Druckschrift 
Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
Entstehung
Seite
95
Einzelbild herunterladen
 

§ 16. Herbort von Fritzlar: Das Lied von Troja 95

wandte, wirkte in Mitteldeutschland, in Thüringen und Hessen, das VorbildVeldekes und auch das persönliche Interesse des Landgrafen Hermann zurweiteren Pflege der antiken Fabeln. Es lassen sich deshalb eine Anzahlmitteldeutscher Dichter aus den ersten beiden Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts,die zeitlich erst nach den drei großen Epikern fallen, an Veldeke anreihen,womit auch den äußern Gründen einer übersichtlichen Einteilung Rechnunggetragen ist.

In unmittelbar literarisch-historischem Zusammenhang mit Veldekes Aeneas-roman steht Herborts v. Fritzlar trojanischer Krieg, und klassischer Umweltist auch Albrechts v. Halberstadt Metamorphosenverdeutschung entnommen.In Athen und Rom spielt die Erzählung von Athis und Prophilias, im spät-griechisch-byzantinischen Reich Ottes Eraclius. Außerhalb dieser klassischenund klassizistischen Vorstellungswelt steht Morant und Galie aus dem Sagen-kreis Karls d. Großen, ein Ausläufer rheinischer Kunst, und die höfische Novellevon Moritz v. Craon.

§ 16. Herbort von Fritzlar: Das Lied von Troja (der trojanische Krieg)

Li:.: Piper, Höf. Ep. 1, 28291 (bis 1892). Ausg.: G. K. Frommann, Herborts v. Frits-lär liet von Troye, Bibl. d. ges. dt. Nat.-Lit. Bd.V, 1837. Bartsch, ADB. 8, 117f.;Wilh. Reuss, Die dichterische Persönlichkeit H.s v. Fr., Gieß. Diss. 1896; Walth. Brach-mann, Zum Reimgebrauch H.s v. Fr., Leipz. Diss. 1907; Schröder, Zur Überlieferung desH. v. Fr., Gott. Nachr. 1909, 92102; Ders., Beitr. z. Textkritik H.s v. Fr., ebda 1918,7299; Baesecke, H. v. Fr., Albr. v. Halberst. u. H. v. Veldeke, ZfdA. 50, 36682, dazuauch ZfdPh. 42, 45361.

Hss.: 1 H, 2 Heidelberg, Cod. pal. germ. 368, Perg. 14. Jh. Der Schreiber nennt in einerNachschrift am Schluß von Herb.s Lied das Abfassungsjahr der Hs. 1333 und den Ver-anlasser, den Deutschordensritter Wilh. v. Kirweiler (im Elsaß) in Würzburg. Der Text warin 21 Distinktionen eingeteilt. 3 In der Hs. folgt Veldekes Eneide (Hs. H). B, 4 Berlin,Brachst., 2 Bl. 537 V., um 1300, aus Frankfurt a. M.; Dial. hessisch od. wetterauisch. S, 5Skokloster (Schweden) Brachst., 2 Doppelbl. 734 V., um 1300; Dial. südwestl. Rheinfrk.

Von dem Leben des Dichters 6 haben wir nur die spärlichen Nach-richten, die er selbst in seinem Werke über sich gibt, nie wird er bei Zeit-genossen oder von der Nachwelt erwähnt. Sein Gedicht hatte, wie die ge-ringe Zahl der Hss. schließen läßt, keine weite Verbreitung, es war wohlauf das mittlere Mitteldeutschland beschränkt. Die biographischen Stellensind der Epilog 18450 f. Ez tickte von Fritslär Herbort, Ein gelarterschmiere; und der Prolog 9298: der Landgraf Hermann v. Thüringenhat ihn zu dem Werke veranlaßt, die französische Vorlage (daz buoch)hat der Graf v. Leiningen 7 dem Landgrafen gesandt. Die Zerstörung Trojasist in der historischen Anschauung des MA.s die Vorgeschichte 8 zu Aeneas'

1 Schröder 1909 aaO.

2 Frommann S.XXVII-XXX; Bartsch, Kat.Nr. 195.

3 Bartsch aaO.; Schröder S.9497;Dia-lekt: Zwierzina, Festg. f. Luick 1925, 123 ff.

* Strauch, ZfdA. 21,20306.0 Psilander, Uppsala Univers. Arsskr. 1917,Progr. 2; Schröder 1918 aaO.

0 Frommann S. XIIIXV; Schröder, Ritter-msren 1 S. VI XIV.

'Leiningen: Schröder, Rittermeeren 1S. XIII f.

8 Schröder 1909, 93 f. Auch Dares u.Dictys deuten am Schluß die Fahrten desAeneas an.