namen kennt, e. gemeinsame Quelle

voraus (oder hat sogar vielleicht unmittelbardas Fabl.benutzt): Schröder, ZfdA.43,263f. In fernerem Zusammenhang damit stehtdie mhd. Erzählung Frauentreue (hgb. von v. D.Hagen GSA. Nr. XIII, Bd. 1 S. CXXIV VIIu. 25776. 552-56; Kurt Burchadt, Berl.Diss. 1910) u. deren Varianten (EschenburgsDenkmäler S. 26574 [nd.] u. Laßbergs LS. 1,11728). Weiteres s. bei Rosenhagen aaO.

7 Solche Fahrten von Schiffen, die auf demLande von Pferden gezogen wurden, scheinenbes. in den ebenen Gegenden der Maas unddes Niederrheins stattgefunden zu haben (vgl.V. 688), J. Grimm, Mythol.* 1, 21320.3,86 f.;Haupt S 4 f.; Bolte-Poüvka 3,272 f.; Schrö-der 1 S.XXVIIIf.; R.M.Meyer S.318; Singer,ZfdA.35,182; Bielschowsky, Höf. DorfpoesieS.4; Panzer, Hilde-Gudrun S.271 f.

8 Der nächtl. Besuch des Ritters bei d. Dame,zu dem die vorhergehende Tötung des Rittersim Turnier (90520) die Voraussetzung bil-det, ist eine Wiedergängersage und geht aufd. primitiven Volksglauben von der Wieder-kehr des toten Gatten zurück, der sich seinWeib holt (vgl. H. Naumann, Primitive Ge-meinschaftskultur, bes. Reg. unter Helgi). DasThema der ursprünglichen Sage lautete: DerGatte einer Frau wird von e. andern ermor-det, das Gespenst des Ermordeten kommtwieder, bringt d. Mörder um u. nimmt die