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Die erzählende Dichtung
Schicksalen, wie denn auch die Heidelberger Hs. Trojanerkrieg und Eneidevereinigt. Durch die persönlichen Angaben H.s ist die Heimat des Gedichtesbestimmt: Hessen, 1 und die Abfassungszeit: nach Gotfrids Tristan und vordem Tod des Landgrafen, also ca. 1210—1217.
Der Prolog 2 und die für Herb.s Stellung zu seiner Vorlage grundsätz-lichen Bemerkungen 14150—66 ergeben noch einiges Nähere über seinePersönlichkeit. Im Prolog zeichnet er sich selbst, er ist ein junger(e), Jünger,Schüler, der nur das lehren kann, was er selbst erst lernt 27—46. Dazustimmt 14150 ff. Ich hän noch jüngeres namen; er ist folger, Nachfolger,Nachahmer (vgl. ich folge 68, min rechte geleite, Führer, 69, gemeint istBenoit, der Dichter des franz. Originals). Jedenfalls war Herb, noch einjüngerer Mann, als er das Werk verfaßte, er hatte gelehrte Kenntnisse, ver-stand Französisch und Latein (die richtige Flexion der lateinischen Wörterin seinem Gedichte gibt hiervon Zeugnis); und es wäre ihm überhaupt einklassischer Stoff nicht zu bearbeiten aufgetragen worden, wenn er nicht diegelehrte Bildung seiner Zeit genossen hätte. Er hat eine Klosterschuledurchgemacht und wird sein Französisch beim Besuch der Hohen Schule inParis 3 gelernt haben. Er war also seinem Stand oder Beruf nach ein ge-larter schuolere, ein Scolaris, der die sieben Künste 4 studiert hatte; zugleichaber war er Schüler auch im Sinn von Kunstjünger, Anfänger in der Kunst,Nachahmer, nicht „Meister". 5
Von der lateinischen Literatur waren ihm nachweislich bekannt Ovid(Metam., Ars amandi, Heroiden), Virgils Aeneis, wahrscheinlich des StatiusAchilleis; von der deutschen: Veldekes Eneide, 6 die er selbst gelegentlichder Fahrt des Aeneas zitiert 17379—85; auch Hartmanns Armer Heinrichund Iwein und Gotfrids Tristan. 7
1 Dialekt: W. Grimm, Kl. Sehr. 3, 2191;Brachmann aaO.; Graf, Eraclius S. 26—31;V. Bahder, Germ. 30,391 f.; Vogt, GgA. 1912,249f.; Schröder, Münch. SB. 1924, 3. Abh.S. 4 ff. u. ZfdA.63, 175 f.; s. auch Weigand,ebda 7, 443.
2 Joseph, ZfdA. 30,395—99; Baesecke, ebda50, 366ff.; Schröder 1909, 74 f.
3 Vgl. 10669 ff. u. Schröder 1909, 76.
4 Vgl. 7660-76. 10674.
5 Vgl. Schwietering, Demutsformel S. 53 f.Vier meister wol gelart 9270. — Das Berich-ten nach seiner Quelle, wie er es in dem.Buche', dem franz. Meister, gelesen hat, .istihm ein .Belehren': wie mich Dares An sinembuoche hat gelart 2902 f., vgl. 2912. 13759;Daz ich iueh leren, Wer die zu Troyge weren3975 f.; Unz her hän ich iueh gelart, WieTroyge zefuort wart 1639 f.; Als ich ez ge-lart bin (so wie ich in dem,Buche'gelesenhabe) 1842; Als ir vor slt gelart 7882; Dazlere ich als ich gelernet hän 3122; vgl. 3531.7665. 9313. 12344. 13809. 17382 u. ö.
e Behaghel, En. S. CCVI—CCVIII; Bae-secke S.378; Schröder 1918 S.85.
7 Herb. u. Gotfr. s. Vogt, LG. S. 188—91.360Anm.— Herb.s Beeinflussung durch Gotfr.sTristan beweisen bes.die diesem nachgeahmtenStilformen (s. Vogt). — Nun trifft Herb, aneinigen Stellen mit Hartm. u. Gotfr. zusammen:Charakterschild, des Jason 128—68 = der desArm. Heinr. 47—74 (s. auch Herb. 165 f. u.A. H. 295 f.) = Gotfr.s Riwalin 243 ff. (das Vor-bild für diesen auch von andern Dichtern be-nutzten Fürstenspiegel gab Veldeke, s. Be-haghel, En. S. CCXIV). Herb, scheint hier un-mittelbarer Hartm. zu folgen als Gotfr. — DiePersonenverwandlung der Medea bei Herb.855-71 u. Iw. 2971—3028, bei Gotfr. 18339—62.18495—557: hier stimmt Herb, im Sinnu. in wörtlichen Ausdrücken eher zu Gotfr. alszu Hartm. — Herb. 883—85: der Gedanke, daße. Eigenschaft der Frau vom ersten Weib^ an-geboren ist, steht bei Gotfr. 17935 ff. {Evenkint 17938.65; ich wene iz mich an ist gebornH<zxb.,weiz got der ist in angebornGotir.). —Das Paradoxon bin ich Jason, so bin ich e.man Herb. 869 entspricht Iw. 3002 f., Gotfr.17978 ff. — Die Wendung an frouwe VSnus874 ff. ließe wieder an die Unterhaltung des