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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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Die erzählende Dichtung

entnimmt er die Beschreibung des (thüringischen) Wappens Herb. 132834,fehlt Ben. bei 2390. »

Herb, ist im stilistischen Ausdruck ungewandt, er ringt mit der Sprache,dichterische Beredsamkeit vollends geht ihm ab. 2 Schwerfällige Wendungenund Sätze trifft man oft, häufig auch ungeschickte Wortwiederholungen, 8formelhafte Ausdrücke. In der Satzbildung herrscht Parataxe vor. Eine Eigen-schaft von Herb.s Formsinn ist die Symmetrie, daher häufiger Wort- undSatzparallelismus, zweigliedrige Formeln, wie z. B. Peleas, edele unde riche,der lebete herliche in bürgen und in landen, Von spise und von gewandenwas die vülle in sime hofe 100105. Darum ist auch die Antithese einübliches Stilmittel, gleich in den ersten Versen Minren unde meren, Witenunde engen, Kürzen unde lengen 46. 4 Dramatisch wirkt die schlagende,asyndetische Antithese wie Hie döz dort schal. ., Hie dröuwe da bete . .,Hie recht da gewalt, Dirre flehete der schalt, Dirre gebot der bat 342329; steif aber die bei Herb, zur Manier gewordene antithetische Massen-gruppierung: Wie disme unde deme Daz und diz wol gezeme 6205 f.;(besonders z.B. auch584266), oft einhalp anderhalp, einsit andersitu.ä.Oder Aufzählungen wie Einer quam gegen zwein Und zwene quämendrin engein, Die gegen vieren riten usw. viere, fünfe bis zu zehene undabschließend tusent 652942. Anaphorische Reihen, z.B. 164651 {und),557076 (Pron.); asyndetische Reihen sind sehr häufig: Kinne munt nasewange, Ougen här zöpfe lange, Lide bein ädern bluot 319799. Bloßnotierende Aufzählungen sind schon der französischen Vorlage eigen,hauptsächlich Namenreihen; es sind Überbleibsel aus dem registrierendenStil des Dares, besonders in Schlachtschilderungen, z. B. innerhalb 4661967 besonders 477585. 482137. 484554. 485572. 491835.

In der schematisierenden Einteilung des Stoffes geht Herb, noch überBen. hinaus. Die Kämpfe bis zu Hectors Tod werden pedantisch disponiert,indem das jeweils folgende Ringen eine höhere Stufe der Not bringt: 5zuerst Da wart gröze not gestalt 1487, dann Hie wart daz leitzwifalt 5180,Nu wart sie {die not) drifalt erhaben 5190, bis zu zehenfalt 5868 und biszur manicfaltikeit 5876, und dann beginnt eine zweite Zählung mit übermanicfalt 6698. 6894. 9536, Schluß 10443 ff. Ähnlich die Einteilung einesKampftages nach den sieben Hören 792770; die sechs Liebesgaben 67993(fehlt Ben. vor 1300); die dreiTermine der Sinneswandlung der Helena 271726(fehlt Ben. nach 4772); der dreifaltige Sinn 1118299 (fehlt Ben. 17638746);das dreifaltige Leid 1311220 (Ben. freier 2126272). Wie diese logistische

1 Siehe Schröder, ZfdA.52, 36164 (eineHuldigung für den Landgrafen v. Thüringen).

2 Reuss S. 14ff. Die anspruchslosen Schluß-verse 1845256 sind allerdings nur formel-hafte Bezeugungen der typischen Autoren-bescheidenheit, vgl. Schwietering, Demuts-formel S.36ff., bes. S. 53.W. Grimm, Athis,Kl. Sehr. 3, 246 (Wechselrede).

s H. Diebel, Die Formen d. Wortwiederholg.bei Herb.v. Fr., Jahrb. d. philol. Fakult. zu Mar-burg 1922/23. Widersprüche: Jellinek u.Kraus, ZföG.44, 691 u. Euphorion 5, 463 ff.

4 Ein treffendes, weit ausgesponnenes Bei-spiel von Antithese (1390642) zitiert Vogt,LG. S. 190.

6 Diebel, Beitr. 45, 46772.