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Die erzählende Dichtung
Auch ist Herbort freier in der Benutzung seiner Quelle und hat einen ener-gischeren Stil, er wirkt schon durch die Sprache, während Albrecht nahezuauf dieses Mittel verzichtet. Beide sind sie abhängig von der neugeschaffenenKunst Veldekes, die der eine, Herbort, nicht erreichte, der andere, Albrecht,nicht erstrebte.
§ 18. Athis und Prophilias
Ausg.: W. Grimm, Abhandl. d. preuß. Akad. zu Berlin 1846 S. 347—467 u. 1852 S. 1—16,zus. Kl. Sehr. 3, 212—345; C. v. Kraus, Mhd. Obungsb. S. 72—91 u. 244-47, 2. Aufl. S.63—82. 276—79; Leitzmann, ZfdA. 54, 248—54; Singer, Beitr. 47, 350—52.
Hss. 1 NurPerg.-Bruchst., zus. ca. 1550 V.: 1. 8 Perg.bl. A A* B C C* D E F, davon sind A*u. C* verschollen, die übrigen 6 in Berlin. Sorgfältige, alte Orthographie, nicht stark dialek-tisch, hessisch (dit, aber daz; virterbin). — 2. A**, halbes Perg.-bl., verschollen, md. (rhein-frk.?). — 3. Ab-e* 4 Perg.streifen, einst wahrsch. in Halberstadt, verschollen, stark dialekt.(Grund md., darin viele nd. Formen). — A** u. A b — e einst in Meusebachs Bibl.
Der Dichter ist unbekannt, in den Bruchstücken begegnet sein Namenicht. Seine Heimat war wahrscheinlich Hessen, 3 soviel sich aus den dia-lektischen Reimen und einigen Wörtern schließen läßt.
Das wohl um 1215 entstandene Gedicht (s. unten) scheint nicht weit überseine Heimat hinaus verbreitet gewesen zu sein. Erwähnt wird es in derLiteratur nur von Heinrich v. Freiberg im Prolog zur Ritterschaft des Johannv. Michelsberg 26—29.*
Inhalt (nach dem afrz. Gedicht). Zwei junge Männer, Athis {Athis) aus Athen undProphilias aus Rom, sind in inniger Freundschaft verbunden. I. Teil, a) SchauplatzAthen. Erstes Freundschaftsopfer, das des Arn.: Verzicht auf die Frau. Ath. vermählt sich,Proph. wird von krankhafter Liebe zu des Ath. Frau entzündet. Ath. sieht den Freundhoffnungslos dahinsiechen. Am Hochzeitstage räumt er ihm seine Gattenstelle an Seiteseiner Frau ein, ohne deren Wissen, ja er tritt sie ihm später ganz und öffentlich ab.b) Schauplatz Rom. Vergeltung des Freundschaftsopfers durch Proph. Ath., wegen dieserHandlungsweise von den Seinen verachtet und verstoßen, sucht in Rom Hilfe bei Proph. Aufder Straße begegnet er dem Freund und seiner Gemahlin, die ihn aber wegen seinesBettlergewandes nicht erkennen. Ath. glaubt sich von Proph. mißachtet, flüchtet in Ver-zweiflung, den Tod herbeiwünschend, in eine Felsenhöhle. Er hofft den Tod zu finden,indem er einen abenteuerlichen Zufall benutzen will: vor seiner Höhle geraten drei jungeMänner in Streit, einer wird erschlagen. Ath. nimmt den blutenden Leichnam in sein Ver-steck, wird am andern Tage ergriffen und gibt sich selbst als Täter an. Zum Tode ver-urteilt steht er in Fesseln am Pranger. Proph., vorbeikommend, erkennt ihn, gibt sich,trotz des Widerstrebens des Ath., als Mörder an und wird an Stelle des Ath. verurteilt.Durch Zufall verraten sich die wahren Täter, Proph. wird befreit. — Nachspiel: Ath. wirdvon Liebeskrankheit zu des Proph. Schwester Gayte befallen, die dem König Bilas ver-
1 W. Grimm S. 212—14. 340-42 (s. auchGerm. 12,379 f.); v. Kraus aaO.; Könnecke,Bilderatlas a S. 55.
2 Zu A« s. Schröder, Anz. 38, 170.
3 Zur Sprache: Kraus, D. Ged. d. 12. Jh.sS. 145. 148; Zwierzina, ZfdA.44, 347. 45,38;Schröder, Gott. Nachr. 1918, 419.
4 Athis u. Profilias nach ritterschefte streb-ten, mit steten triuwen lebten, in ritterlicherwerdikeit. Heinr. hebt als Verfasser von Ritter-schaftsbüchern hervor Wolfram, Hartmann,
Tristant (Gotfrid), Wigalois, Lanzelet, also dieältesten u. angesehensten höf. Epiker (außerVeldeke), dazu noch Kg. Alexander. Er hatden Athis auch wirklich gelesen, wie Anklängean ihn in der Schilderung der Rüstung desJoh. v.Michelsb. zeigen: silbirwiz 91 = Ath.B 54; hosen 77 = Ath. 54; spiegelvarb (Helm,von Stahl) 125 = Ath. spiegilbrün B 57; ve-deren (: vlederen, Geier) 133 = Ath. (: iet-wedirin, Adler) B 33.