§ 21. Moritz von Craon 127
Dialekts aus rein. Zweisilbige Wörter von der Form - <-> zählen nach mfrk.Weise wie die mit J- ~, d. h. die kurze Stammsilbe ist gelängt, die Reimesind klingend und die Verse haben dann 3 Hebungen.
Das Gedicht von Morant und Galie nimmt eine besondere Stellung in dermhd. Literatur ein. Es ist der einzige Überrest einer einst gewiß stärker ge-pflegten Gattung, einer karolingischen Heldendichtung in den Rheinlanden, 1einer höheren Spielmannsart, die fortgeschrittener ist als die rheinische Spiel-mannsdichtung des 12.Jh.s, Rother usw., und die reinere Formkunst Veldekesvoraussetzt.
§21. Moriz von Craon
Ausg.: Massmann, v. d. Hagens Germ. 9 (1850), 103—135 (Mauritius u. Beamunt); M.Haupt, Festgaben für Homeyer, Berl. 1871, S. 27—89 u. SA.; Edw. Schröder, Zwei ad.Rittermaeren, Berl. 1894, dazu Wilmanns, Gott. gel. Anz. 1895, 405—16, G.Paris, Rom.23(1894), 466—74, 2. Aufl. 1913, 3. Aufl. 1920 (mit gekürzter Einleit.). — Bech, Germ. 17,170—77 u. ZfdPh. 29, 165—70; Schröder, ZfdA. 38, 95—105. 43, 257—64. 56, 288; R. M.MEYER,Allg.dt.Biogr.35,670u.ZfdA.39,310—26; Wallner, ebda 56, 132—35; Wechsslerim Roman. Jahresber.IV,2,382ff.; Rosenhagen, Dt.Vierteljahrsschr.2, 795—815; Schwiete-ring, Festschr. f. Ehrism. S.49 ff. — Hs.: Drittes Stück der berühmten Ambraser Hs. in Wien. 2
Der Verfasser nennt sich nicht, seine Heimat läßt sich aus den Reimenals das südl. Rheinfranken erschließen 3 (nördl. Elsaß oder rechts- bezw. links-rheinische Pfalz). Für die Abfassungszeit ergeben sich aus dem Gedicht selbstkeine näheren Anhaltspunkte. Sie wird nach Gotfrids Tristan, vielleicht auchnach Wolframs Willehalm fallen, also zwischen 1210 u. 1220. 4
Inhalt. A. Der Prolog 1—262 entwickelt eine Geschichte des Rittertums (ritterschaft):es entstand bei den Griechen im trojanischen Krieg 1—102; kam nach Rom, ihr Begründerdort war Cäsar, Gegensatz Cäsar-Nero, Anekdoten von Nero 103—229); sie zieht nachKärlingen (Frankreich), Karl richtet sie wieder auf (Olivier, Ruolant) und gelangt von dain viele Länder 230—62. — Das Ritterwesen ist also bedingt durch den moralischen Wertder Völker, demgemäß ist das historische Element dieses Abschnittes durchzogen voneinem sittlichen: Ritterschaft verlangt ere.
B. Hauptteil 263—1776. a) Die Ritterfahrt 263—1060. Herr Mauricius von Craon (Craun)dient der Gräfin von Beamunt um Minnelohn 263—523. Sie will ihn zu ihrem Ritter an-nehmen, wenn er vor ihrer Burg ein Turnier veranstalte 524—620. Er läßt ein Schiff bauen,das, von Pferden gezogen, die im Innern verborgen sind, sich zu Lande fortbewegen kannund fährt durch Frankreich vor die Burg der Gräfin; im Turnier zeichnet er sich vorallen andern aus; der Gatte der Gräfin tötet unvorsichtigerweise einen Gegner 621—1060.— b) Das Mißgeschick des Minnedieners 1061—1510. Nach dem Turnier läßt die Gräfinden Ritter durch eine ihrer Jungfrauen zu sich entbieten, in einer Kemenate wartet erihrer, schläft aber auf einem Ruhebette ein. Gekränkt über die scheinbare Gleichgültigkeitihres Verehrers versagt sie ihm, trotz Abmahnung des Kammerfräuleins, ihre Minnegunst. —c) Die Rache 1511—1776. Der Ritter schleicht sich nachts in das Zimmer der Dame; der
Rittermaeren 2 S. VI— VIII.
3 Sprache: Bech, Germ. 17,174f.; Schrö-der 1 S.VII-X. X-XVIII; Zwierzina, ZfdA.44, Reg. S.346. 45, Reg. S.342; Schröder,Münch. SB. 1924, 3. Abh. S. 3.
4 Haupt S. 5; Schröder 1 S. X— XV1I1,3.Aufl. S.IV; Wilmanns S.405f.; R.M.MeyerS. 324—26; Wallner S.134; Schwietering,Demutsformel S. 48. 68.
1 J. Grimm, Kl. Sehr. 2,358 f.; MOllenhoff,ZfdA. 12, 355f. 18,5; John Meier, Beitr. 16,85 f. 100 f.
2 Die Ambraser Hs., aus Schloß Ambras inTirol, jetzt in Wien, Perg., prachtvoll aus-gestattet, ist von Hans Ried, Zollner inBozen, 1502—15 für Kaiser Maximilian ge-schrieben, s. I. V. Zingerle, Germ. 9, 381 ff.;O. Zingerle, ZfdA. 27, 136ff.; Schröder,