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Die erzählende Dichtung
und dessen Gesellen, die ihn aus Karls Gunst verdrängen wollen, verbotenen Verkehrs mitKarls Gattin Galle beschuldigt. Karl entbietet M. und dessen beide Neffen zu Hof. Un-heilvolle Träume und schlimme Zeichen auf der Reise schrecken M. nicht ab. Vor demKaiser beteuern M. u. G. ihre Unschuld, aber beide werden gegen die allgemeine Stimmunggefangen gesetzt. Auf Beschluß der Großen soll ein Zweikampf zwischen M. und Rohartentscheiden. Der Verleumder verkleidet sich in einen Pilger und wird von M. im Kampfeentlarvt. Karl erkennt seinen Irrtum und bittet Gälte um Verzeihung. Die Verräter werdenhingerichtet. Ein Hoftag mit großen Festlichkeiten macht den heiter-versöhnenden Abschluß.
Es ist die Sage von der unschuldig verleumdeten Königin, gehört alsozur Gattung der Genoveva- oder Crescentia-Sagen. 1 In einem franz. Bruch-stück heißt Karls Gemahlin Sebille, ebenso im spanischen Prosaroman undim ndld. Volksbuch; und Alberich v. Trois-Fontaines 2 (Champagne) berichtetin seinem Chronicon (bis 1241), daß von franz. Dichtern über die Verstoßungder Königin Sibilia eine sehr schöne Erzählung verfertigt worden sei. 3
Der Inhalt baut sich in drei Stufen auf: die Verleumdung, die ungerechteVerurteilung, die Rechtfertigung durch das Gottesurteil. Der Umfang desGedichtes wird durch Erweiterung des Grundstoffes hergestellt: die Verrätereider drei Bösewichter wird durch Besprechungen mit dem König ausgesponnen,die Verurteilung durch Beratungen und Reden und durch Klagen, der Zwei-kampf wird ausführlich behandelt und das Fest am Schluß bringt noch einmaleine Dehnung. Ist somit die Erzählung auch nicht besonders breit gezogen,so verläuft sie doch mehr episch weilend als dramatisch bewegt. Beschrei-bungen von Gegenständen, Ausstattungen u. dgl. nehmen keinen großenRaum ein (z. B. A230, 32—54, C 1080—1102, vgl. Lachm. 18—34. 52—74.A247, 48—248. 1259, 19-50, C 2311—35. 3120—55). Im Mittelpunkt des
gendes epiques, bes. Bd. 3, Paris 1912. BrüderGrimm, Dt. Sagen Nr.442 ff.; K. Wehrhan,Die dt. Sagen d. MA.s 1. Hälfte, Dt. Sagen-buch hgb. von Fr. v. d. Leyen, Münch. 1919;Deutschbein, Sagengeschichte EnglandsS. 182 ff.; Keller S. 852 ff.; Bartsch S. 1 ff.— Die Mainetsage, nach der die Sammlung.Karlmeinet' den Namen hat, ist die Sage vomjungen Karl, seiner Vertreibung durch seineStiefbrüder u. seine Flucht zum HeidenkönigGalafre nach Spanien, wo er dessen TochterGalienne zur Frau gewinnt u. zum Christen-tum bekehrt, worauf er sein Reich wieder zu-rückerobert Diese Geschichte von der Jugend,Flucht u. Rückkehr Karls ist das erste Stückin der Sammlung Karlmeinet (Bartsch S. 1—24). Darauf folgt als zweites Stück Mor. u.Galie. — Die histor. Grundlage für dieseJugendschicksale des Mainet liegt nicht in derGeschichte Karls d. Gr., sondern seines Groß-vaters Karl Martell. Die Mainetsage ist alsospeziell Karl Martell-Sage (P. Rajna S.199—243).
1 Die sehr beliebte Sage ist in verschiedenenFassungen verbreitet: Karl u. seine GemahlinHildegard (Br. Grimm Nr.442), Karls MutterBerta (Br. Grimm, Ad. Wälder 3,43—48; Bolte-POLiVKA 2, 284 f.; Gröber, Grdr. Reg. unt.
Berte, Voretzsch > S. 125.436f.); Maiu.Bea-flor, Die unschuldige Königin v. Frankreich(V. D. Hagen, Ges. Abent. 1, 165 ff., dazuS.CIVff., s. auch S.Cff.); Bühelers Königs-tochter v. Frankreich; Schondochs Königinv. Frankr.; Griseldis, die geduldige Helena,Florentia, Hirlanda.Octavianus, Schwaniitter.— Lit. ua.: Görres, Dt. Volksbücher; Grässe,Sagenkreise S. 279—87; Massmann, EracliusS. 381—87; Oesterley, Gesta Rom. S. 740;Bolte-Pol. 1, 295—311. 2, 392 f.; Strauch,EnikelAnm.zu26677-27356; Wolfg.Liepe,Elisab. v.Nassau-Saarbrücken, 1920, S. 176 ff.273 ff; Goswin Frenken, Wunder u. Taten d.Heiligen, Bücher d. MA.s hgb. von Fr. v. d.Leyen, I, Münch. 1925, S. 168 ff. u. 232 (mitLit.).
2 Hgb. Mon. Germ. Script. XXIII, 631—950.
3 Sebille: Bartsch S.19 28—30; G. ParisS. 389 ff.; Pio Rajna S. 1 79—98. — Thomasinempfiehlt im W. Gast 1037 unter den höf. Vor-bildern für die jungen Damen u.a. Galiena;die Namensform ist romanisch, es läßt sichaber aus dieser Erwähnung kein weiterer Auf-schluß gewinnen, vgl. Lachmann, Wolfr. aaO.;ROckert, W. Gast S.529; Bartsch S. 23;G. Paris S. 125 f.