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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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Die erzählende Dichtung

sein Kinnbein nach Goslar kommen und ein schielendes Haupt des Heil, aus Gold an-fertigen 2001232; Mirakel: die zwei blutigen Weiber, zwei Jenseitsvisionen 2233915. Epilog 291670.

Quelle. 1 Die Legende hat einen historischen Kern. Im 4. Jh. erscheintder Bischof Servatio v. Tongern als Athanasianer auf der Synode zu Rimini(359, bei Sulpicius Severus Hist. sacra). Die älteste und einfachste Form derLegende bietet Gregory. Tours (f 594) in seiner fränkischen Geschichte II, 5 vondem Bischof Aravatius von Tongern: seine Romfahrt wegen des Hunneneinfalls,sein Abschied von Tongern, sein Tod auf dem Wege nach Maastricht; imLiber de gloria confessorum Kap. 71 (72) erzählt Gregor die Translatio desHeiligen. Eine wichtige Stufe in der Legendenliteratur des heil. Serv. bildetdie Geschichte des Lütticher Bistums von Heriger v. Lobbes (um 980), hierist auch von der Verwandtschaft des Serv. mit der heil. Familie die Rede.Spätere Legenden, besonders die des Jocundus (um 1090?) statteten dieGeschichte des gefeierten Kirchenfürsten mit immer neuen Taten undWundern aus.

Charakteristisch für die Servatiuslegende und somit auch für Veldekes Gedichtist der starke historische Gehalt. Die Person des Heiligen steht in engemZusammenhang mit den Zeitereignissen, ja seine Schicksale, sowohl währendseines Lebens als nach seinem Tode, vom Hunneneinfall und der Romfahrtbis auf die Stiftung des Goslarer Doms durch Heinrich III., sind Ausstrah-lungen historischer Ereignisse. Dabei ist der I. Teil ein Stück lothringischerKirchengeschichte, der II. Teil enthält die Beziehungen der Kaiser zu demMaastrichter Bischof; und die ganze politische Richtung ist ein Ausdruckder kaiserfreundlichen Haltung des lothringischen Klerus, insbesondere auchder Diözese Lüttich, zu der Maastricht gehörte. Mit der Entwicklung desHeiligenkultus wuchs auch die lokaltendenziöse Färbung der Legenden-literatur: die Geistlichen suchten den Einfluß und die Hilfskraft ihresPatrons möglichst zu steigern, wenige aber haben ihren Helden so überalles Maß erhoben wie das Maastrichter Domkapitel und seine Anhängerihren Lokalheiligen,den großen Herrn von Maastricht" (II, 2968, s. auchII, 2825). Das den Stoff bildende und ordnende Prinzip ist, ihn mit denhöchsten Ehren auszustatten (ere, verb. eren auf S. bezogen häufig im II. Teil,z.B. 318. 349. 352. 597. 599. 633. 839. 949. 1140. 1208. 1257. 1284. 2051.2098. 2105. 2118. 2231. 2510. 2590. 2816. 2822. 2830. 2853): er ist vomedelsten, von S. Marien Geschlechte, wird zum Vetter des Herrn gemacht,wie ein Apostel wird er von Gott zur Verbreitung des Christentums aus-gesandt und nächst den Aposteln ist er in Lothringen gefeiert (II, 2814 f.);er erhält die Schlüsselgewalt wie der Apostelfürst, er greift in die Welt-geschichte ein durch seine Hunnenmission und ist der führende Geist unter

1 Früher (Greifeld) hielt man Jocundus fürdie Quelle von Veldekes Serv. u. dem obd.Gedicht. Hingegen hat Veldeke eine ältere, inzwei verschiedenen Fassungen umgehende

Prosalegende benutzt, vgl. Wilhelm, Einl.S. III LXX1X u. Münch. Mus. aaO.; Kem-PENEERSaaO.; Levison, N.Arch.37u.41 aaO.