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Die erzählende Dichtung
dichtung übergegangen. — Verwirrt ist der Grundplan dadurch, daß derEheroman mit den Gattentrügereien abschließt, 1 nicht mit dem Waldleben,wie es in der ursprünglichen Fluchtsage liegt, sondern eine ganz neue Ge-schichte, die Verbindung Tr.s mit Is. Weißhand (C), hinzugefügt ist. DieQuelle zu dieser Fortsetzung der Liebesabenteuer lag, wie es scheint, ineiner erweiterten Version der kelt. Erzählung von Diarmaid und Grainne,in welcher die verbotenen Liebeszusammenkünfte weitergeführt wurden. DerStoff zu dieser zweiten Liebesfabel, der Geschichte von der weißhändigenIs. (C) ist orientalischen, arabischen Ursprungs, 2 doch sind Züge aus derLaisliteratur eingemischt: das Prahlen mit der Schönheit der früheren Ge-liebten» (= Eilh. 6244 ff.), der pomphafte Aufzug derselben (Eilh. 6430 ff.) be-gegnen auch im Lanval (auch der Graelent ist zu vergleichen); für die Liebes-abenteuer des Bruders der Is. Weißhand, des Kehenis (Kaedin), sind land-läufige Motive benutzt (die unglücklich verheiratete Frau). Die Erfindungin der ganzen Geschichte von der zweiten Is. ist ärmer und schwächer, dieErzählung bei Eilh. durch Reden, Schilderungen und Nebendinge schlep-pender.
Die letzt erreichbaren historischen Elemente in der Tristansage sind dieNamen. 4 Tristan ist piktischer Herkunft, unter den Königen der Pikten(Urbewohner Schottlands vor den Kelten) begegnet der Name Drostan im7.—9. Jh. öfter, später kymrisch Drystan; bei Berol: Tristran, 5 Tristrant,Eilh.: Tristrant (selten Tristant), Thomas: Tristan (Tristran), Gotfrid: Tristan.Marc war nach der Vita S. Pauli Aureliani (884 in einem bretonischen Klosterverfaßt) ein weitberühmter König von Kornwall. Der Name der geliebtenFrau ist höchstwahrscheinlich germanischen Ursprungs, entweder = fränk.Ishild oder auch Iswalda; oder ags. Ethylda; bei Berol Isent (Yseut), Eilh.:Isalde (Ysalde), Thomas: Isolt (Ysolt, Isol), Ysode, Yselt (Yseut), Gotfrid:Isolt (Gen. Dat. Isolde), Isöt (G. D. Ac. Isöte); kelt. Essylt ist wahrscheinlichaus franz. Iselt entstanden. Die Spielmannsversion hat also die Namen Tris-trant und Isalde, die höfische Bearbeitung Tristan und Isolt (Isöt). — Keltischsind Rivalin, Kurneväl, Havelin, Kehenis (Gotfr. Kaedin), die Stadt Karahes(Gotfr. Karke); spez. bretonisch ist Brangene. Die Heimat Tr.s, Loh(e)nois, 6war vielleicht piktisch, Lothian in Südschottland, wurde dann nach Walesverlegt (Berol), schließlich in die Bretagne. Der Name Mörholt hat fränk.-deutsche Bildung, kann aber für einen ähnlich klingenden keltischen Nameneingetreten sein. Britanjä, Tintajöl sind schon Gemeingut der Artusromanedes 12. Jh.s. Der Schauplatz der Tristandichtung ist keltisches Land: Irland
1 Schoepperle S. 120—77. 227 ff. 251—56.413-17. 430 ff. 450 ff.
2 Singer, Preuß.Ak.aaO.; Burdach, Preuß.Ak. 1918, 1075 f.
3 Schoepperle S. 150 ff.
4 Zimmer, ZffrzSpr. 13,58ff.; BEDiERlI,3ff.;Golther, Sage S. 2—6; Ders., Tristanb. S. 16 f.;Windisch aaO.; J. Loth, Revue celt. XXXII
u. XXXIII; Singer aaO. S. 233 ff.; weitere Lit.bei Schoepperle S. 267 ff.; s. auch Warren,Mod. Lang. Notes 24,37 f.; Lot, Rom. 35,596 f.
6 Im Franz. etymolog. erklärt in Anlehnungan tristesse, der in Trauer von der Mutter Ge-borene, vgl. Hertz, Anm. unt. „Trist.das Kind."
6 Brugger, Loennois as Tristan's home,Mod.Philol. Chicago, 22 (1925) Nr. 2.