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Die erzählende Dichtung
sich ein Lucius Septimius nennt (wohl im 4. Jh.). Diese Fassung behandelt die GeschichteTrojas vom griechischen Standpunkt aus in gewandterem Stil und ausführlicherer Darstel-lung als Dares. Sie beginnt mit dem Raub der Helena und erweitert den Schluß um dieErzählungen der Einzelschicksale der heimkehrenden Griechen, des Agamemnon und be-sonders des Ulixes.
Sehr zahlreich sind die mittelalterl. Bearbeitungen der Trojanersage. 1 Die meistenhaben den Dares als Quelle — er galt als die höhere Autorität —, zu dem Dictys etwazu weiterer Ausführung beigezogen wird. Der wichtigste Vermittler des klassischen Stoffesan das Abendland ist Benoit (Beneeiz im franz. Text) von Sainte More durch seinensehr verbreiteten und in vielen Hss. erhaltenen Roman de Troie (Estoire, Geschichte, Ben. 129ff.)um 1175—1180. 2 Er legt den Dares zugrund (91 ff.) und folgt ihm anfangs fast ausschließ-lich; stellenweise, besonders von 24395 ff. an, benutzt er auch den Dictys,' einige MaleOvid (bes. Metam. VII für den Argonautenzug), einmal (23127 ff.) die lateinische Bearbeitungder Kosmographie des Aethicus (Aithikos, um 300 n. Chr.).
Von Ben. gehen die meisten Bearbeitungen in den Volkssprachen aus: unmittelbar einefranzösische von Jean Malkaraume, Anfang 13. Jh.s, und der französische Prosaroman, Mitte13. Jh.s, eine italienische, mehrere spanische, zwei holländische (Segher, Jac. van Maerlant,13. Jh.); von ihm auch Herborts Liet von Troja und Konrads v. Würzburg Trojanerkrieg(s. unten) mit seinen Nachfolgern. Am nachhaltigsten aber wirkte die lateinische Prosa-bearbeitung von Guido de Columna (Colonna) aus Messina, die Historia destructionisTroiae (od. Historia Troiana), 1287. Guidos Werk gelangte zu hohem Ansehen, es wurdezweimal ins Italienische übersetzt, mehrmals ins Spanische, zweimal ins Französische (Raoulle Fevre 1464, als Mystere von Jaques Milet 1450), mehrmals ins Englische (John Lydgate1420, Barbour 14. Jh., Huchowne 1474), ferner ins Holländische, Dänische, Schwedische,Isländische, Tschechische; außerdem gibt es eine größere Anzahl von freieren italienischenund spanischen Dichtungen der Trojasage, die direkt aus Benoit oder aus Guido geflossensind. Fürs Deutsche sind drei (noch ungedruckte) mhd. Prosabearbeitungen zu verzeichnen:von Hans Mair, Nördlingen 1392, nach Guido; von Heinrich v. Braunschweig, etwa um diegleiche Zeit; das namenlos überlieferte Buch von Troja (Hss. Berl. Gieß. Gotha), welcheletztere beide zuerst nach Konrad v. Würzburg, dann (da wo Konrads Fortsetzer anfängt)nach Guido gehen; endlich eine nd. Prosa. 4 Unabhängig von Benoit und unmittelbar vonDares sind das lateinische Gedicht (Hexameter) De bello Trojano von dem EngländerJosephus Iscanus (Exoniensis, Devonius) um 1200, der lateinische Troilus (Distichen) desAlbertus v. Stade vom J. 1249, die nordische Tröjumanna-Saga, das mittelenglische GedichtSeege (Batayle) of Troye (jedoch mit Benützung des Benoit). Nicht dem Dares, sondern
1 Siehe bes. Dunger, Greif, Constans VI,264-345, spez. S. 341—43.
2 Benoit war Kleriker, seine Heimat die Tou-raine; er verfaßte außerdem eine Chronik von42000 Versen „Histoire des ducs de Norman-die" für den engl, (anglonormann.) KönigHeinrich IL
s Beide zitiert er häufig, s. Reg. bei Con-stans V, 44 b u. 47 b .
* Ueb. diese handschriftl. erhaltenenTrojaner-kriege s. Frommann S. XXIV—XXVII u. 350 ff.;Greif S. 67 f. 122; Kautzsch, Festg. f. Sievers1896 S. 292 f. — Ueb. das Buch von Troja:Emil Thiede, Greifsw. Diss. 1906, ebda S. 64 ff.üb. Hans Mair, S.87 ff. über einen nd. Prosa-druck (Magdeburg). Die älteste gedruckte hd.Uebersetzung des Guido ist die von DavidFörster, Basel 1598. Ein kurzer Auszug inVersen, enthaltend einige Hauptszenen derSage, nach Konr. v.Würzb., steht in der Basler
Hs. derRepgauischen Chronik (Hs. des BaslerAlexander, s. Bd. II, 1 S. 236), hgb. von Ber-NOULLi,Germ.28,30—38 f. (s.Strauch, EnikelS. 255, Greif S. 122—25). — Kurze chronikal.Notizen in Rudolfs v.Ems Weltchronik 20249—307. 20361-76. 26636—45. 26705, s. Reg.S.541 0 (Ausg. von Ehrismann); Rud. hat, wieer selbst berichtet (26714—16), das Buch vonTroie (aus dem Lat.) ins Deutsche übertragen.Ein längerer Auszug in Enikels Weltchronik13495-16917, s. Strauchs Ausg. S. 255 ff.,Greif S. 122. Ein selbständiges Machwerk mitErinnerungen an Konr. v. Würzb. und Daresunter starken Entstellungen der Sage ist dervom Verfasser selbst dem Wolfram v. Eschen-bach zugeschriebene Trojanerkrieg einer Gött-weiher Hs., ca. 30000 Verse, 14. od. 15. Jh.,noch ungedruckt, s. Dunger S.70—74, GreifS. 125—29; Strauch, Enikel S.255.