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Die erzählende Dichtung
Dienerin (Brangäne); Kämpfe (Zweikampf, Drachenkampf, Schlachten, Be-lagerungen), Kampfspiele (7739—7844), Schwertleite (499—532), Jagden,Hoffeste (5231 ff. 5285 ff.), Aufzug schöner Frauen (6393—6541), feineKleidung(2064 ff.), glänzende Rüstung (750 ff.), Gerichtsverhandlung und Verurteilungder Schuldigen (2006 ff. 3966 ff.).
In der Person Tristans hat die mittelalterliche dichterische Pädagogikihr Ideal gekennzeichnet, er wird als Vorbild feiner höfischer Sitte aufgestellt füradelige Jünglinge (Thomasins Wälscher Gast 1051). 1 Die Verse, in denen beiEilhart die Lehrgegenstände aufgezählt werden (126 —84), sind ein Ritterspiegel,ein Musterbeispiel für höfische Erziehungskunst. Das Ziel dieser Ausbildung(940. 1030. 2427. 5829. 43) ist auf Ehre und Ruhm bei den Menschen ge-richtet (ere und top 137. 218. 324. 347. 1043. 2966. 3077. 92.3108.14. 41. 44.3263. 6098. 6101. 5. 15), der Inhalt ist togent und ere, das sind im Sinneder mittelalterl. Moralphilosophie die weltlichen Tugenden (die vier Kardinal-tugenden Klugheit, Tapferkeit, Maßhalten, Gerechtigkeit). Tugend aber inder höfischen Lebensanschauung umfaßt zu der inneren Vortrefflichkeit auchdie Höfischheit, das feine äußere Benehmen, die zacht: hobische geberdetragen, vgl. 161. 292. 331. 1541. 44. 4670.5066. 6877; stete an guter züchtewesen 167 und besonders: den Frauen dienen 164 f. 2 Das Ergebnis dieserErziehung ist Tristan der kühne Held, vollkommen in allen Tugenden desKörpers und des Geistes, wie ihn sich die Liebe Isaldes idealisiert (2416—38).
Nicht gehört in diese höfische Erziehungslehre die Religion. Frömmig-keit ist keine geforderte Eigenschaft des höfisch gebildeten Weltmannes.Aber zuweilen sind trotzdem religiöse Äußerungen in Eilh.s Gedicht ein-geschaltet, Anrufe an Gott, besonders in Reden, kurze Bitt- oder Dankes-worte (444. 488. 572. 781—86 [Abendsegen]. 1324. 1452. 2398. 3033. 4024.6727). Es sind meist formelhafte Redensarten ohne tiefere Bedeutung. DasChristentum besteht in äußeren Förmlichkeiten (Beichte beim Klausner s. oben)und in einem massiven Teufelsglauben (3401 ff. 19. 81. 3624. 4112. 4717.8994). — Eine zweite von Eilh. eingeschaltete moralisierende Betrachtungstellt frum und böse, vromigheit und bösheit gegenüber (3096—3146). Essind die antithetischen Kategorien gut und böse (vromigheit Tüchtigkeit297. 341. 2437. 2754, gleichbedeutend mit ere 1043). Der Böse ist dem Gutenfeind. Das ist keine Höfischkeitslehre, denn die erstreckt sich nur auf Welt-ehre. Hier aber sind Gott und Welt vereint das Ziel des menschlichenStrebens: Swer got von herzin minnet und nach den erin ringet, demvolgit seidin unheil 3113. Dieses ritterliche Moralgesetz ist hier zum ersten-mal ausgesprochen und stammt nicht aus dem Geiste der alten Estoire.
1 Bei Petrus Blesensis und Henricus Septi-mellensis: Schönbach, Ueb. Hartm. v. AueS. 446 f.
2 Die höf. Lehre zerfällt in drei Abschnitte:1. Künste (Harfen- u. Saitenspiel) und Fertig-keiten (ritterl. Uebungen) 140—51; 2. eine
spezielle Tugend: die Zuverlässigkeit, seinWort zu halten (152—58); 3. Tugenden imallgemeinen und Höfischheit (159—72); un-küscheit (172) steht im Gegensatz zu hove-scheit, zucht, und ist = Unfähigkeit, sich inZucht zu halten, seine Triebe zu zähmen.