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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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§ 15. Heinrich von Veldeke 81

1, 324045, der damals die costerte verwaltete II, 293840. Hessel wardemnach Custos des Servatius-Münsters in Maastricht, bekleidete also einegeistliche Würde daher der Titel her, dem die Sorge um das Gottes-haus, das wertvolle Inventar, die Reliquien, Paramente, Gefäße, Schatz-kammer (treskamer II, 1847) oblag; ein Beispiel für die Befugnisse desKüsters" ist das Wunder des gestohlenen Palliums II, 1840 ff., vgl. II,1319. 2096.

Aus seiner engeren Umgebung ging Veldekes Dichtung hervor, denn derBischof Servatius, sein Schutzpatron, war der Stadtheilige von Maastricht.Er betrachtete sich politisch als Lothringer, Lothringen aber war ein Herzog-tum des Deutschen Reiches und gehörte auch als Kirchenprovinz (Ober-und Niederlothringen) zu Deutschland; die nächsten Beziehungen bestandenzu den Rheinlanden. 1 So ging auch sein eigener literarischer Lebenslauf:von seiner limburgischen Heimat führt dieser an den Rhein, nach Cleve,dann an den Thüringer Hof. Lothringen bildete die natürliche Verbindungzwischen Deutschland und Frankreich, damit war Veldeke geborener literari-scher Vermittler zwischen westlicher und östlicher Kultur. Er erfuhr un-mittelbar den Einfluß französischer Bildung, während Eilhart v. Oberg dieserEinwirkung nicht selbst unterstand. 2

Zur zeitlichen Bestimmung von Veldekes Schaffen bietet die Eneideeinigermaßen sichere Anhaltspunkte. Der feste Einsatz für die Chronologieliegt in der Stelle von dem Hoffest in Mainz, En. 1322152, das anPfingsten 1184 stattfand. Der Epilog der Eneide 13429528 gibt weitereAufschlüsse. Der größte Teil des Gedichtes, etwa zwei Drittel, bis dahinwo Eneas den Brief der Lavinia empfängt (10933), war fertiggestellt, dasManuskript lieh der Dichter seiner Gönnerin, der Gräfin v. Cleve, aberdurch die Unachtsamkeit einer ihrer Hofdamen wurde es entwendet, undzwar durch den Grafen Heinrich, der es in seine Heimat nach Thüringensandte. Erst nach neun Jahren, als Veldeke nach Thüringen kam, wurdees ihm vom Pfalzgrafen Hermann von der Naumburg, des LandgrafenLudwig Bruder, zur Vollendung wieder zurückgegeben. Ihm und dem GrafenFriedrich huldigt er als seinen Gönnern. In diesen Schicksalen des Ge-

1 Als feinste Ritterschaft galt die ze Hene-gouwe, ze Bräbant und ze Haspengouwe,Kurt Wagner, Tristrant I, 22*; K. Vossler,Frankreichs Kultur im Spiegel seiner Sprach-entwicklung, 1913, S. 11 ff.

Das Verhältnis Lothringens zu Deutsch-land und Frankreich und damit die nationaleStellung Veldekes ist deutlich ausgesprochenim Servatius. Er unterscheidet Gallia, d. i. dasaltrömische Gallien, I, 438 f. 1113 ff. 1529.1597. II, 221; Vrankrike = das karolingischeFrankenreich, 1, 2154.2355.11,612.619.1056 ff.(Frankreich u. Lothringen bis an den Rhein)1084.1101; Karlingen II, 1115; Lothringen(worin Tongern, Maastricht) I, 3207.11,1011 ff.(zwischen Maas u. Rhein) 1112 ff. (zwischen

Deutsche Literaturgeschichte III 6

Rhein u. S6ne).2814; Lothringen als Lehen fürHerzog Heinrich v. Sachsen (von der Maas bisan den Rhein) II, 1076 ff.; Herzog GiselbrechtV.Lothringen 1758 ff.; Lothringen als Teil desalten römischen Galliens betrachtet I, 438 f.;von Frankreich unterschieden II, 1056 ff.; vonKarlingen unterschieden, als Lehen von derrömischen Krone II, 1113 ff., vgl. 1101 f.;Deutsche u.Franzosen unterschieden: dietsce,walsce I, 675, beide Dütsken ende Walen I,1113 f., in diedsken, in walsken ende invriessken (also friesisch von niederd. bzw.niederländ. unterschieden) I, 681 f. Vgl. KalffS. 32 f. 48; Wilhelm, Gesch. d. Schrifttumsin Deutschi. S. 29. 31 ff.