§ 15. Heinrich von Veldeke 83
fränkische Literatursprache, wie sie in den rheinischen Dichtungen vor ihmausgebildet war (s. ob. Eilh.). Er steht also damit in einem gegebenen Lite-ratur- und Kulturzusammenhang und diese rheinisch-mitteldeutsche Spracheerleichterte zugleich die Verbreitung seiner Eneide in Mitteldeutschland über-haupt und auch in Oberdeutschland, zumal er sich auch von ausgesprochenmittelfränkischen Sonderheiten freigehalten hat.
S. Servatius 1
Veldekes frühestes Werk ist die gereimte Legende von Servatius, demHeiligen von Maastricht. 2
Hss.: Bormans' Hs. (in Privatbesitz), Pap. 15. Jh.; Bruchstücke: München, W. Meyer, ZfdA.27,146—57 (= II, 2064—117), Leipzig (sehr verstümmelt), Berth. Schulze, ZfdA. 34, 218—223(= I, 453—657); beide Brachst., Perg. 12. Jh., gehörten wahrsch. zu ein und derselben Hs.;Schärpe, Leuvensche Bijdr. 3 (1899), 5—22; Kempeneers, Beil. II. Die erhaltenen Hss. gebenden ursprüngl. Text nicht genau wieder.
Inhalt. Im Prolog 1—153 wird nach der Anrufung der drei göttlichen Personen 1—135eine Rede über den Text .Wachet und betet' vorgetragen.
Die Legende zerfällt in 2 Bücher: Erstes Buch, Geschichte des Heiligen während seinesLebens 154—3224. a) Seine Jugend 154—431. Er ist ein Nachvetter Jesu, Brudersohn derheil. Elisabeth; er wird Priester in Jerusalem, ein Engel führt ihn auf Befehl des Heilandsnach Gallien, um dort das Christentum zu verkündigen, b) Serv. Bischof v. Tongern 432—950.Das Pfingstwunder. c) Serv. Mönch in Maastricht 951—1410, Gott verkündigt ihm denkommenden Einbruch der Hunnen, er wird von den Bischöfen als Abgesandter nach Romgeschickt, d) Reise nach Rom 1411—1796, Reisemirakel, Vision in der Peterskirche, Petrus gibtihm einen silbernen Schlüssel mit der Gewalt zu binden und zu lösen, e) Rückkehr vonRom 1797—3224, S. fällt in die Hände der Hunnen, das himmlische Licht im Kerker; dasWindadler-Wunder; 3 er bekehrt Attila, der aber wieder abfällt; Rückfahrt über die rheinischenStädte nach Maastricht; sein baldiges Ende (13. Mai). — Epilog 3225—54.Zweites Buch, Geschichte des Heiligen nach seinem Tode (TranslatioundMiracula 1—2915). 4
a) Einleitung 1—552. Einfall der Hunnen, Geschichte vom Ende des Bistums Tongern; Wun-der an seinem Feiertag, b) Schicksale des Leichnams des Heil, und einzelner Teile 553—2915.Karl d. Gr. läßt seine Gebeine erheben 553—1006; Ludwig d. Fromme, die einfallendenDänen 1007—1122; Heinrich I. nimmt Serv. zum Patron, Stiftung von Quedlinburg 1123—67; Ottol., die Gebeine des Heil, werden nach Quedlinburg gebracht, aber von denMaastrichtern entführt 1168—1544; Otto IL, stiftet Bistümer 1545—52; das Reich der Ver-Verwirrung; Schädigung des Kirchengutes 5 1553-2000; der gute Kaiser Heinrich (III.) läßt
1 Lit. zum Servatius. Ausg.: J.H. Bormans,Maestricht 1858; Piper aaO. S. 79—241. —Bartsch, Germ. 5, 406—31; O. Greifeld,Serv., e. obd. Legende d. 12. Jh.s, Diss. Berl.1887 (der obd. Serv.); Fr. Wilhelm, S. Serv.oder Wie das erste Reis in deutscher Zungegeimpft wurde, München 1910, dazu Beha-ghel, Lbl. 1911, 137—42; Bernt, Anz. 35,25—33, Levison, Westd. Zs. 30 (1911), 510—17, Ders., N. Arch. 37, 331. 41, 333 f., Cbl. 62,1153; Marie Koenen, Hendrik van Veldeke'sSint Servatius legende, Bussuml912; A. Kem-peneers, H. v. V. en de bron van zijn Serv.,Antwerpen 1913, dazu G.van Poppel, GRM.1915, 277—79, Schröder, Anz. 38, 107—09,Wilhelm, Münch. Mus. 4, 124 ff.
2 Der Dichter d. Serv. nicht eine Person mitdem der Eneide: Konr. Hofmann, Weinhold,
Jonckbloet, s. Behaghel S.CLXVff., späterauch R. M. Meyer aaO.; zweifelhaft Schwie-teringS.63; Ders.: Serv. später als En.
3 Serv. entschläft an e. heißen Tage bei derLandstraße, Gott sendet e. Adler, der ihm mitden Flügeln Kühlung zuweht, vgl. Grimm,Mythol.*527;SCHÖNBACH,Festschriftfür Franzv.Krones.Graz 1895, S.67—77; Wilhelm S.52Anm.a (alte Sage); Vogt, MF. 3 S.341 f.; DieS. Serv.platten im Mus. f. Kunst u. Gewerbein Hamburg, Führer durch d. Hamburger Mu-seum, Hamburg 1893.
4 Die Reliquien des Heiligen haben sichdurch die Jahrhunderte erhalten; üb. denSchlüssel s. Wilhelm, Reg. S. 315 u. Tafel II.
5 Serv. II, 1651 Golse, s. Wilhelm S. 94,20 u. Anm.