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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 16. Herbort von Fritzlar: Das Lied von Troja

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dem Dictys folgen der Byzantiner Joannes Malalas (ein syrischer Mönch, wahrsch. des 6. Jh.s)mit seiner prosaischen Chronik (Xgovoygacpla) des Trojanerkriegs und dessen byzantinischerNachfolger, der Fortsetzer Konrads v. Würzburg und Hans Sachs in zwei 1554. 55 erschienenenDramen (die letzteren beiden unter einiger Beiziehung des Dares). Mit Hilfe des PindarusThebanus und Ovids kam zustande die südslavische Version (14. Jh.). Eine besondereGeschichte hat die von Benoit erfundene Liebesszene von Troilus und Briseida: Boccaccioschuf aus ihr seine poetische Erzählung Filostrato (1338), auf dieser beruht Chaucers Bokeof Troilus and Cresseide, welches Shakespeare für seine Tragödie Troilus und Cressida benutzte. *Inhalt. 2 Der Prolog 198, eine Variierung des französischen Vorworts. Herbort wendetdas Thema Benoits: du sollst deinen Schatz nicht vergraben (ein im Mittelalter gültigesreligiös-sittliches Gebot) 3 ins Persönliche. Darauf spricht er, dem französischen Text folgend,von den Quellen; und erklärt zum Schluß, daß es schon vor ihm deutsche Trojadichtungengegeben habe. 4

I. Vorgeschichte 992348. Die Argonauten 991176; Zerstörung Trojas durch Herkulesund seine Gefährten 12331638; Wiederaufbau 16391874; Antenors Gesandtschaft 18752067; Rat der Troer 2068348.

II. Der trojanische Krieg 234914982. a) Raub der Helena 2349888; Vorbereitungenzum Krieg 32994162. b) Die Schlachten 416314982. Die fast 15000 Verse dieses mitt-leren Teiles erhalten ihre Gliederung durch die Abschnitte von 23 Schlachten.

III. Trojas Ende 1498316725, dabei das Palladium 15606, das trojanische Pferd 15926.

IV. Schicksal der Überlebenden 1672618448.

V. Epilog 1844958.

Herb.s Vorläufer, Benoit de Sainte More, 5 hat den mittelalterl. Troja-roman geschaffen, indem er aus der registrierenden Art des Dares und demhistorischen Stil des Dictys eine lebensvolle und farbenreiche, für die mittel-alterl. Literatur vorbildliche Dichtung formte und diese in das ritterliche Ko-stüm seiner Zeit kleidete. Er hat damit den Umfang und den Inhalt seinergriechischen Quellen ganz bedeutend erweitert, 6 und zwar mit den üblichenMitteln der Technik: Vorhandenes hat er ausgedehnt, Neues hinzugetan.Zum romantischen Stil eines groß angelegten Epos gehören besonders die

1 Kleinere lat. Gedichte vor Benoit: vonBernhardusFloriacensis (11. Jh.), Simon Capraaurea (um 1152) s. bei Dunger S. 2123;auch einige unter den Carmina Burana (ed.Schmeller, Nr. CLII u. CLIII.

2 Die Einteilung in Distinktionen ist in lat.Schriften gebräuchlich (im Mhd. hat sie Hugov. Trimberg in seinem Renner, s. Ausg. desLit.Vereins Bd. 256 S. 15 f., auch S. 1820.Die Distinktioneneinteilung ist in HerbortsText fast immer an wirklich bedeutenden Ab-schnitten angebracht, die auch inhaltlich oftdurch Natureingänge oder Zeitangaben ge-kennzeichnet sind (üb. Tageszeiteingänge:Ehrismann, Stud. üb. Rud. v. Ems S. 100).Aber in der Hs. fehlt die Bezeichnung oft,angeschrieben mit Ziffern sind nur Dist. II.VIII. X. XIII. XIV. XVI. XVII. XVIII. XIX. XX,die übrigen Dist.abschnitte sind indes durchdie großen Initialen kenntlich. Die Eintei-lung in größere Abschnitte stammt jeden-falls schon aus der frz. Vorlage, die Zeitein-sätze bei den Schlachten hat schon Benott undvor ihm Dares (z. B. postera die, mane facto,tempus pugnae supervenit, interea, noctu, an-7*

nus circumactus est Kap. 1933. 36. 39. 40.42; sie ergeben sich aus der tagebuchartigenAnlage dieser .Acta diurna'). Vorbild aberfür poetische Stimmunggebung der Natur-eingänge im Epos war für das MA. überhauptVirgils Aeneide. Ob die Bezeichnung .Distinc-tio' auch schon in der f rz.Vorlage stand od. vonHerb, herrührt, ist wohl kaum zu entscheiden,schwerlich jedoch von einem späteren Schrei-ber.

3 Aus Eclus. (Sirach) 20, 32. 29, 13; vgl.Roethe, Reimvorreden S. 104 ff.

4 Frommann S.XlVf.; Dunger S.40; Jo-seph aaO.; Schröder, Ritterm. 1 S.XI XIV;

BAESECKES.366ff.

6 Ausg.: A. Joly, 2 Bde, Paris 1870. 71;Constans s. ob. Die Quellen Benoits: Kör-ting S. 74 ff.; Greif S. 1257; Jaeckel, DaresPhryg. u. Ben., Bresl. Diss. 1875; Genelin,Unsere höf. Epen, S. 109 f.; Constans VI, 16591. 192263 (Lit. S. 192 f.).

6 Die Vorgeschichte mit dem Argonautenzughat schon Dares, das Nachspiel mit der Heim-kehr der hat Griechen Dictys, Ben. hat dazunoch ausführlichere lat. Quellen benutzt.