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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 16. Herbort von Fritzlar: Das Lied von Troja

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Die mittelalterl. Quellen der Sage vom trojanischen Krieg. 1 Homer war imMittelalter, das die griechische Sprache nicht kannte, verschollen. Was man gewöhnlich unterHomer verstand, war ein dürftiger lateinischer Auszug von ca. 1100 Hexametern, die Epi-tome Iliadis Homericae, die den Namen desPindarus Thebanus* trug, aus dem 1. Jh. nachChristus. 2 Die Hauptquellen der mittelalterl. Trojanersage waren Dares Phrygius 3 undDictys Cretensis. Die Historia Daretis Phrygii de excidioTrojae, 4 vom UntergangTrojas, genoß das größte Ansehen, weil Dares, Trojaner von Geburt, den Krieg selbst mit erlebthaben will. 6 Ein griechischer Text ist uns nicht erhalten, hat aber wahrscheinlich existiert. 6In einem der lateinischen Historia vorausgesandten Brief (vgl. auch Kap. 12 und 44) anSallustius Crispus behauptet Cornelius Nepos, der Übersetzer gewesen zu sein (vgl. Herb. 57)und Dares sei glaubwürdiger als Homer, weil dieser erst viele Jahre nach dem Kriege ge-boren sei. Die Historia des Dares wird zum erstenmal bei Isidor (f 636) erwähnt (Is. Ety-mol. 1,41, 1). Es ist ein regestenartiger Bericht über Fahrten, Kämpfe, Verhandlungen. Erbeginnt mit dem Argonautenzug und der ersten Eroberung Trojas durch Herkules, entrolltdann den Krieg in einer trockenen Aufzählung von Schlachten und Waffenstillständen undschließt mit der Abfahrt der Griechen und des Aeneas. Politisch steht dieser kurzgefaßteGeschichtsabriß des Dares, der ja selbst Trojaner gewesen sein soll, auf Seiten Trojas.'

Die andere Hauptquelle, das Buch des Dictys Cretensis .Ephemeris belli Troiani', 8Tagebuch des trojanischen Krieges, ist eine Übersetzung aus dem Griechischen. 9 Dictys seiein Kreter gewesen, der den Krieg als Waffengefährte des Idomeneus mitgemacht und nach seinerHeimkehr beschrieben habe. So berichtet 10 die lateinische Übersetzung, als deren Verfasser

Dichters mit der vrou Minne Iw. 2971 ff. den-ken. Es scheint also, daß bei diesem Mono-log der Medea Herb, von Gotfr. beeinflußtwurde, daß aber Erinnerung an Hartm. mitunterlief. Aehnlichkeiten zwischen Herb,u. Iw. s. noch Herb. 768796 (= Benoit12353 ff.) Iw. 425-64 (möre Herb. 7694u. Iw. 427), oder Herb. 9334-38 (= Ben.14790ff.)u.Iw.604 -11. Herb.u.M.v.Craon:Schröder, Rittermaren' S.XIff.

Frommann S. XV-XXVII; Th. Grässe,Die großen Sagenkreise d. MA.s, S. 11131;Herm. Dunger, Die Sage vom trojan. Kriege,Dresden 1869, dazu Bartsch, Germ. 17,107 f.;Gust. Körting, Dictys u. Dares, Halle 1874;Decker, Aeneide Virgils .. ., Progr. Treptowa. d. Rega 1884, S.4ff.; Wilh. Greif, Die miitel-alterl. Bearbeitungen der Trojanersage, Ausg.u. Abhandl. aus d. Gebiete d. roman. Philol.LXI, Marburg 1886; Constans' Ausg. d. BenoitVI, 192234. 31845; weitere Lit. s. beiPiper aaO., Stengel, Gröbers Grundr. 2, 1,407 f.; Handbuch d. klass. Altertumswissensch.:zu Dares: Gesch. d. griech. Lit. II.Teil 2. Hälfte,5. Aufl. S. 644 f., zu Dictys: Gesch. d. röm. Lit.IVTeill.Hälfte, 2. Aufl. S. 85-90.-E. Grif-fin, Dares and Diel., Baltimore 1907; O.Schissel v. Fleschenberg , Daresstudien,Halle 1908; Windisch, Abhandl. d.sächs. Ge-sellsch. d. Wissensch. Bd. 29 (1913), Nr. 6

. 130 f.

2 Lachmann, Berl. Monatsber. 1841, Jan.;Haupt, ebda 1854, März. Homer, Omerus, warnur chronikalisch bekannt. Nach Ben. 75 ff.(s. auch Constans VI, 262 f.) war Omer einkenntnisreicher Gelehrter, dessen Bericht aberkein Vertrauen genieße, da er die Dinge nicht

Deutsche Literaturgeschichte III 7

mit eigenen Augen gesehen habe, indem erhundert Jahre nach dem Kriege gelebt habe.Rud. v.Ems, Weltchron. 26732-35: Dar zuolepte Omerus, Der vil buoche tihte Und mcerevil berihte. Fabulistische Quellenangabebetr. Dictys u. Dares: Fr. Wilhelm, Beitr. 33,294 ff.

3 Der Name Dares stammt aus Ilias 5, 9 ff.(trojan. Priester), in Virgils Aeneis 5, 369 ff.ein trojan. Krieger.

4 ed. Ferd. Meister, Leipz. 1873.

6 Kap. 44 des Dares nennt Pseudo-Corneliusdie tägl. Ereignisse u. ihre Beschreibung durchDares .Acta diurna', .Tagebücher', darausmacht Ben. 10509: Dares habe des Nachtsniedergeschrieben, was er unter Tags gesehen.

6 Vielleicht bestand auch ein umfangreichererlat. Dares, der aber in der stilistischen Dar-stellung sich von dem erhaltenen wohl kaumunterschied; vgl. Handb. d. klass. Altertums-wissensch. aaO. unter Dares; Constans VI,224-34.

7 Vgl. Manitius S. 65. Darum war Dares imMA. besonders beliebt, weil viele Völker u.Geschlechter, z. B. die Römer u. die Franken,ihre Abstammung von Troja ableiteten.

8 ed. Dederich, Bonn 1833; Meister, Leip-zig 1873. Die älteste deutsche Uebersetzungdes Dares u. Diclys ist die des Marcus Tatius1536.

9 Vgl. Max Ihm, Der griech. u. lat. Dictys,Hermes 44 (1909), 1 ff. Der griech. Dictysist vielleicht zur Zeit Neros geschrieben. Er-halten sind Fragmente eines Papyrus des3. Jh.s n. Chr. (veröffentl. 1907).

10 In d. vorangeschickten Brief desSeptimiusan Q. Aradius u. im Prolog.