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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 1 (1927)
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Die erzählende Dichtung

finden. So preist ihn auch Wolfram als den wlsen man Parz. 404, 29, als seinen Meister" Willeh. 76,24, und Parz. 292,18 ff. zitiert er ihn als Sachverstän-digen in Minneangelegenheiten. Außer diesen unmittelbaren Huldigungen zeigteine Reihe von inhaltlichen Anspielungen in den Werken Gotfrids und Wolf-rams ihr starkes Interesse für den anerkannten Meister. Auch Hartmann v. Auehat Veldeke gekannt (die Charakterisierung des Ritters im Arm. Heinrich 60 ff.ist beeinflußt von En. 12614 ff.), aber er widmet ihm nicht unmittelbar preisendeWorte. Als den Begründer der guten poetischen Darstellung rühmt ihn Rudolfv. Ems in seinem Alexander in dem Gotfrid nachgeahmten Dichterkatalog:Von Veldeke derwise man, der rehte rime alrerst began (rlm =Vers, Versbau). 1

Der Dichter 2 gehörte dem urkundlich seit 1195, dann öfter im 13. Jh.belegten ritterlichen Geschlechte von Veldeke an, das im Ministerialenver-hältnis zu den Grafen von Loen (Looz) stand. Heutzutage ist nur nocheine Mühle des Namens vorhanden (Velker Molen), in der Nähe des DorfesSpalbeke in der belgischen Provinz Limburg, etwa vier Meilen westlich vonMaastricht. Die ritterliche Abstammung des Dichters ist auch bezeugt durchdie Titulierung her, die Wolfram dem Dichter gibt Parz. 292, 18. Er besaßgelehrte, geistliche Bildung sein Servatius spricht dafür und der Titelmeistert den er sich En. 13465 beilegt und verstand Latein und Franzö-sisch; er hat Ovid gelesen und auch Virgils Aeneis selbst, 4 nicht nur diefranzösische Übertragung. In der älteren deutschen Literatur war er be-wandert, wie Entlehnungen und Anklänge in seiner Eneide zeigen: er kanntedas Rolandslied, vielleicht auch die Kaiserchronik, besonders aber zeugenviele Parallelstellen von seiner Vertrautheit mit dem Straßburger Alexander. 5

Die ältesten dichterischen Beziehungen Veldekes weisen auf das Geschlechtseiner Lehensherren, denn sein erstes (uns erhaltenes) Werk, die Legendevom Heiligen Servatius, verfaßte er auf Veranlassung der Gräfin Agnesv. Loen. Die beiden Epiloge, zu B. I und B. II, enthalten biographische An-gaben: Heinrik, die vanVeldeken was geboren, hat das Werk in Deutschgedichtet II, 2916 f. 2934 f. 2941.2952, 1,3228, Sent Serväs war sein Patron1, 3233. II, 291820. Veranlaßt haben ihn die Gräfin v. Loen, dl edel Agnes,seine liebe Herrin I 323639 II, 2922 f., und Herr Hessel, der costenäre

1 Die Ausnahmestellung Veldekes wird neuer-dings eingeschränkt durch van Dam, Vor-gesch. d. höf. Epos, 1923, u. DE Boor, Früh-mhd.Studien 1926, die Veldekes Beeinflussungdurch den Straßbger Alexander stärker ein-schätzen und diesen für die Vorstuf e von seinerKunst erklären.

2 Biographisches: Behaghel S. CLVIIICLXXIV; Pfeiffer, Germ.5,17ff.; Bartsch,ebda S.410 ff.; Braune, ZfdPh. 4, 249 ff.;Piper, S.57f.; Schröder, ZfdA.33, 25153.42, 78 ff., der Epilog der En. ebda 47, 291301; Kempeneers pass.; Vogt, MF 3 S.335;üb. die Gräfin v. Looz: Wilhelm, ServatiusS. XXXII Anm. u. XLIV. LIII ff. LXXVIIIf.;

Kurt Wagner, Eilh. v. Ob., I, 15* ff.; Schrö-der, Münch. SB. 1924, 3. Abh. S. 14 f. Vel-dekes Bild: F. X. Kraus, Die Miniaturen d.Maness. Liederhs., 1887, u. Vogt aaO.5 Ueb. Veldeke als Meister s. SchwieteringS. 6270; Schröder, Gott. Nachr. 1909, 75.

4 Dido u. Aeneas: Bartsch, Albr. v. Halberst.S XXI ff

5 Behaghel S. CLXXIV ff.; Wilmanns, ZfdA.27, 29498; Schröder, Kaiserchr. S. 75.Veldeke u. Graf Rudolf: Bethmann, Gr. Rud.S. 168 f.; van Dam, Vorgesch. d. höf. EposS. 72 ff. 129 ff. (Eneide u. Annol., Rolandsl.,Kaiserchr., Gr. Rud., H. v. Melk, Alex.lied).