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Die erzählende Dichtung
Albrecht hat Veldekes Eneide gekannt, 1 Herborts Trojalied, 2 HartmannsIwein 3 und Heinrich v. Morungen. 4 Er hat unmittelbar aus dem lat. Ovidübersetzt 5 (Prol. 54 f.), zwischen ihm und seiner Quelle liegt also nichtwie bei Veldeke und Herbort eine schon stark mittelalterlich gefärbte frz.Bearbeitung. Er hat sich ziemlich genau an den lat. Text gehalten, 6 zuweilensind ihm sogar lat. Konstruktionen und Wendungen unabhängig von der Vor-lage untergelaufen (Acc.c. Inf., Partizipialkonstr., Apostrophe [Bruchst.A 16.124.126]). Er ist breiter im Erzählen, schildert ausführlicher, erweitert das Beiwerk,Kostüm usw. und braucht demnach mehr Raum, 7 streicht dagegen zuweilen,bes. im weiteren Verlauf der Arbeit, von Buch 9 an, längere Stellen, darunterauch gute und anziehende. Er nimmt auf sein Publikum Rücksicht und läßtdarum, zumal in Einzelheiten, manches weg, was diesem unverständlich wäre,auch fremdartige Sitten und Trachten, Gegenstände, Bilder und Vergleiche,lat. Länder- und Personennamen. Wo er erweitert, folgt er dem epischenAnschauungskreis. seiner Zeit und zieht dabei auch vorhandene Literatur,Veldeke usw. hinzu.
Die Arbeitsweise des Dichters läßt sich auch hier, wie bei Veldeke undHerbort, genau durch Analogie nachweisen. Gerade die 2 erhaltenen Bruch-stücke sind Beispiele für die beiden Übertragungsmöglichkeiten, die gebundeneund die freie: A hält sich fortlaufend an den lat. Grundtext, B dagegen enthältumfangreiche Zusätze: die Rede der Procne ist aus 3 ! /2 Hexametern zu 15
1 Veldeke: Gleichungen bei Behaghel,En. S. CXC1X-CCI1I; Bolte 8, XIII—XIX;Runge S. 147-51.
2 Herbort: Runge S. 151—53, bes. Bae-secke ZfdA.50 u. ZfdPh. aaO. UnmittelbarerZusammenhang zwischen Albr. u. Herb, istfür jene Stellen gesichert, die bei Ovid nichtstehen. Sie finden sich Lim Prol.: die Vor-gänger Albr.s bzw. Herb.s, Albr. 56—61, Herb.81—91 (= Ben. 129ff.); 2. Jason u. Medea,s. Baesecke ZfdA.50 aaO., dazu auch derfreundl. Empfang des Königs: Wickr. Buch 7,12 f. (fehlt Ov. VII, 7), Herb. 527 (= Ben.1198 ff.); die Einführung der Medea in die Er-zählung als Zauberin mit ausdrückt. Nennungihres Namens: Wickr. B. 7, 24—28 (fehltOv. VII, 9), Herb. 565 ff. (= Ben. 1212 ff.);Wickr. B.7, 447, ähnl. Herb. 575—77 (gegenOv. VII, 207); Albr. Bruchst. B 77—79, Herb.3112—14 (= Ben. 5278); bei Wickr. B. 3, 364—79 (Bolte 7,128, = Ov.III, 155—62) kön-nen die Züge in 369—72 bei Herb. 3180—89(= Ben. 3865—70) Anregung zur Ausmalunggegeben haben. 3. Ovid XIII: Scylla: Albr.B. 13, 928, Herb. 17724 (= Ben. 28877, fehltOv.XIII, 729 ff.). Daß Albr. der Entlehnendeist, ergibt sich aus den Stellen, die durch Ben.als ursprüngl. für Herb, erwiesen sind. Dieaus Herb, entnommenen Verse dienen meistenszur näheren Erklärung u. zum Verständnis desInhalts.
> Hartmann: Wickr. 4, 1437 ff. = Iw.63—72; Albr. B 60-62 = Iw.626-28 (z. Teil
wörtl. u. Stilist. Uebereinstimmungen). DaHartmann hier aus Chrestien schöpft (8 ff .426 f.),ist er als Vorgänger Albr.s beglaubigt, nichtumgekehrt. Vgl. Albr. Bruchst. B 87 f. u. Iw.3901 f.
4 Morungen: Um das in Ovids Met. VI,450—54 kurz entworfene Auftreten der Philo-mela zu einer Schönheitsschilderung zu er-weitern, nimmt er im Bruchst. B43—81 einigeMotive aus Morungens Lied MF. 129 ff.: dieSituation (Dame im Saal, mit der Krone, gleicheReime schone : kröne, sdiouwen : vrouwen,das Bild von der Sonne (bei Albr. der beliebtetagesterre), das er mit Gedanken Hartmannsausschmückt. Daß Morungen der Gebende ist,wird dadurch erwiesen, daß das Motiv von derDame am Fenster, verglichen mit der Sonne,seinem Vorstellungskreise angehört: MF. 138,37 f. Vgl. Burdach, Reinmar u.Walther S. 46 ff.;v. Kraus, Gott. Abh. NF. XVI Nr. 1 (1916)S. 20.40ff.; Vogt, MF. 3 S.391; Helm, Beitr.50, 143 ff.
6 Auch Randglossen aus einer Hs. des Ovidhat er mit benützt. Bei der Schilderung derWeltentstehung im I.Buch hat er einige Punkteder Imago mundi des Honorius Augustodunen-sis entnommen.
6 Einige Male hat er ihn mißverstanden bzw.falsch wiedergegeben.
7 Albrechts Uebersetzung mag etwa 21000—22000 Verse umfaßt haben (Schröder, Gott.Nachr. S.79ff.). Ovids Metam. belaufen sichauf 11987 Hexameter.