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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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89
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§ 15. Heinrich von Veldeke 89

1275975. 13133252. Aus gelehrtem Interesse hat er der Geschichte desEneas einen chronikalischen Abschluß gegeben 13332 412. Zuweilen be-stehen derartige Zusätze auch nur in kleinen, leicht übermalenden oder näherbestimmenden Zügen, die immerhin das Bild leise beleben können. Hierhergehören auch Andeutungen der Stimmung und des Gemütslebens der be-treffenden Personen, oder Motive aus der Natur, bes. bei Angabe der Tages-zeiten. 1

Den beschreibenden Stil Veldekes gegenüber dem dramatischen des franz.Romans kann die Jagdvorbereitung klarmachen. Frz. 144579, Veld. 16781741: im franz. Roman ist die Rüstung zur Jagd ein lebensvolles Schau-spiel, man sieht und hört das Aufmarschieren, den Lärm der Jäger undHunde, die zusammenströmende Jagdgesellschaft ist in regster Bewegung145765; Veldeke bringt statt dessen nur einen Bericht, daß Dido denAuftrag zur Jagd gibt 167886 (mit den unbeholfenen Versen 1679. 80und dem Flickvers kalt auf walt 1682). Bezeichnend für die schwerfälligeSchilderungsart Veldekes ist seine Beschreibung von Didos Kleidung, wodie einzelnen Stücke gewissenhaft der Reihe nach aufgezählt werden, immermit gleichförmigemwar":ihr Hemd war fein..., daran war" usw. Imfranz. Roman ist die Darstellung der Gewandung in Handlung aufgelöst,Dido legt sich selbst die einzelnen Stücke an, ganz nach echt epischerDarstellungsweise. Dort auch ist das Interesse mehr auf dieMenschen gerichtet:göttergleich sind die beiden Gestalten, Dido erscheint dem Eneas wie Diana,,die schöne Jägerin, er in seiner Jagdrüstung gleicht dem Phöbus. Und dagegenVeldeke: ihm ist die Hauptsache der Glanz des Reitkleides der Dido 175055 rihr Jagdhund 176675, das Leitseil 177687; erst dann kommt matt hinten-nach in je zwei Zeilen der Vergleich mit Diana und Phöbus, wobei derLeser belehrt wird, daß jene die Göttin des Waldes, dieser ein sehr erhabenerGott ist.

3. Tiefer im Bewußtsein begründet als die sprachlichen Ausdrucksmittel (1)und die formale Anschauung des Lebens (2) ist das Bildungsideal unddie ethische Auffassung vom Menschen. Beide Dichter vertreten die gleicheKultur, die höfische Welt des Rittertums mit den Lebensgebieten der Tapfer-keit und der Minne; Eneas ist nicht nur ein Kampfesheld, sondern auchein Liebesknecht. Der Eneasroman hat dazu noch die ausgesprochene Ten-denz, das Wesen der Minne zu ergründen und darzustellen. Die Liebesredenund Liebesklagen in der Laviniaepisode sind poetische Einkleidungen einerMinnetheorie, sie bilden eine Minnelehre. 2 All das hat Veldeke aus seiner 1franz. Quelle übernommen, aber er hat auch hier idealisiert. Er hat diegesellschaftlichen Lebensformen verfeinert, er ist höfischer und aristokra-tischer, er beobachtet peinlich die Sitte, diese aber ist beherrscht und ge-

1 Gog. di Leesthal S. 114 ff.; RoettekenS. 133 ff. (Natur), S. 161 ff. (inneres Leben);Ganzenmüller, Naturgefühl, Reg. S. 301.

2 MinnebeiVeld.:R0ETTEKENS.182ff.;G0G.

diLeesth. S.5666; Weise, Sentenz bei H.v.Aue; Schwietering, Festschr. f. EhrismannS. 40 ff.