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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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122 Die erzählende Dichtung

ein besonderes Interesse zeigt er für Briefe (ein Brief schon im Teil Ia372_87. 45888, G. 23757. 26986): 133868 (fehlt G. 128184).1744_1807 (G. 195278, die Anfertigung eines Briefes bei G. 44038).Dem höfischen Stil folgend bringt er gern Erweiterungen von Beiwerk:Schilderung von Kleidern 192760 (G. 2180 f.), Schwertleite 2388405(G. 290411), dafür fehlt bei ihm nach 2387 die Ehrenlaufbahn des Er.,G. 2860903; das Beilager 240522 ist ausführlicher als bei G. 281820,auch in 400058 kehrt Otte das sinnliche Moment hervor (gegen G. 460975). 1

Im II. Teil, der Legende 2 (Otte 44175392, G. 51396539), bewegt sichOtte noch freier, hier hat er sein eigenes historisches Musterbild, wie es ihmzum Teil Otto v. Freising und die Kaiserchronik boten. Die ganze Vorgeschichte,die Wiederfindung des Kreuzes durch Helena (G. 5148244) tilgt er undbringt statt dessen einen chronikalischen Ausschnitt über die Gründung desoströmischen Kaisertums und die Wiedererneuerung des römischen Reichsdurch Karl d. Gr. mit einem Blick auf die Gegenwart (446670). Er kürztden Kampf mit Cosdroas, auch Reden schränkt er ein und die Anbetungdes Kreuzes 515861 (G. 592072). Ganz verschieden in Stimmung undGehalt ist der Schluß, 5189392, gegen G. 6108539: das franz. Gedichtbewahrt den frommen Legendenton bis zum Ende, Otte dagegen schließt,poetisch völlig abfallend aber gelehrt, als Chronist mit ein paar dürftigenhistorischen Notizen: vom hl. Märtyrer Anastasius, von Machmet dem Mehrerdes Unglaubens, von dem fränk. König Dagobert (Tagebreht) dem Mehrerdes Glaubens, von dem Irrlehrer Sergius, von dem mißglückten Krieg desEr. gegen die ismaelitischen Agarener. Dabei kam es ihm darauf an, diemenschlichen Gebrechen des frommen Kaisers stärker hervortreten zu lassen,indem er die Hoffart seines festlichen Einzugs in Jerusalem als gröze mlssetätbrandmarkt 5248 und ihn am Ende seines Lebens in die Sünde der Ketzereiverfallen läßt. 3

Am offensichtlichsten aber scheiden sich die beiden Dichter in ihrer Eigenartda, wo sie, jeder für sich, von der Tendenz ihres Werkes sprechen, im Prolog 4(1140 bezw. Gaut. 1122): Gautier leitet sein Gedicht ein mit einer Hul-digung für seinen Gönner 194, Otte das seine mit einem Gebet zu Gott175; dann legt jener einen kurzen Inhaltsbericht vor 95122, dieser da-gegen seine wissenschaftlichen Grundsätze 76140. So gibt sich Gautierals den Hofmann, Otte als den frommen Gelehrten. Darum hat jener auchdie ritterliche Laienmoral: Gott und der Welt zugleich dienen 13136 (vgl.4638), während Otte nurGott Untertan sein" als Lebensideal aufstellt 19397.

Otte ist ein guter Erzähler. Seine sprachliche Formulierung 5 ist lebendigund anschaulich, ohne Rhetorik schreibt er einen gemäßigten Stil. Mit

der trefflichste weltliche Herrscher kann in die

1 Vgl. Schröder, GgA. aaO.

2 Der Inhalt der Kreuzlegende Ottes hat mitderjenigen in d. ndld. Ged. Seghelijn van Jhe-rusalem nichts zu tun, vgl.HEiNZEL.Wien.SB.126 Nr. 1; Schneider, Wolfdietr. S. 368 ff.

3 Eine echt hierarchische Wendung: auch

Bahnen eines rex injustus (LG. II, 1, Reg. S.351),geraten.

J Vgl. Schwietering S. 41 f.

6 W. Grimm, Kl. Sehr. 3, 24250; GraefS.7080; PREUSsaaO.